Wie finden Männer den Weg in die Krebsberatung?8. Juni 2020 Auch Männer sollten sich nicht scheuen, bei Bedarf psychoonkologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Foto: Dragon Images – Fotolia.com Wie es gelingen kann, Männern den Weg in die ambulante Krebsberatung zu ebnen, ist Gegenstand einer Studie der Universitätsmedizin Mainz. Die Studie steht unter Federführung des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) in Kooperation mit 15 Krebsberatungsstellen (KBS) in Deutschland. Im Rahmen der Studie startet nun ein Pilotprojekt, um zu überprüfen, wie wirksam bestimmte Maßnahmen sind. Krebskranke Männer sind ebenso häufig psychosozial belastet wie Frauen. Während eines stationären Aufenthaltes im Krankenhaus nehmen sie psycho-onkologische Unterstützungsangebote genauso häufig wahr wie Frauen. In der ambulanten Versorgung gibt es hingegen große Unterschiede zwischen den Geschlechtern: In den Krebsberatungsstellen sind nur 30 Prozent aller Ratsuchenden Männer. Die Gründe hierfür sind geschlechtsspezifisch und komplex. „Männer sind oftmals weniger gut informiert – sowohl was die Existenz der Krebsberatungsstellen anbelangt als auch wie hilfreich diese Anlaufstellen für sie sein könnten. Zudem verspüren sie subjektiv in geringerem Umfang den Bedarf an Beratung und haben mitunter Vorbehalte und falsche Vorstellungen von psychosozialen Angeboten. Des Weiteren haben Männer häufig die Erwartung an sich selbst, stark sein zu müssen und keine Hilfe zu benötigen“, erläutert Prof. Susanne Singer, Leiterin der Abteilung Epidemiologie und Versorgungsforschung am IMBEI. Pilotprojekt WAG_ESBasierend auf diesen geschlechtsspezifischen Hürden haben die Wissenschaftler der Studie „Wege ebnen für Männer – Geschlechtsspezifische Zuweisung und Konzepte für die ambulante Krebsberatung (WAG_ES)“ einen Katalog mit konkreten, fördernden und motivierenden Maßnahmen entwickelt. Dieser startet nun als Pilotprojekt in die Umsetzungsphase.Um das Leistungsangebot der ambulanten Beratungsstellen für Männer attraktiver zu machen, gehen die Experten in ihren Informationen beispielsweise verstärkt auf die spezifischen Bedürfnisse von Männern ein. Dazu zählt auch, die niedergelassenen Ärzte für eine derartige Kommunikation zu befähigen.Patienten, Angehörige, Entscheidungsträger, Mitarbeiter von Krebsberatungsstellen, Ärzte, Medizinische Fachangestellte und Selbsthilfevertreter hatten in einer vorangegangenen Studienphase die geplanten Maßnahmen überprüft und weiterentwickelt.Nach Abschluss der Pilotphase ist geplant, den Radius für die Implementierung auf verschiedene Regionen auszuweiten und dabei die Maßnahmen in einer randomisiert-kontrollierten Studie zu evaluieren.Die Deutsche Krebshilfe fördert die 2019 gestartete und bis 2022 laufende Studie mit insgesamt 269.000 Euro.(Universität Mainz / ms)
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