Zöliakie: Fehlen von Darmbakterien verhindert möglicherweise Nutzen ballaststoffreicher Ernährung

Hülsenfrüchte sind eine gute Ballaststoffquelle für Zöliakiepatienten. Ob die darin enthaltenen Ballaststoffe richtig genutzt werden können, hängt allerdings laut einer neuen Studie davon ab, ob für die Verwertung wichtige Bakterien im Darm vorhanden sind. (Abbildung/KI-generiert: © Ruslan Gilmanshin/stock.adobe.com)

Bei Zöliakie wird häufig dazu geraten, den Ballaststoffkonsum zu erhöhen, um die Verdauung zu unterstützen und Symptome zu lindern. Ob das hilft, hängt aber offenbar vom Vorhandensein der richtigen Darmbakterien ab.

Forschende aus Kanada und den USA haben dazu gerade eine Arbeit in „Nature Communications“ veröffentlicht. Darin beschreiben sie, dass Menschen mit Zöliakie eine deutlich reduzierte Fähigkeit zur Verstoffwechselung von Ballaststoffen im Dünndarm aufweisen. Dies liegt laut den Wissenschaftlern daran, dass ihnen mit Prevotellaceae eine wichtige Bakterienfamilie fehlt. Sie unterstützen normalerweise die Darmheilung und regulieren Entzündungen.

Die Studienautoren machten ihre Beobachtung sowohl bei Zöliakie-Patienten, die kurz zuvor ihre Diagnose erhalten hatten, als auch bei solchen, die sich aufgrund ihrer Erkrankung seit Jahren glutenfrei ernährten. Dies deute darauf hin, dass der Mangel an Bakterien wie Prevotellaceae im Dünndarm auf anhaltende Störungen des Mikrobioms zurückzuführen ist, die mit der Erkrankung selbst und nicht allein mit der Ernährung zusammenhängen, meinen die Wissenschaftler.

Das Problem sind fehlende „Verwerter“

„Ursprünglich dachten wir, das Problem liege in einer zu geringen Ballaststoffzufuhr“, erklärt Mark Wulczynski, Erstautor der Studie und Postdoktorand an der Farncombe Nutrition Initiative der McMaster University. „Dann stellten wir fest, dass Betroffene möglicherweise nicht über die richtigen Bakterien verfügen, um die bereits aufgenommenen Ballaststoffe zu verwerten. Eine zusätzliche Ballaststoffzufuhr ist nicht die Lösung, solange die zugrundeliegenden Probleme bei deren Verwertung nicht behoben werden.“

Während die einzige derzeitige Behandlungsmöglichkeit bei Zöliakie eine strikte glutenfreie Ernährung ist, legen die neuen Erkenntnisse nahe, dass der Verzicht auf Gluten allein die Funktionsfähigkeit des Darmmikrobioms nicht vollständig wiederherstellt. Zukünftige Therapien müssen möglicherweise Ernährungsstrategien mit mikrobiomorientierten Ansätzen kombinieren, wie zum Beispiel der Wiederherstellung einer ausbalancierten Darmmikrobiota oder gezielten Probiotika.

„Obwohl eine glutenfreie Ernährung bei Zöliakie weiterhin unerlässlich ist, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass zukünftige Therapien auch das Darmmikrobiom unterstützen sollten“, bilanziert Seniorautorin Elena Verdu, Professorin am Department of Medicine der McMaster University und Direktorin des Farncombe Family Digestive Disease Health Research Institute. „Wir stellten eine reduzierte Ballaststoffverarbeitung im oberen Dünndarm fest, dem bei Zöliakie geschädigten Bereich. Dies ist überraschend, da dieser Darmabschnitt traditionell nicht als Hauptort des Ballaststoffstoffwechsels gilt. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten, Ernährungsstrategien wie die Zufuhr von Ballaststoffen mit Probiotika zu kombinieren, die diese verstoffwechseln können.“

Nicht alle Ballaststoffe sind gleich

Mithilfe präklinischer Modelle untersuchten die Forschenden, welche Ballaststoffarten tatsächlich zur Heilung des Darms beitragen. Sie fanden heraus, dass Inulin die Heilung von durch Gluten verursachten Darmschäden beschleunigt, indem es das Dünndarmmikrobiom nährt. Dieser Effekt trat nur bei der Zufuhr der richtigen Ballaststoffe auf. Eine andere Ballaststoffquelle, Hylon VII – eine Art resistenter Stärke auf Maisbasis, die häufig in der Lebensmittelherstellung verwendet wird – beeinflusste das Mikrobiom nicht und förderte die Heilung nicht in der gleichen Weise wie Inulin.

Dieser Vergleich legt den Wissenschaftlern zufolge nahe, dass auch die Art der Ballaststoffe für Menschen mit Zöliakie wichtig sein könnte – und nicht nur die Menge.

Um dies bei Patienten zu überprüfen, sammelten die Forscher Dünndarmflüssigkeit von Personen aus drei Gruppen: Menschen mit neu diagnostizierter Zöliakie sowie Personen, die sich seit mehr als zwei Jahren glutenfrei ernährten, und schließlich gesunde Kontrollpersonen. Das Forscherteam analysierte das Mikrobiom in diesen Proben, um festzustellen, welche Bakterien vorhanden waren und ob sie die Gene trugen, die zum Abbau verschiedener Ballaststoffarten benötigt werden. Man verglich diese Ergebnisse auch mit der geschätzten Ballaststoffzufuhr der Teilnehmenden und mit Messungen von Pflanzen-DNA im Stuhl, wodurch ein objektiver Marker für Ballaststoffquellen in der Ernährung gewonnen wurde.

Die Ergebnisse zeigten, dass die meisten Personen – sowohl gesunde Kontrollpersonen als auch Zöliakiepatienten – weniger Ballaststoffe zu sich nahmen als offiziell empfohlen. Das kanadische Gesundheitsministerium (Health Canada) empfiehlt 25 bis 38 g Ballaststoffe pro Tag für gesunde Frauen beziehungsweise Männer. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät zu einem Konsum von mindestens 30 g Ballaststoffe täglich für Erwachsene. Die Autoren der aktuellen kanadischen Studie weisen aber darauf hin, dass es keine evidenzbasierten Empfehlungen für Personen mit verschiedenen Erkrankungen gebe. Dabei könnten aber unterschiedliche Krankheiten dazu führen, dass der Körper aktiver und gleichzeitig weniger leistungsfähig ist als üblich, was den Nährstoffbedarf beeinflusst.

Zöliakiepatienten – unabhängig davon, ob sie ihre Diagnose erst kürzlich erhalten haben oder sich glutenfrei ernähren – wiesen in der Studie eine deutliche Kombination aus geringer Ballaststoffzufuhr und einem Mangel an Bakterien auf, die bekanntermaßen Ballaststoffe im Dünndarm abbauen. Dies deutet nach Auffassung der Autoren darauf hin, dass die Unterstützung der Darmgesundheit bei Zöliakie sowohl die richtigen Ballaststoffe als auch die richtigen Bakterien im Dünndarm erfordert – also einen synbiotischen Ansatz.

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