Wie sich Blutgefäße an einen Schlaganfall erinnern26. Juli 2022 Foto: ©mpix-foto/stock.adobe.com Blutgefäß-Netzwerke passen sich im Laufe der Zeit an und bilden auf diese Weise eine Art Gedächtnis. Dies ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie von Forschenden des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen und der Technischen Universität München. Das Gefäßsystem in unserem Körper sorgt für einen ständigen Fluss von Nährstoffen, Hormonen und anderen Ressourcen und stellt so einen effizienten Transport sicher. Die Forschenden Komal Bhattacharyya, David Zwicker und Karen Alim untersuchten, auf welche Weise sich ein solches Netzwerk im Laufe der Zeit anpassen und verändern kann. Mithilfe von Computersimulationen modellierten sie das Netzwerk und ermittelten Anpassungsregeln für seine Verbindungen. Im Fachjournal „Physical Review Letters“ zeigen sie, dass die Struktur des Netzwerks aus Blutgefäßen dynamisch ist und sich an äußere Faktoren anpassen kann. Insbesondere fanden sie heraus, dass selten genutzte Verbindungen immer schwächer werden, bis sie schließlich ganz verschwinden. „Wir fanden heraus, dass die Stärke einer Verbindung innerhalb eines Netzwerks vom lokalen Fluss abhängt“, erklärt Alim, korrespondierende Autorin der Studie. „Dies bedeutet, dass Verbindungen mit einem geringen Fluss unterhalb eines bestimmten Schwellenwerts immer schwächer werden, bis sie schließlich verschwinden“, fährt sie fort. Da die Menge an biologischen Bausteinen zum Aufbau des Gefäßsystems begrenzt ist und daher effizient genutzt werden sollte, kann durch diesen Mechanismus das Gefäßsystem optimiert werden. Veränderungen im Netzwerk sind permanent Wenn eine Verbindung aufgrund einer niedrigen Durchflussrate einmal sehr schwach geworden ist, kann dieser nur schwer wiederhergestellt werden. Ein häufiges Beispiel hierfür ist die Verstopfung eines Blutgefäßes, was im schlimmsten Fall sogar zu einem Schlaganfall führen kann. Bei einem Schlaganfall werden einige Blutgefäße in einer bestimmten Hirnregion durch die Verringerung des Blutflusses sehr schwach. „Wir haben festgestellt, dass in einem solchen Fall die Anpassungen im Netzwerk dauerhaft sind und auch nach der Beseitigung des Hindernisses beibehalten werden. Man kann sagen, das Netzwerk zieht es vor, den Fluss durch bestehende stärkere Verbindungen umzuleiten, anstatt schwächere Verbindungen neu zu bilden – selbst wenn der Fluss das Gegenteil erfordern würde“, erklärt Bhattacharyya, Hauptautor der Studie. Mit diesem neuen Verständnis des Gedächtnisses von Netzwerken können die Forschenden nun erklären, dass sich der Blutfluss auch nach erfolgreicher Entfernung des Gerinnsels permanent verändert. Diese Erinnerungsfähigkeit von Netzwerken ist auch in anderen lebenden Systemen zu finden: Der Schleimpilz Physarum polycephalum nutzt sein adaptives Netzwerk, um sich auf der Grundlage von Nahrungsreizen in seiner Umgebung zurechtzufinden, wie bereits in vorherigen Studien gezeigt wurde.
Mehr erfahren zu: "AFI fördert Alzheimer-Forschung mit 2,45 Millionen Euro" AFI fördert Alzheimer-Forschung mit 2,45 Millionen Euro Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) fördert seit Anfang 2026 insgesamt 18 neue Forschungsprojekte mit rund 2,45 Millionen Euro und startet damit ihre bislang größte Förderrunde. Die Projekte untersuchen Alzheimer und […]
Mehr erfahren zu: "Vorhofflimmern mittels Smartwatch entdecken" Vorhofflimmern mittels Smartwatch entdecken Unsichtbare Gefahr: Viele betroffene Patienten spüren ihr Vorhofflimmern nicht. Smartwatches können Alarm schlagen und so potenziell Leben retten, zeigt eine Studie aus Amsterdam.
Mehr erfahren zu: "Der Wahrheitseffekt verstärkt sich bei eigener Auswahl der Information" Der Wahrheitseffekt verstärkt sich bei eigener Auswahl der Information Je häufiger uns eine Nachricht begegnet, desto eher sind wir geneigt, sie für wahr zu halten. Diese Erkenntnis ist schon 50 Jahre alt. Bochumer Forschende haben jetzt gezeigt, dass dieser […]