Werden aktuelle Therapieempfehlungen für Kinder und Jugendliche mit Rheuma im Klinikalltag umgesetzt?22. August 2022 Foto: Krakenimages.com/stock.adobe.com Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Rheuma ist oft nur unzureichend, da empfohlene Standards und Leitlinien im Klinikalltag mitunter keine Anwendung finden. Die PRO-KIND-Kommission der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) hat deshalb Protokolle für die Therapie entwickelt. Etwa 40.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen betroffen. Eine Form davon ist die polyartikuläre juvenile idiopathische Arthritis (pJIA), die sich vor allem in der Entzündung mehrerer Gelenke mit unklarer Ursache äußert. „Unbehandelt zieht die pJIA schwere Bewegungseinschränkungen oder im schlimmsten Fall auch eine Gelenkzerstörung nach sich“, sagt Prof. Dirk Föll, Direktor der Klinik für Pädiatrische Rheumatologie und Immunologie des Universitätsklinikums Münster. „Die damit verbundenen Schmerzen und ihre Folgen stellen eine starke Beeinträchtigung im Leben der jungen Menschen dar, weshalb eine frühe Diagnose und eine optimale Therapie besonders wichtig sind.“ Dies gestaltet sich jedoch leider häufig schwierig: Deutschlandweit gibt es etwa 100 kinderrheumatologische Einrichtungen, doch die Behandlung dort folgte bislang oft keinen einheitlichen Standards und variierte zum Teil erheblich. Therapieleitlinien und Empfehlungen wurden in der klinischen Praxis nur unzureichend umgesetzt. So wurden an Rheuma erkrankte Kinder und Jugendliche oft zu spät und teils mit veralteten Methoden behandelt. Erste Ergebnisse fallen eindeutig aus Die Kommission PRO-KIND der GKJR hat Handlungsprotokolle für den klinischen Alltag entwickelt, die dieser Problematik entgegenwirken sollen. „Ziel war es, den Behandelnden eine einfache Handreichung mitzugeben, die ihnen hilft, internationale Standards der Diagnostik und Therapie zu etablieren“, so Föll. Im Rahmen der Beobachtungsstudie „PRO-KIND-Rheuma“ überprüft die Kommission nun, ob diese Handlungsprotokolle tatsächlich Anwendung im Klinikalltag finden und helfen, den Erkrankungsverlauf positiv zu beeinflussen. Außerdem wollen die Studienautorinnen und -autoren die Therapieprotokolle auf Grundlage der ausgewerteten Ergebnisse weiterhin verbessern. Dafür analysierten sie die Behandlungsdaten von bundesweit 500 Kindern und Jugendlichen mit kürzlich zurückliegender Rheuma-Diagnose. Unter den bislang erfassten Teilnehmenden befinden sich 52 Patientinnen und Patienten mit einer pJIA, deren Daten nach drei Monaten Behandlungsdauer ausgewertet wurden. 71 Prozent von ihnen wurden nach den vorgeschlagenen Behandlungspfaden der Kommission PRO-KIND gemäß dem „treat-to-target“-Prinzip therapiert. Dieses sah im Wesentlichen die Gabe von krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) wie Methotrexat (MTX) und Glukokortikoidinjektionen in die Gelenke vor. Bei 77 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen zeigte sich nach drei Monaten Behandlung eine deutliche Minderung der Krankheitsaktivität. Dauerhafte Remission noch nicht für jeden erreichbar „Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen bereits, dass die „treat-to-target“-Therapie der PRO-KIND-Kommission im Klinikalltag breite Anwendung findet und funktioniert“, sagt Prof. Kirsten Minden, Kinderrheumatologin, Professorin der Charité Universitätsmedizin Berlin und Kongresspräsidentin der GKJR. „Es freut uns zu sehen, dass die Handlungsprotokolle der Kommission so viel Zuspruch finden, und damit dazu beitragen, aktuellstes Wissen in die Praxis und Behandlung zu transportieren.“ Es besteht die Hoffnung, dass diese Therapiestrategie auch die Langzeitprognose von Rheuma im Kindesalter verbessert. Bisher stellte sich nur bei etwa jedem zweiten Kind eine dauerhafte Remission, ein symptomfreies Leben, ein. Um die Ursachen der Krankheit zu verstehen und allen Erkrankten eine dauerhafte Remission zu ermöglichen, sei weiterhin intensive Grundlagenforschung notwendig. Zudem müssten weitere Faktoren mit einbezogen werden, etwa wie lange es dauert, bis ein Kind oder Jugendlicher in die fachärztliche Behandlung gelangt, denn gerade bei jungen Menschen blieben rheumatische Erkrankungen häufig zunächst unerkannt.
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