Zur wichtigen Rolle von Hormonen in der Milch17. Mai 2018 Prof. Wieland Kiess Stefan Straube / UKL Muttermilch ist ein besonderer Saft – über die erste Nahrung gibt eine Mutter nicht nur Nährstoffe, sondern über verschiedenste Milchbestandteile auch wichtige Substanzen für die weitere Entwicklung an den Säugling weiter. Welche Rolle dabei Hormonen zukommt, untersucht eine zweibändige Fachpublikation, die Prof. Wieland Kiess, Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Leipzig, jetzt gemeinsam mit Dr. Andreas Höflich vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf herausgegeben hat. Das in der Reihe „Best Practice & Research“ im Bereich Endokrinologie auf Englisch erschienene Buch ist das erste überhaupt zu diesem wichtigen Thema. „Wir sind gerade erst dabei genauer zu betrachten, welche Bestandteile Milch – ob von Natur oder zugeführt – enthält und welche Wirkung diese haben“, erklärt Kindermediziner Prof. Wieland Kiess. Sein Spezialgebiet sind Stoffwechselprozesse und damit verbundene Erkrankungen und Entwicklungsstörungen im Kindesalter. Milch enthalte – neben Nährstoffen – auch natürlich vorkommende Hormone und andere bioaktive Substanzen, die in den Hormonhaushalt eingreifen. „In der Muttermilch haben diese zentrale Aufgaben“, beschreibt Kiess, „auf diese Weise werden beispielsweise während des Stillens Signale zur Sättigung zwischen Mutter und Kind übermittelt.“ Wie immer seien Hormone in der Milch eben nicht nur schädlich, sondern auch nützlich. Gleichzeitig sei es aber auch so, dass in tierischer Milch, die wir als Nahrung verwenden, neben den natürlichen Bestandteilen ebenso Kontaminationen vorkommen. „Das sind beispielweise Östrogene, die aus der Behandlung der Kühe mit Wachstumshormonen in die Milch gelangen und damit in unsere Nahrungskette“, so Prof. Kiess. Es sei daher zunehmend wichtig, darauf zu achten, was genau alles mit der Milch an Kinder übertragen werde und welche Folgen dies auf deren Wachstum und hormonelle Entwicklung haben kann. Fragen der Milchsicherheit, so Kiess, werden in diesem Zusammenhang künftig sicher eine größere Rolle spielen. Mit der jetzt vorliegenden Publikation geben er und Privatdozent Höflich einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand zu diesen Fragen. Ein Fazit dabei ist: „Auch der Blick auf die Hormone bestätigt die Erkenntnis, dass Muttermilch eine hochkomplexe und in ihrer Wirkung kaum zu überschätzende Substanz ist, deren Effekt für die Entwicklung eines Kindes nicht nur auf in der Weitergabe von Nährstoffen besteht und die wir noch nicht vollumfänglich verstanden haben“, sagt Prof. Wieland Kiess.
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