Wheezing und schlechtere Lungenfunktion durch Bisphenol-A-Exposition in utero 25. Oktober 2019 Foto: © Irin Fierce/Adobe Stock Schwangere Frauen, die höheren Konzentrationen der in vielen häufigen Produkten verwendeten Chemikalie Bisphenol A (BPA) ausgesetzt sind, haben offenbar mit größerer Wahrscheinlichkeit Kinder, die unter Atemnot und einer verringerten Lungenfunktion leiden. Das berichteten Forscher anlässlich des diesjährigen internationalen Kongresses der European Respiratory Society (ERS) in Madrid. BPA gehört zu den Phenolen und kommt bei der Herstellung von Lebensmittelbehältern, Dosen, Plastikflaschen, Spielzeug und einigen Papierarten zur Anwendung. Ältere Untersuchungen legen nahe, dass Phenole die Hormonsignale im Körper stören können. Für die in Madrid präsentierte Studie untersuchten Wissenschaftler die Exposition schwangerer Frauen gegenüber verschiedenen Phenolen. Die Untersuchung ergab, dass die Mehrheit der Frauen in der Studie nachweisbare BPA-Werte im Urin aufwies. Bei Kindern von Frauen mit einem höheren BPA-Spiegel war die Wahrscheinlichkeit für eine verringerte Lungenkapazität und Wheezing erhöht. Die Studie wurde beim ERS-Kongress von Alicia Abellan vom Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal) vorgestellt. Sie erklärte: „Phenole sind Chemikalien, denen wir in unserem täglichen Leben ständig ausgesetzt sind, und BPA ist das am häufigsten verwendete Phenol. Man bezeichnet Phenole auch als ‘endokrine Disruptoren’, was bedeutet, dass sie das Hormonsystem stören und folglich viele wesentliche Körperfunktionen, einschließlich das Atmungs- und Immunsystem, verändern können.“ „Wenn Kinder sich noch im Mutterleib befinden, sind sie besonders anfällig für diese Substanzen, da sie noch nicht in der Lage sind, toxische Substanzen loszuwerden, und sich ihr Atmungs- und Immunsystem noch entwickelt.“ Abellan und ihre Kollegen untersuchten 2685 Mutter-Kind-Paare, die bereits an einem von 8 großen europäischen Forschungsprojekten teilgenommen hatten. Die Exposition der Mütter gegenüber BPA und anderen Phenolen wurde anhand einer während der Schwangerschaft entnommenen Urinprobe gemessen. Die Lungenfunktion der Kinder wurde im Alter von 6-10 Jahren ermittelt. Um festzustellen, ob die Kinder an Wheezing litten, setzten die Studienautoren auch Fragebögen ein. Die Ergebnisse zeigten, dass 79 Prozent der schwangeren Frauen nachweisbare Mengen an BPA im Urin hatten. Andere weniger häufig verwendete Phenole wie Bisphenol S und Bisphenol F wurden ebenfalls gefunden, jedoch bei weniger Frauen. Die Forscher fanden heraus, dass Frauen mit einem höheren BPA-Spiegel 13 Prozent häufiger Kinder hatten, die an Wheezing litten. Sie stellten außerdem fest, dass eine Verdoppelung des BPA in der Urinprobe einer Mutter einer geschätzten Abnahme der Lungenkapazität ihres Kindes um 5 ml entsprach. Die Forscher sagen, dass ihre Ergebnisse dadurch untermauert werden, dass sie Daten aus 8 verschiedenen europäischen Studien zusammentrugen, an denen eine große Anzahl von Teilnehmern teilgenommen hatte. Eine potenzielle Schwachstelle der Arbeit sei jedoch, dass sie sich auf Messungen von Phenolen in nur einer oder 2 Urinproben pro Frau stützen mussten, die nur eine Momentaufnahme der jüngsten Exposition liefern könnten. Abellan erklärte dazu: „Unsere Forschung sagt uns nicht genau, wie die beiden zusammenhängen, aber frühere Untersuchungen an Tieren haben gezeigt, dass eine vorgeburtliche Exposition gegenüber BPA die Lunge in ihrer Entwicklung bremsen und das Immunsystem beeinträchtigen kann. Es könnte sein, dass diese das Immunsystem beeinträchtigen Chemikalien mit Hormonsignalen im heranwachsenden Kind interagieren und die korrekte Entwicklung des Immun- und Atmungssystems verändern.“ Gegenwärtig besteht kein allgemeiner Konsens in Bezug auf eine sichere Exposition gegenüber Phenolen. Allerdings hat kürzlich das Gericht der Europäischen Union BPA in die Liste der besonders besorgniserregenden Chemikalien aufgenommen.“ Abellan und ihre Kollegen planen, diese Arbeit fortzusetzen, indem sie die BPA-Exposition und ihre Auswirkungen auf verschiedene Wheezing-Muster im Kindesalter analysieren und die Auswirkungen der anderen Phenole untersuchen, die sie in geringeren Konzentrationen gefunden haben.
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