Zentrale Sensibilisierung bei Fibromyalgie oder Reizdarmsyndrom? Thermal-Grill-Illusion als neuer klinischer Marker13. Juli 2023 Foto: © Celt Studio/stock.adobe.com Mithilfe der Thermal-Grill-Illusion von Schmerz (TGIP) lassen sich Patienten mit chronischen Schmerzen aufgrund eines Reizdarmsyndroms (RDS) oder einer Fibromyalgie identifizieren, die von einer zentralen Sensibilisierung betroffen sind. TGIP könnte sich somit als geeigneter klinischer Marker erweisen, um eine zentrale Sensibilisierung bei chronischen Schmerzpatienten aufzudecken. Bei der TGIP wird ein jeweils harmloser kalter und warmer Reiz in Kombination als schmerzhaft wahrgenommen. Konkret werden bei einem solchen Versuch warme und kalte Stäbe (meist 40 °C und 20 °C) alternierend wie bei einem Grill angeordnet. Der Kontakt mit dieser „Grill“-Oberfläche löst einen schmerzhaften Reiz aus. Die neurophysiologischen Mechanismen sind unklar, aber TGIP könnte einige Mechanismen mit pathologischen Schmerzen gemeinsam haben, wie die Verfasser der Studie spekulieren – insbesondere die zentrale Sensibilisierung durch die Beteiligung von N-Methyl-d-Aspartat-Rezeptoren. Die Studiengruppe um Frédéric Adam vom Inserm in Boulogne-Billancourt (Frankreich) stellte daher die Hypothese auf, dass das TGIP bei Patienten mit Fibromyalgie oder RDS im Vergleich zu Kontrollen erhöht sein würde. Fibromyalgie und RDS werden als typische noziplastische primäre Schmerzsyndrome im Zusammenhang mit Veränderungen in der zentralen Schmerzverarbeitung angesehen. An der Studie nahmen insgesamt 90 Personen teil, jeweils 30 mit einem der beiden Schmerzsyndrome sowie 30 gesunde Kontrollen. Bei ihnen wurde der TGIP-Test an der Handfläche mit unterschiedlichsten Temperaturkombinationen von Wärme- und Kältereizen (zwischen 5 °C und 50 °C) durchgeführt und ihre Empfindungen darauf verglichen. Im Ergebnis waren der Prozentsatz der TGIP-Reaktionen sowie die Intensität und das unangenehme Gefühl der TGIP bei Patienten mit Fibromyalgie oder IBS signifikant höher als bei den Kontrollpersonen. Außerdem stellten die Studienautoren positive Korrelationen zwischen der TGIP-Intensität und der klinischen Schmerzintensität sowie zwischen der TGIP-Intensität und der an der Hand gemessenen Kälteschwelle fest. „Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit unserer Arbeitshypothese gemeinsamer Mechanismen zwischen TGIP und klinischen Schmerzmechanismen bei Patienten mit noziplastischen chronischen Schmerzsyndromen“, lautet das Fazit von Adam und Mitarbeitern. (ah)
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