Zellatmung als Marker für Qualität von Spenderlebern2. November 2022 Winzige Gewebeproben reichen aus, um die Zellatmung mittels hochauflösender Respirometrie zu bestimmen. Im Bild: Andras Meszaros mit einer Mitarbeiterin seiner Arbeitsgruppe am organLife Labor an der Medizinischen Universität Innsbruck. (Foto: © David Bullock, MUI) Eine Arbeitsgruppe aus Österreich hat die Zellatmung von 50 potenziellen Spenderlebern untersucht und den klinischen Verlauf der Patienten beobachtet. Dabei stellte sich heraus: Je besser die Zellatmung, desto besser die Prognose. In den vergangenen 30 Jahren hat sich das Alter von Organspendern von durchschnittlich 30 Jahre auf inzwischen 60 Jahre verdoppelt. Vor diesem Hintergrund wird es zunehmend wichtiger, Marker für die Organqualität zu definieren. Innsbrucker Forschende im organLife Labor an der Universitätsklinik für Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie führten hierzu nun eine erste große Studie im klinischen Bereich durch. Ziel war es, die Zellatmung (mitochondriale Funktion) von Spenderlebern als möglichen Parameter für die Organqualität – und in der Folge für die Organauswahl – zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass die mitochondriale Funktion einen wichtigen, unabhängigen Marker darstellt, der in Zukunft als zusätzliches Entscheidungskriterium vor der Transplantation von Spenderlebern herangezogen werden könnte. „Man kann nicht davon ausgehen, dass eine 40-jährige Spenderleber im Empfänger automatisch besser funktioniert, als eine 70 Jahre alte Spenderleber. Die Hypothese für unsere Studie war, dass Lebern, die während der Maschinenperfusion eine bessere Zellatmung haben und damit eine effizientere Produktion von Energie aufweisen, möglicherweise auch nach der Transplantation besser funktionieren“, erklärt Studienautor Dr. Andras Meszaros die Ausgangslage für die Untersuchung. Die Arbeitsgruppe verwendete für die Durchführung der Studie, die von dem Innsbrucker Unternehmen Oroboros Instruments entwickelte Technologie der hochauflösenden Respirometrie. Klinischer Verlauf als Ankerpunkt für Studie Konkret haben die Wissenschafter während der normothermen Maschinenperfusion laufend Gewebeproben von insgesamt 50 für die Transplantation vorgesehenen Lebern entnommen. 35 der Spenderorgane wurden schließlich transplantiert. In der Folge verglichen die Experten in einer Korrelationsanalyse die Zellatmungswerte des Spenderorgans mit dem klinischen Verlauf der Patienten nach der Transplantation. Dabei zeigte sich eine hohe Überstimmung: „Wenn die mitochondriale Schädigung höher und damit auch der Energieverlust in den Mitochondrien höher ist, dann ist der klinische Verlauf schlechter. Das bedeutet, dass man anhand der Bestimmung der Zellatmung eine Prognose für den weiteren Verlauf treffen könnte“, sagt Meszaros. Interessant dabei: Die Zellatmungswerte gelten unabhängig von den anderen Schädigungsmarkern, das heißt es bildete sich keine enge Übereinstimmung mit den bereits anerkannten Parametern ab. Nun gelte es, in größeren Folgestudien Grenzwerte für die Zellatmung festzulegen, erklären die Studienautoren. Während der bis zu 24-stündigen normothermen Maschinenperfusion führten die Forschenden zahlreiche Begleitanalysen durch. Dabei stellte sich heraus, dass die mitochondriale Funktion über die ganze Dauer der Maschinenperfusion stabil bleibt. Die Menge der Adenosintriphospat-Produktion (ATP, Energielevel) steigt während der Maschinenperfusion. „Diese Ergebnisse sind wichtig, weil Spenderorgane nach wie vor kalt an das Transplantationszentrum transportiert werden, bevor sie an die Perfusionsmaschine angeschlossen werden können“, sagt Autorin Julia Hofmann. In Innsbruck sind bis dato rund 150 Lebern nach vorheriger normothermer Maschinenperfusion transplantiert worden. Die Medizinische Universität Innsbruck gehört damit zu den größten Zentren für Maschinenperfusion und Lebertransplantation in der EU. „Die Ergebnisse der vorliegenden Publikation sind vielversprechend. Weitere Untersuchungen mit vergleichbarem Studiendesign sind bei Nieren unter hypothermer Maschinenperfusion geplant“, sagt Univ.-Prof. Stefan Schneeberger, interim. Klinikdirektor, wissenschaftlicher Leiter des organLife Labor und Seniorautor der Studie.
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