Wer wird Molluske des Jahres 2026? Jetzt abstimmen!

Die Seychellen-Weißschnecke (Filicaulis seychellensis) – oft übersehen, aber entscheidend für das Gleichgewicht des Ökosystems der endemischen Palmenwälder auf den Seychellen. Foto: © Thomas Peschak

Drei Schnecken, zwei Muscheln, ein Titel. Alle Mollusken-Fans und solche, die es werden wollen, sind eingeladen, unter https://sgn.one/moty2026 mitzuentscheiden, welche der fünf Finalisten-Arten den Titel „Internationales Weichtier des Jahres 2026“ erhält.

Bereits zum sechsten Mal veranstaltet Senckenberg gemeinsam mit der Unitas Malacologica – der internationalen Fachgesellschaft für Molluskenforschung – diese öffentliche Online-Abstimmung.

Das Ziel des Wettbewerbs besteht darin, die beeindruckende Vielfalt der faszinierenden Tiergruppe stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Und damit ihren Schutz zu fördern. Auf die Gewinner-Art wartet zudem eine besondere Auszeichnung. Denn ihr Genom wird erstmals vollständig sequenziert.

Weichtiere stellen die zweitartenreichste Tiergruppe dar

„Mit der Wahl zur ‚Molluske des Jahres 2026‘ möchten wir die enorme Vielfalt der Weichtiere hervorheben, die zweitartenreichste Tiergruppe weltweit. Mollusken bevölkern fast jeden Lebensraum unseres Planeten – von winzigen Schnecken, die man kaum mit dem bloßen Auge erkennt, bis zu riesigen Tintenfischen, die zu den größten wirbellosen Tieren der Erde zählen“, erklärt Prof. Julia Sigwart, Abteilungsleiterin Marine Zoologie am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. „Diese beeindruckende Bandbreite an Formen, Lebensweisen und Anpassungen zeigt sich auch bei den fünf außergewöhnlichen Nominierten unseres diesjährigen Wettbewerbs.“

And the Nominees Are …

Die Kandidaten für den Titel sind in diesem Jahr die Pferdeschnecke Triplofusus giganteus, die steinfressende Muschel Lithoredo abatanica, die Vampirschnecke Cumia intertexta, die auf den Seychellen lebende Schnecke Filicaulis seychellensis und die „geflügelte“ Muschel Ephippodonta lunata.

Eine internationale Jury aus Forschenden von Senckenberg und der Unitas Malacologica wählte sie aus zahlreichen Nominierungen der globalen Weichtier-Community aus. Nun können alle Weichtier-Fans vom 13. bis zum 26. April auf der Website https://sgn.one/moty2026 mehr über die nominierten Arten erfahren. Und natürlich ihre Stimme für den persönlichen Favoriten abgeben.

„Die große Vielfalt an Einreichungen aus aller Welt hat uns erneut begeistert – entsprechend anspruchsvoll war es, die fünf Finalisten auszuwählen“, erzählt Dr. Carola Greve. Sie ist Leiterin des Laborzentrums für Biodiversitätsgenomik am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. „Jede der nominierten Arten überzeugt durch ihre eigene Geschichte und besondere, einzigartige Merkmale.“

Jeder Teilnehmer besticht durch sehr spezielle Eigenheiten

Triplofusus giganteus, eine im Atlantik lebende Schnecke, wird bis zu 60 Zentimeter lang. Mit ihrem massiven Fuß fängt sie andere Weichtiere.

Bei Ebbe in der Nähe von Kice Island an der Südwestküste Floridas ist eine Pferdeschnecke gerade dabei, eine gestrandete Schnecke zu verschlingen. Foto: © Amy Tripp

Die Muschel Lithoredo abatanica bohrt sich mit gezackten Schalen durch festen Felsen. Es handelt sich bei ihr um das erste bekannte Tier, das Gestein frisst.

Die etwa zwei Zentimeter große „Vampirschnecke“ Cumia intertexta ernährt sich nachts vom Blut ruhender Fische. Dafür muss die Schnecke mit ihrem langen Rüssel die Haut durchbohren.

Filicaulis seychellensis ist eine winzige, reinweiße Schnecke, die ausschließlich auf der zu den Seychellen gehörenden Insel Praslin lebt. Durch eine invasive Ameise stand Filicaulis kurz vor dem Aussterben.

Die Mondmuschel Ephippodonta lunata aus Australien hat ihre Schalen zu halbmondförmigen „Flügeln“ umgebaut. Sie nutzt Schwämme oder die Tunnel von Garnelen als Wohnort.

Schutzbedarf der Weichtiere im Fokus des Wettbewerbs

„Mit der Wahl zur ‚Internationalen Molluske des Jahres‘ möchten wir die erstaunliche Vielfalt und Einzigartigkeit dieser Tiergruppe hervorheben und gleichzeitig auf ihre Bedeutung und ihren Schutzbedarf aufmerksam machen. Viele Arten bleiben unentdeckt – manche verschwinden, bevor wir ihre Rolle im Ökosystem verstehen konnten“, erläutert Sigwart.

Dazu fügt Greve hinzu: „Weichtiere verfügen über eine beeindruckende genomische Vielfalt, doch bisher wurden vergleichsweise wenige Genome vollständig entschlüsselt. Das Genom der Gewinner-Art wollen wir bestimmen – die Pferdeschnecke würde im Hinblick auf ihre Populationsentwicklung untersucht, die Vampirschnecke bezüglich der genetischen Grundlagen ihrer Bluternährung, Lithoredo abatanica zur Erforschung außergewöhnlicher Überlebensstrategien, die Seychellen-Schnecke zur Rekonstruktion ihrer über Jahrmillionen isoliert verlaufenen Evolution und die Mondmuschel, um Symbiosen und Körperumwandlungen besser zu verstehen. Wir sind gespannt, welche Art in diesem Jahr den Titel erhält – und welche bislang verborgenen genomischen Geheimnisse sie preisgibt!“

Die „Internationale Molluske des Jahres 2026“ wird am 30. April bekannt gegeben.

Website mit Kurzporträts der Finalisten-Arten und Abstimmung: https://sgn.one/moty2026