Wohin Tumoren metastasieren, könnte Therapie beeinflussen

Mikroskopisches Bild vom Tumorwachstum des Nierentumors eines Patienten im Pankreas einer Maus. P=Pankreas, T=Tumor (Foto: © UTSW Medical Center)

Laut einer aktuellen Studie hat Nierenkrebs, der in die Bauchspeicheldrüse metastasiert, eine grundlegend andere Biologie als Tumoren der Niere, die an anderen Stellen Metastasen bilden. Dabei, so berichten die Autoren, gebe es auch unterschiedliche Merkmale, die eine erfolgreiche Behandlung beeinflussen können.

Die Studie wurde von Forschern des University of Texas Southwestern (UTSW) Kidney Cancer Program in Dallas (USA) durchgeführt. Es handelt sich dabei den Wissenschaftlern zufolge um die erste, die zeigt, dass die Ausbreitung von Krebserkrankungen im Körper spezifische Einblicke in Krankheitsmerkmale geben kann. Wäre dies verallgemeinerbar, könnten die Ergebnisse tiefgreifende Auswirkungen haben, so die Forscher.

Das klarzellige Nierenzellkarzinom (ccRCC), die häufigste Art von Nierenkrebs, kann an viele Stellen metastasieren, darunter so ungewöhnliche Stellen wie die Zunge, die Speicheldrüsen, die Hoden, die Hypophyse oder die Milz. Seit Jahren wissen Forscher jedoch, dass ccRCC-Patienten, deren Krebs sich auf das Pankreas ausbreitet – ein relativ ungewöhnliches Ziel – eine bessere Prognose haben als Patienten, bei deren Tumoren dies nicht der Fall ist. Dies trifft offenbar auch dann zu, wenn die Tumoren auch an andere Stellen metastasieren, erklärt Seniorautor James Brugarolas, Professor für Innere Medizin (Hämatologie/Onkologie) und Leiter des Nierenkrebs-Programms an der University of Texas Southwestern. Die Gründe für dieses Phänomen waren jedoch bislang unklar.

Um diese Frage nach dem Grund zu beantworten, sammelten die Forscher Daten von 31 Patienten mit Pankreasmetastasen, die in den vergangenen Jahren entweder an der UTSW oder in der Cleveland Clinic behandelt wurden. Es wurden entsprechende Proben gesammelt und eine Reihe von Tests durchgeführt, einschließlich ein Next Generation Sequencing. Analysiert wurden das Patientenüberleben sowie einzelne Risikofaktoren, die das Überleben beeinflusst haben könnten, und die durchgeführten Therapien. Die Studienautoren verglichen die in die Untersuchung eingeschlossenen Patienten mit einer zeitgleichen Kohorte ähnlicher Patienten ohne Pankreasmetastasen, die am UTSW behandelt wurden.

Die Forscher fanden heraus, dass die Patienten mit Pankreasmetastasen ein signifikant besseres Gesamtüberleben hatten als diejenigen, deren ccRCC an andere Stellen gestreut hatte. Diejenigen Patienten, die Pankreasmetastasen aufwiesen, hatten ein mittleres Überleben von 8,4 Jahren im Vergleich zu 2,9 Jahren für Patienten mit Metastasen an anderen Stellen. Die Ergebnisse waren unabhängig von etablierten Prognosefaktoren. Darüber hinaus konnten Patienten mit einer Ausdehnung der Krebserkrankung in das Pankreas mit höherer Wahrscheinlichkeit Erfolge mit einer Angiogenese-Inhibitoren-Therapie verzeichnen. Im Gegensatz dazu funktionierten Immun-Checkpoint-Inhibitoren nicht.

Tumoren, die Patienten mit Pankreasmetastasen entnommen wurden, wurden für metastasierende Krebserkrankungen als ungewöhnlich mild und homogen charakterisiert. Sie alle hatten unter dem Mikroskop ähnliche Eigenschaften – Tumorzellen waren in mit Blutgefäßen gefüllten „Nestern“ angeordnet und es gab wenig Entzündungen, wie Dr. Payal Kapur berichtet. Er ist Professor für Pathologie und Urologie und einer der Leiter des Nierenkrebs-Programmes an der UTSW. Im Vergleich zu Tumoren, die an andere Stellen metastasierten, wiesen Tumoren, die sich auf die Bauchspeicheldrüse ausgebreitet hatten, Mutationen auf, die mit einer geringen Aggressivität und Aktivierung von Genen im Zusammenhang mit dem Gefäßsystem verbunden waren.

Als die Forscher Nierentumorproben von Patienten mit den charakteristischen Mutationen in Bauchspeicheldrüsen von Mäusen platzierten, gedeihten sie. Dies könnte den Wissenschaftler zufolge darauf hindeuten, dass das Pankreas ihr Wachstum unterstützt. Ihre Biologie habe etwas Einzigartiges, das die Bauchspeicheldrüse zu einem wahrscheinlichen Ziel mache, so Kapur.

Wenn Krebserkrankungen metastasieren, trage dies normalerweise nicht zur Entscheidungsfindung in Bezug auf die medikamentösen Therapie bei, so die Autoren – doch dies könne sich nun bei Patienten mit Pankreasmetastasen ändern.