Wie eine Corona-Infektion Blutzellen langfristig verändert22. Juni 2021 Behandlung von Blutproben – um die physikalischen Eigenschaften von Leukozyten und Erythrozyten zu messen. Quelle: Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts/Guck Division Erlanger ForscherInnen konnten erstmals zeigen: Durch eine COVID-19-Erkrankung verändern sich Größe und Steifigkeit roter und weißer Blutkörperchen deutlich – zum Teil über Monate hinweg. Die Ergebnisse könnten dabei helfen, Long Covid zu erklären. Atemnot, Müdigkeit und Kopfschmerzen: Manche PatientInnen kämpfen noch ein halbes Jahr und länger mit Langzeitfolgen einer schweren Infektion durch das Coronavirus SARS-CoV-2. Dieses Post-COVID-19-Syndrom, kurz Long Covid, ist noch immer nicht richtig verstanden. Klar ist, dass im Zuge einer Erkrankung oft die Blutzirkulation beeinträchtigt ist, es zu gefährlichen Gefäßverschlüssen kommen kann und der Sauerstofftransport im Blut nur eingeschränkt funktioniert. Alles Phänomene, bei denen die Blutzellen und ihre physikalischen Eigenschaften eine Schlüsselrolle spielen. Daher hat ein Team von WissenschaftlerInnen um Markéta Kubánková, Jochen Guck und Martin Kräter vom Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin, dem Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL), der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie dem Deutschen Zentrum für Immuntherapie die mechanischen Zustände von roten und weißen Blutkörperchen untersucht. „Dabei haben wir deutliche und langanhaltende Veränderungen der Zellen messen können – sowohl während einer akuten Infektion und auch noch danach“, berichtet Guck, derzeit geschäftsführender Direktor des MPL. Das habe Folgen für Diagnose und Behandlung von COVID-19. Ihre Ergebnisse hat die Forschungsgruppe jetzt im Fachmagazin „Biophysical Journal“ veröffentlicht. Um die Blutzellen zu analysieren, nutzen sie ein selbst entwickeltes Verfahren namens Echtzeit-Verformungszytometrie (real-time deformability cytometry, RT-DC), das vor kurzem mit dem hoch dotierten Medical Valley Award ausgezeichnet wurde. In einer Pressemitteilung erläutert das MPL die Methode: Bei dieser schicken die ForscherInnen die Blutzellen durch einen engen Kanal. Dabei werden die Leukozyten und Erythrozyten gestreckt. Eine Hochgeschwindigkeitskamera fotografiert jede einzelne von ihnen durch ein Mikroskop, eine spezielle Software ermittelt, um welche Zelltypen es sich handelt, wie groß und wie stark verformt sie sind. Bis zu 1000 Blutkörperchen lassen sich so pro Sekunde analysieren. Vorteil des Verfahrens laut MPL: Es ist schnell und die Zellen müssen nicht aufwändig angefärbt werden. Auf diese Weise haben die Erlanger BiophysikerInnen mehr als vier Millionen Blutzellen von 17 akut an COVID-19 erkrankten PatientInnen, von 14 Genesenen und 24 Gesunden als Vergleichsgruppe untersucht. Dabei zeigte sich, dass beispielsweise Größe und Verformbarkeit der roten Blutkörperchen von Erkrankten stärker schwankte als die von Gesunden. „Das deutet auf eine Schädigung dieser Zellen hin und könnte das erhöhte Risiko von Gefäßverschlüssen und Embolien der Lunge erklären“, erläutert das MPL. Zudem könne dadurch die Sauerstoffversorgung, die zu den Hauptaufgaben der Erythrozyten zählt, bei Infizierten beeinträchtigt sein. Die Lymphozyten seien bei Corona-PatientInnen wiederum deutlich weicher gewesen, was auf eine starke Immunreaktion hinweisen könne, so die ForscherInnen. Ähnliche Beobachtungen konnten sie auch bei den für die angeborene Immunabwehr verantwortlichen Neutrophilen Granulozyten machen. Diese Zellen blieben sieben Monate nach der akuten Infektion drastisch verändert. „Wir vermuten, dass sich das Zellskelett der Immunzellen, welches maßgeblich für die Zellfunktion verantwortlich ist, verändert hat“, erklärt die Erstautorin Kubánková. Aus ihrer Sicht hat die Echtzeit-Verformungszytometrie das Potenzial dazu, routinemäßig bei der Diagnose von COVID-19 eingesetzt zu werden – und sogar als Frühwarnsystem vor künftigen Pandemien durch noch unbekannte Viren zu dienen.
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