Wenn der Klimawandel Bakterien verändert

Escherichia coli (3D-Rendering) (Symbolbild) Abb.: © catalin – stock.adobe.com

Ein neuer Forschungsverbund aus drei Hochschulen in Hannover untersucht, wie sich Mikroorganismen an den Klimawandel anpassen und welche Folgen das für Menschen, Tiere und Pflanzen haben könnte, wie die Stiftung Tierärztliche Hochschule berichtet.

Das dreijährige Projekt „Bakterielle Klimaresilienz in One Health“ (BaKlimON) startet am 1. Juli 2026. 

Steigende Temperaturen, Dürre oder Überschwemmungen beeinflussen auch die Welt der Bakterien

Forschende der Leibniz Universität Hannover (LUH), der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) bündeln in BaKlimON ihre mikrobiologische Expertise. Das Projekt wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und von der Volkswagenstiftung mit 3,2 Millionen Euro im Rahmen der Forschungsförderung zukunft.niedersachsen unterstützt. Prof. Dr. Natalia Tschowri vom LUH-Institut für Mikrobiologie koordiniert BaKlimON. Zusammen mit Prof. Dr. Dirk Schlüter vom MHH-Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene und Prof. Dr. Ralph Goethe vom TiHo-Institut für Mikrobiologie bildet sie das Sprecherteam.

Ein One-Health-Ansatz für eine vernetzte Welt

Bakterien sind überall: Im Boden, in Pflanzen und Tieren ebenso wie im menschlichen Körper. Sie spielen eine zentrale Rolle für Nährstoffkreisläufe und unsere Gesundheit, können aber auch Infektionskrankheiten verursachen. Verändern sich durch den Klimawandel Temperatur und Feuchtigkeit, ändern sich auch die Lebensbedingungen für Bakterien. „Wir wissen noch erstaunlich wenig darüber, wie Bakterien auf den Klimawandel reagieren. Im Verbund BaKlimON untersuchen wir, ob daraus neue Risiken oder vielleicht auch neue Chancen entstehen“, sagt Professorin Tschowri. 

„BaKlimON folgt dem ‚One Health‘-Ansatz, der die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt als eng miteinander verbunden versteht: Veränderungen bei Pflanzen oder Tieren können auch Auswirkungen auf den Menschen haben“, fügt Prof. Schlüter hinzu.

Auswirkungen auf Böden, Pflanzen, Tiere und Menschen

„Im Fokus stehen zwei zentrale Klimafaktoren „Temperaturstress“ und „Wasserstress“ mit ihrem bedeutenden Einfluss auf die Sauerstoffverfügbarkeit, die Osmolarität sowie die Konzentration von Toxinen wie Schwermetallen und Antibiotika auf mikrobielle Lebensgemeinschaften und bakterielle Anpassungsmechanismen“, ergänzt Prof. Goethe.

Der Verbund umfasst 13 Projekte – fünf an der Leibniz Universität Hannover, fünf an der Medizinischen Hochschule Hannover und drei an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.  An der Leibniz Universität Hannover untersuchen Forschende schwerpunktmäßig mikrobielle Gemeinschaften. Außerdem überprüfen sie die Belastung der Umwelt durch potenziell krankmachende Keime unter Klimastress. Im Fokus steht hier die Frage, wie Boden- und Pflanzenbakterien auf Trockenheit oder Überschwemmung reagieren. 

Das Team der Medizinischen Hochschule Hannover erforscht, wie sich veränderte Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen auf das menschliche Mikrobiom, auf Infektionsmechanismen sowie auf Antibiotikaresistenzen auswirken. Dabei stehen auch bekannte Krankheitserreger wie Salmonellen, Listerien oder Escherichia coli im Fokus. Beispielsweise untersuchen die Forschenden, ob der Mensch häufiger mit Krankheitserregern in Kontakt kommt, wenn sich bakterielle Gemeinschaften in der Umwelt durch den Klimawandel verschieben.

One Health: TiHo-Forschende forschen für Mensch und Tier

An der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover verfolgen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den One-Health-Ansatz. Sie erforschen, wie klimatische Veränderungen Infektionserreger von Menschen und Tieren beeinflussen. Besonders interessieren sie die Auswirkungen auf die Pathogenität sowie die Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen. Im Fokus stehen dabei klinisch bedeutsame veterinär- und humanmedizinische Erreger wie Staphylokokken, Enterobacter sowie nicht-tuberkulöse Mykobakterien. Die Forschenden untersuchen sie gezielt auf klimabedingte molekulare Veränderungen, die ihre krankmachenden Eigenschaften und Übertragungswege beeinflussen können.

Ein starkes Netzwerk am Wissenschaftsstandort Hannover

BaKlimON bündelt die mikrobiologische Expertise der drei großen Hochschulen Hannovers und schafft eine Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit. Perspektivisch soll das Netzwerk auch in das Zentrum Klimaforschung Niedersachsen eingebunden werden.

Durch die Verknüpfung von Human-, Tier- und Umweltmikrobiologie können Fragen untersucht werden, die bisher selten gemeinsam betrachtet wurden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Junge Forschende sollen in einem strukturierten Programm ausgebildet werden, das sie auf internationale Forschungskarrieren vorbereitet. Workshops, Symposien und Kooperationen mit Graduiertenschulen sollen den Austausch über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg stärken.