Weniger CTs nach Hirnblutungen nötig25. März 2019 CT-Bilder eines Patienten mit chronischem Subduralhämatom: Vor der Operation (l.), zwei Tage nach der Operation (m.) und ein Monat nach der Operation (r). (© Insel Gruppe AG) Nach der Operation eines Subduralhämatoms wird routinemäßig eine Computertomographie des Kopfes zur Kontrolle durchgeführt. Dies verleitet jedoch zu weiteren, unnötigen Operationen und ist mit höheren Kosten und höheren Komplikationsraten verbunden – ohne erkennbaren Nutzen für die Patientinnen und Patienten. Das zeigt eine Studie des Neurozentrums am Inselspital. Rund 80 Prozent der Patienten mit einem Subduralhämatom werden durch eine Operation geheilt. Bei einer Minderheit kommt es zu einer erneuten Blutung am gleichen Ort, und die Operation muss Tage bis Wochen später wiederholt werden. Um vorherzusehen, wer eine zweite Operation benötigt, wird meist eine Computertomographie (CT) durchgeführt, die zeigt, wie viel Blut nach der Operation sich noch zwischen Gehirn und Schädel befindet. Forscher des Neurozentrums am Inselspital, Universitätsspital Bern, haben hinterfragt, wie gut diese Bilder überhaupt zur Vorhersage geeignet sind. Hierfür wurde bei der Hälfte eines Kollektivs von gut 350 Patienten auf ein CT nach der Operation verzichtet und die Patientinnen und Patienten nur klinisch nachkontrolliert. Die andere Hälfte erhielt CTs. Dabei fanden die Autoren, dass die Betroffenen von den CTs nicht profitieren. Im Gegenteil: Patienten, die nur neurologisch und ohne routinemäßige CTs kontrolliert wurden, hatten weniger Folgeoperationen, weniger Komplikationen und letztlich geringere Behandlungskosten. Bildgebung erst als zweiter Schritt bei Bedarf Erstautor Prof. Philippe Schucht erklärt die Ergebnisse: “Wenn wir nach der Operation ein CT machen, sieht man eigentlich bei allen Patienten noch Blut um das Gehirn herum. Als behandelnder Arzt ist man versucht, für den Patienten ein ‘besseres’ Resultat durch eine zweite Operation zu erreichen, auch um zu verhindern, dass der Patient wieder Beschwerden bekommt. Dieses Restblut wird jedoch bei den meisten Patienten vom Körper mit der Zeit abgebaut, weshalb eine Voraussage, ob es später nochmals eine Operation braucht, schwierig ist. Falls die Blutung mit der Zeit wieder langsam zunimmt, bemerken die Betroffenen wieder mehr Kopfschmerzen oder eine Schwäche. Dann haben wir immer noch Zeit, zu untersuchen und ein CT zu machen – aber nur dort, wo es wirklich nötig ist.” Die Studie kommt deshalb zu dem Schluss, dass Verlaufskontrollen beim Neurologen die wenigen Patienten, die eine erneute Operation benötigen, weniger invasiv und sicherer identifizieren und auf Routine-CTs verzichtet werden kann. Das zeigt sich auch darin, dass in der Studiengruppe mit CT 59 Nach-Operationen durchgeführt wurden, in der Gruppe ohne CT nur 39. Und das bei weniger Komplikationen (19 Patienten ohne CT vs. 26 mit CT). Für die Patientinnen und Patienten sei in diesem Fall also weniger mehr, so die Empfehlung der Studienautoren. Originalpublikation: Schucht P. et al.: Follow-up Computed Tomography after Evacuation of Chronic Subdural Hematoma. N Engl J Med 2019;380(12):1186-1187.
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