Wirkstoff gegen Antibiotika-Resistenzen in Körpersubstanz gefunden16. Januar 2018 Foto: ©XtravaganT – Fotolia.com Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen ist es WissenschafterInnen der Uni Graz in Kooperation mit internationalen KollegInnen gelungen, einen antibakteriellen Wirkstoff aus menschlichen Substanzen zu erforschen und für die medizinische Anwendung vorzubereiten. Reflexartig führen Menschen oft eine kleine Wunde an der Hand zum Mund, um diese mit Speichel zu benetzen. Dr. Nermina Malanovic und Assoz.-Prof. Dr. Karl Lohner, Institut für Molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz, können das Verhalten erklären: „In der Köperflüssigkeit sind bestimmte Stoffe enthalten, die Keime abtöten.“ Es ist ein bestimmtes Peptid, das antibakteriell wirkt. Peptide kommen im menschlichen Körper nicht nur im Speichel, sondern auch in Tränenflüssigkeiten und in weißen Blutkörperchen oder auf der Haut vor. Den dahinterliegenden Abwehr-Mechanismus haben die beiden ForscherInnen der Uni Graz im Rahmen eines EU-Projekts gemeinsam mit den niederländischen Universitäten Leiden und Amsterdam geklärt. „Das positiv geladene Peptid mit der Bezeichnung SAAP-148 löst gleichsam die bakteriellen Zellmembranen auf, die aus negativ geladenen Phospholipiden bestehen, und zerstört in Folge die Bakterien“, weiß Malanovic. Die Wirkung des Peptids, die mit Hilfe von Zellkulturen und im Tierversuch untersucht wurde, konnte in Form von Cremen auf der Hautoberfläche erfolgreich nachgewiesen werden. Die ForscherInnen sehen vielfältige Anwendungsbereiche, insbesondere angesichts der rapid steigenden Anzahl an Antibiotika-resistenten Keimen. Lohner: „Wir haben festgestellt, dass dieses Peptid auch bei jenen Bakteriengruppen, die unter der Abkürzung ESKAPE besonders geläufig und massiv für die steigenden Antibiotika-Resistenzen verantwortlich sind, eine effiziente Wirkung hat.“ Dazu kommt, dass sich die Peptide leicht und kostengünstig synthetisch herstellen lassen. In Zusammenarbeit mit einem am EU-Projekt beteiligten Pharmaunternehmen sollen nun weitere Untersuchungen vorgenommen werden, um den Wirkungsgrad zu optimieren und das Peptid in Zukunft auch für resistente Biofilme auf Implantaten, wie zum Beispiel in Hüfte und Knie, anwenden zu können. Publikation: de Breij A et al. The antimicrobial peptide SAAP-148 combats drug-resistant bacteria and biofilms. Science Translational Medicine, 10. Januar 2018.
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