Wie einige Hunde zu „Wort-Genies“ werden28. November 2025 Studienteilnehmer Harvey gilt als intelligentester Hund Großbritanniens. Er kann mehr als 200 Spielzeuge anhand ihres Namens unterscheiden. Foto: © Irene Hewlett Eine internationale Studie unter Beteiligung der Universität Jena zeigt: Neugier, Fokus und die Fähigkeit Verhalten zu unterdrücken prägen eine außergewöhnliche Lernfähigkeit von Hunden. Manche Hunde sind überdurchschnittlich gut im „Vokabeln lernen“. Hunde, die Hunderte von Objekten allein anhand ihres Namens erkennen können, sind extrem selten. Ein internationales Forschungsteam der University of Portsmouth und der „HundeStudien“-Arbeitsgruppe der Universität Jena hat nun erstmals untersucht, welche Merkmale diese sogenannten Label-Lerner von anderen Hunden unterscheiden. Ihre soeben im Fachmagazin „Nature Scientific Reports“ veröffentlichte Studie zeigt, dass Neugier, gezielter Fokus und kontrolliertes Verhalten entscheidend dafür sind, dass einige wenige Hunde lernen können, dass Objekte Namen haben.„Nicht jeder Hund kann eine so große Vielfalt an Objekten unterscheiden – diese Fähigkeit ist extrem selten und scheint eine natürliche Begabung zu sein“, sagt Dr. Juliane Kaminski von der University of Portsmouth, die die Studie gemeinsam mit Dr. Juliane Bräuer von der Universität Jena leitete. Citizen-Science-Projekt mit Hunden aus fünf Ländern Für die Untersuchung suchte das Forschungsteam weltweit nach Label-Lernern – und fand insgesamt elf geeignete Hunde aus Großbritannien, den USA, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland. In einem Vortest mussten die Tiere zeigen, dass sie Objekte zuverlässig anhand ihres Namens auswählen können.Weil diese speziellen Hunde weit voneinander entfernt leben, wurde das Projekt als Citizen-Science-Studie durchgeführt: Die Besitzer filmten ihre Hunde in acht standardisierten kognitiven Tests, u. a. zu Problemlöseverhalten, Lernfähigkeit, Gedächtnisleistung und Reaktionen auf neue Objekte. Parallel führte das Forschungsteam dieselben Tests mit einer Kontrollgruppe aus gleichaltrigen, vergleichbaren Hunden ohne besondere Label-Lernfähigkeit durch.Die Auswertung ergab deutliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Neben Neugier – einem außergewöhnlich starken Interesse an neuen Objekten – zeichneten sich die Label-Lerner auch durch eine besondere Aufmerksamkeit auf einzelne Gegenstände und die Fähigkeit aus, spontane Präferenzen zu unterdrücken.„Mich überrascht nicht, dass diese Unterdrückung spontaner Präferenzen eine Rolle spielt“, sagt Dr. Juliane Bräuer, die kürzlich mit ihrer Arbeitsgruppe vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie an die Universität Jena gewechselt ist. „Die meisten Hunde können Lieblingsobjekte kaum ignorieren – das erschwert ihnen das Lernen.“ Bedeutung für Assistenzhunde-Forschung Die Ergebnisse der aktuellen Studie haben auch praktische Relevanz. Sie könnten Grundlage für künftige Verfahren sein, die schon bei jungen Hunden Hinweise auf besondere Lernfähigkeit liefern – etwa für den Einsatz als Assistenz- oder Therapiebegleithunde. Die Forschenden der Uni Jena untersuchen aktuell neben der Objektbenennung unter anderem, wie Hunde menschliche Emotionen lesen und wie sich Mensch-Hund-Interaktionen kulturell unterscheiden. Teilnahme an zukünftigen Studien Die Arbeitsgruppe „HundeStudien Jena“ sucht permanent neue Probanden: Hunde und ihre Besitzerinnen oder Besitzer, die sich registrieren lassen, um dann zu Tests eingeladen zu werden. Informationen finden sich unter https://www.fsv.uni-jena.de/66220/hundestudien. Anmeldungen sind unter [email protected] möglich.Für weitere Studien zu Label-Lernern sucht das Forschungsteam außerdem Hunde, die diese außergewöhnlich Fähigkeit besitzen. Besitzerinnen und Besitzer solcher Hunde können sich melden unter: [email protected].
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