Wie gut werden psychisch Erkrankte in Deutschland versorgt?16. Oktober 2022 Foto: © Freedomz – stock.adobe.com Ein bundesweites Forschungsprojekt soll die Versorgung psychisch Erkrankter in Deutschland verbessern. Dazu werden die Abrechnungsdaten von rund 70 Krankenkassen ausgewertet. Bereits im Sommer 2022 startete die mehrjährige Evaluation von Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung in Deutschland. Im Auftrag eines Verbundes gesetzlicher Krankenkassen werden bis maximal 2041 Effektivität, Kosten und Effizienz von Modellvorhaben zur sektorenübergreifenden Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen untersucht. Die Projektleitung unterliegt dem Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV), beteiligt sind weiterhin Forscher der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Dresden und dem Wissenschaftlichen Institut für Gesundheitsökonomie (WIG2) in Leipzig. Datenbasis dieser Studien sind anonymisierte Abrechnungsdaten von bis zu 70 gesetzlichen Krankenkassen. Im Projektverlauf werden Daten zu mehreren hunderttausenden Versicherten erwartet; die Zahl einzelner Datensätze liegt im dreistelligen Millionenbereich. Wissenschaftler des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg prüfen und bereiten die Daten auf. Insbesondere bei Menschen mit psychischen Erkrankungen ist eine sektorenübergreifende und gut vernetzte Behandlung durch die einzelnen Leistungserbringer von größter Bedeutung für den Behandlungserfolg. Seit 2013 bietet das Sozialgesetzbuch die Möglichkeit einer Weiterentwicklung der stationären psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung mittels Modellvorhaben, die auf eine sektorenübergreifende, patientenzentrierte Versorgung ausgerichtet sind. Dabei sollen finanzielle Abrechnungsanreize die Wahl eines patientenbezogenen bestmöglichen Settings – nicht wie vielfach in der Regelversorgung beobachtet – verhindern. Die Modellkrankenhäuser unterwerfen sich dabei einer wissenschaftlichen Evaluation im Vergleich mit Krankenhäusern der Regelversorgung. Seit 2015 wurden bereits 18 Modellvorhaben vom gleichen Projektteam in der sogenannten EVA64-Studie evaluiert. Im neuen Evaluationsprojekt EVA64.2 sollen nun die bis zu 19 bereits bestehenden Modellvorhaben weiter und zusätzlich die bis Mitte 2026 erstmalig etablierten Modellvorhaben neu evaluiert werden. Erst wenn die Versorgungsinnovationen diese wissenschaftliche und objektive Bewertung bestehen, sind sie dazu geeignet, flächendeckend umgesetzt zu werden. Als Kriterien der Bewertung dienen beipsielsweise die Häufigkeit und Dauer erneuter stationärer Aufnahmen nach der Erstbehandlung oder bei erwerbstätigen Patienten, die Zahl und Dauer der Arbeitsunfähigkeit nach Erstbehandlung.
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