„Wir brauchen dringend ein Notfallreform-Gesetz“9. Mai 2025 Symbolfoto: ©keBu.Medien/stock.adobe.com Die Umsetzung der Notfallreform, die Einführung eines Facharztes für Notfallmedizin, die Stärkung der Notfallpflege mit verbindlichen Personaluntergrenzen und einer Fachpflegequote – all dies forderten Vertreter der DGINA im Rahmen ihres Jubiläumskongresses in Köln. „Wir haben diesen Jubiläumskongress bewusst auf die nächste Generation ausgerichtet“, sagte Prof. Michael Bernhard, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Universitätsklinikum Düsseldorf und Mitglied des Kongresspräsidiums, zur Eröffnung der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) im Confex Köln. Unter dem Motto „The next Generation“ präsentierten rund 190 Referentinnen und Referenten an drei Tagen in über 60 Veranstaltungen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in der Notfallmedizin. Daneben richteten die Veranstalter den Blick auf aktuelle gesundheitspolitische Themen. Mit annähernd 3000 Teilnehmenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Kongress die größte notfallmedizinische Fachtagung im deutschsprachigen Raum. „Mit Fokus auf die noch unzureichenden Bedingungen in Zentralen Notaufnahmen und die Herausforderungen durch anstehende Reformen muss sich die Klinische Akut- und Notfallmedizin weiterhin professionalisieren“, verdeutlichte Bernhard. DGINA-Präsident fordert Notfallreform Bei der Pressekonferenz zur Kongresseröffnung erinnerte DGINA-Präsident Martin Pin an die längst geplante, aber immer wieder verschobene Notfallreform. „Wir können eine hochwertige zeitnahe Notfallversorgung der Menschen in unserem Land nur dann sicherstellen, wenn die Politik die Notfallkliniken und die Notfallmedizin jetzt stärkt“, sagte Pin. „Das bereits fertige Notfallreform-Gesetz, das dem Ampel-Aus zum Opfer gefallen ist, muss schnell auf den Weg gebracht werden. Wir brauchen dieses Gesetz dringend.“ Qualifizierungsoffensive für die Notfallpflege Patrick Dormann, Leiter der Weiterbildung Notfallpflege an der Caritas-Akademie Köln-Hohenlind und Mitglied des Kongresspräsidiums, forderte zudem eine Qualifizierungsoffensive für die Notfallpflege: „Die Fachdisziplin Notfallpflege entwickelt sich rasant, doch politisch ist noch viel zu tun“, erklärte Dormann. Zwar hätten bereits rund 10.000 Fachkräfte die Weiterbildung zur Notfallpflege absolviert, doch deutschlandweit gesehen seien das noch immer zu wenige. Um die Notfallpflege zu stärken, müsse die Regierung daher Rahmenbedingungen schaffen. Konkret sprach er sich beispielsweise für verbindliche Personaluntergrenzen in Notaufnahmen und für eine Fachpflegequote aus. Dies sei nur mit besseren Qualifizierungsmöglichkeiten zu erreichen. Ferner müssten die Fachweiterbildungen auch refinanziert und Handlungskompetenzen für Notfallpflegende festgelegt werden. Dormann forderte einen für Nachwuchskräfte attraktiven Masterstudiengang Advanced Nursing mit Vertiefung Critical Care, aufbauend auf den seit 2017 vorhandenen Bachelorstudiengang. In vielen anderen Ländern sei dies bereits Standard. Wann kommt der Facharzt für Notfallmedizin? Dr. Julia Lorenz, Assistenzärztin und Vertreterin der Arbeitsgruppe YoungDGINA plädierte für die deutschlandweite Einführung eines Facharztes für Notfallmedizin. In 23 von 27 europäischen Staaten würde es einen solchen bereits geben. „Ein Facharzt für Notfallmedizin wäre nicht nur ein Gewinn für uns als junge Generation. Er wäre auch ein Gewinn für die Patient*innensicherheit“, sagte Lorenz. Vor allem in kleinen Kliniken, in denen nachts nicht alle Fachdisziplinen vertreten seien, brauche es jemanden, „der alles kann: die Einschätzung eines Herzinfarkts, das Management einer psychischen Krise, das Erkennen eines Schlaganfalls.“ Genau dafür müsse man ausgebildet sein. Systematisch, fundiert, und über Jahre – eben nicht nebenbei, wie es derzeit der Fall sei. Den oftmals vorgebrachten Einwand, die Notfallmediziner könnten die einzelnen Akutfälle niemals so umfangreich behandeln, wie der Spezialist oder die Spezialistin, ließ Dr. Ranka Marohl, Chefärztin der Klinik für Notfallmedizin am Krankenhaus Porz und Mitglied des Kongresspräsidiums, nicht gelten. „Die Notfallmedizin will niemandem etwas wegnehmen“, beteuerte sie. Man bräuchte einen Generalisten, der alle Fachbereiche abdecke. „Wenn es in die Tiefe geht, können die anderen übernehmen“, schloss Marohl. (ah)
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