Zungenkarzinom: Moderne Mikrochirurgie ermöglicht mehr Lebensqualität22. Mai 2026 Foto: eddows/stock.adobe.com In Deutschland erkranken rund 13.000 Menschen pro Jahr neu an einem Oropharynxkarzinom, mit einer 5-Jahresüberlebensarte im fortgeschrittenen Stadium von 50 bis 60 Prozent. Moderne Mikrochirurgie bietet neue Perspektiven – vor allem beim Zungenkarzinom. „Tumoren im Mund- und Rachenraum zählen zu den besonders belastenden Krebserkrankungen: Sprache, Nahrungsaufnahme und soziale Interaktion sind häufig massiv beeinträchtigt“, erklärt Dr. Norbert Neckel, Leitender Oberarzt an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin im Vorfeld des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG). Der 76. Fachkongresses & Praxisführungsseminar tagt vom 10. bis 13. Juni in Ulm. Große chirurgische Herausforderung beim Zungenkarzinom Insbesondere bei Zungenkarzinom stellt die chirurgische Behandlung eine große Herausforderung dar. Muss ein Teil oder sogar die gesamte Zunge entfernt werden, sind grundlegende Funktionen wie Sprechen und Schlucken erheblich eingeschränkt. „Aufgrund der gravierenden funktionellen Einschränkungen bei operativer Entfernung der Zunge blieb früher nach Ausschöpfung nichtoperativer Therapien oft keine sinnvolle chirurgische Option“, sagt der DGMKG-Experte. „Dank moderner Mikrochirurgie können wir heute selbst nach vollständiger Entfernung der Zunge eine Rekonstruktion erreichen, die eine zufriedenstellende Lebensqualität ermöglicht.“ Dabei kommen komplexe mikrochirurgische Verfahren zum Einsatz: Gewebe aus anderen Körperregionen wird transplantiert, modelliert und funktionell angepasst. „Ziel ist es, nicht nur Volumen zu ersetzen, sondern sensible und motorische Grundfunktionen wiederherzustellen “, so Neckel. Patient berichtet: Zurück ins Leben nach schwerem Eingriff Wie solche innovativen Therapien konkret aussehen, zeigt das Beispiel des Patienten Oliver Anke. Nach der Zungenkarzinom-Diagnose im März 2025 wurde er zunächst operiert und bestrahlt. Als der Tumor wenige Monate später zurückkehrte, folgte eine umfassende Operation, bei der die Zunge und Teile des Unterkiefers entfernt und rekonstruiert wurden. Für den Wiederaufbau entnahmen die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen Gewebe aus dem Oberschenkel und vom Wadenbein. Dieses wurde so geformt und mit Muskel- sowie Nervenstrukturen verbunden, dass grundlegende Funktionen der Zunge erhalten bleiben. „Ich bin zwar weiterhin bei der Nahrungsaufnahme und beim Sprechen eingeschränkt, aber tumorfrei und insgesamt stabil“, berichtet Anke. „Besonders positiv ist, dass ich aktuell keine Schmerzen mehr im Bereich der Zunge habe.“ Zungenkarzinom: Rehabilitation bleibt entscheidend Nach der Operation beginnt ein weiterer wichtiger Abschnitt: die funktionelle Rehabilitation. „Die Patienten müssen Sprechen und Schlucken neu erlernen“, erläutert Neckel. Sie werden dabei durch spezialisierte Phoniaterinnen und Phoniater sowie durch Logopädinnen und Logopäden intensiv begleitet. Das Therapieziel besteht darin, Komplikationen zu vermeiden und dem Patienten eine Integration in das öffentliche Leben wieder zu ermöglichen.
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