Wenn Blutgefäße altern, altert auch das Herz3. November 2025 Symbolbild: ©mybox/stock.adobe.com Warum das Herz im Alter an Elastizität verliert und anfälliger für Erkrankungen wird, ist bislang nur teilweise verstanden. Die entscheidenden Prozesse scheinen vor allem in der Nähe von Blutgefäßen stattzufinden, zeigt eine neue Studie. Vaskuläre Nischen sind die Orte, an denen Entzündung, Zellalterung und Umbauvorgänge im Herzgewebe beginnen. Zu diesem Schluss gelangen Forschende der Goethe-Universität Frankfurt, des Cardiopulmonary Institute (CPI) und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in ihrer Studie im Fachmagazin „Circulation Research“. Für die Studie analysierte das Team um Erstautor David Rodriguez Morales und Letztautorin Stefanie Dimmeler die Herzen junger und alter Mäuse mithilfe modernster Einzelzell- und Gewebetechnologien. Sie identifizierten elf verschiedene Mikroumgebungen im Herzgewebe, die sich hinsichtlich ihrer Zellzusammensetzung und Aktivität unterscheiden. Besonders stark verändert zeigten sich die gefäßnahen Bereiche: Dort häufen sich alternde Zellen, die entzündliche Signale aussenden und das Gewebe verfestigen. Hotspots der Entzündung „Unsere Daten legen nahe, dass das Altern des Herzens gewissermaßen an den Gefäßen beginnt“, sagt Rodriguez Morales. „Diese Nischen wirken wie kleine Hotspots, die Entzündung und Umbauprozesse anstoßen, die sich dann auf das gesamte Organ ausweiten.“ Das Team testete auch, ob sich dieser Prozess aufhalten lässt. Bei alten Mäusen, die mit Senolytika – also Substanzen, die alternde Zellen gezielt entfernen – behandelt wurden, gingen bestimmte Entzündungszellen in den vaskulären Nischen zurück. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Therapien, die auf diese Mikroumgebungen abzielen, das Herz im Alter schützen. „Das Altern ist kein gleichmäßiger Prozess, der das ganze Herz betrifft“, sagt Dimmeler. „Vielmehr scheint es von bestimmten Bereichen auszugehen. Diese Erkenntnis eröffnet neue Möglichkeiten, gezielt dort einzugreifen, wo die Schäden entstehen.“ Die Studie liefert damit eine Grundlage, um altersbedingte Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems künftig besser zu verstehen und therapeutisch zu beeinflussen.
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