Wenn Mutter- oder Vatersein nicht glücklich macht15. Juli 2022 Prof. Christine Rummel-Kluge, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, bei einer Videosprechstunde. Die zu ihrer Klinik gehörende Spezialambulanz für peripartale Depressionen hat nun ihr Angebot erweitert. (Foto: Stefan Straube / UKL) Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) hat sein Hilfsangebot erweitert und bietet seit Kurzem eine Spezialambulanz für Eltern mit einer peripartalen psychischen Störung an. “Traurige junge Mütter kommen in unserer Welt ja eigentlich nicht vor”, beschreibt Prof. Christine Rummel-Kluge, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig, das Problem. “Aber die Glückserwartung, die üblicherweise an den Familienzuwachs geknüpft wird, stellt sich nicht immer ein.” Stattdessen beherrschen Schlafstörungen, gedrückte Stimmung, starke Müdigkeit bis hin zu Suizidgedanken den Alltag in mancher frischgebackenen oder werdenden Familie. Überwiegend betroffen sind Mütter, aber auch bei Vätern kann das lebensverändernde Ereignis einer Geburt eine Depression auslösen. Diese Wochenbettdepression betrifft alle Lebensbereiche und kann große Einschränkungen verursachen – auch in der Entwicklung der Mutter-Kind- oder Vater-Kind-Beziehung. “Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene möglichst früh professionelle Hilfe und damit die Chance auf eine Besserung erhalten”, beschreibt Rummel-Kluge die Aufgabe, die sich das Team der UKL-Spezialambulanz für peripartale psychische Erkrankungen gestellt hat. Deren Angebot wurde jetzt erweitert, sodass den Betroffenen mehr Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. “Wir haben in den Pandemiemonaten einen gestiegenen Bedarf gesehen, auf den wir damit reagiert haben”, so die Psychiaterin. Hintergrund sind vermutlich die Einschränkungen der Sozialkontakte in den vergangenen zwei Jahren. “Für Menschen mit psychischen Störungen war das ein zusätzliches Risiko, denn alle Angebote, die sonst Halt und Struktur gegeben haben, sind ersatzlos entfallen”, erklärt Rummel-Kluge die Zusammenhänge. “Damit sind dann die Mütter und Eltern allein mit ihren belastenden Gedanken und Stimmungen, was diese wiederum verschlimmert.” Damit in solchen Situationen schnell Abhilfe geschaffen werden kann, wurden am UKL die Kapazitäten in der Ambulanz aufgestockt und mehr Kurse angeboten, sobald dies möglich war, auch wieder in Präsenz. Kinder können mitgebracht werden, lange Wartezeiten gibt es hier nicht: “Wer sich bei uns in der Ambulanz mit behandlungsbedürftigen Symptomen meldet, wird unmittelbar betreut”, erklärt die Psychiaterin. Als solche Symptome gelten länger als zwei Wochen anhaltende starke Anzeichen einer Depression wie Antriebs- und Freudlosigkeit, Schuldgefühle oder Zwangsgedanken. “Unsere Patientinnen und Patienten wissen in der Regel sehr gut, wann es sich bei ihnen um mehr als normale Erschöpfung handelt und die Situation Hilfe erfordert,” sagt Rummel-Kluge. Dank der verschiedenen Therapieoptionen, zu denen auch medikamentöse Hilfe gehören kann, tritt die Besserung dann oft auch sehr schnell ein. “Manche haben Angst, dass eine psychiatrische oder psychotherapeutische Betreuung dazu führen, dass sie das Kind verlieren”, sagt weiß Rummel-Kluge. “Aber unsere Aufgabe besteht gerade darin, den Betroffenen so zu helfen, dass sie sich gut um ihr Kind kümmern können – also das genaue Gegenteil.”
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