Zusammenhang zwischen Gangbild, Nierenkrankheit und kognitiver Dysfunktion

© Andrey Bandurenko – stock.adobe.com (Symbolbild)

Kognitive Beeinträchtigungen sind eine der Hauptursachen für eine erhöhte Sterblichkeit bei chronischer Nierenkrankheit (CKD). US-amerikanische Wissenschaftler stellten nun die Hypothese auf, dass bei einer CKD Ganganomalien eine gemeinsame Pathogenese mit kognitiven Dysfunktionen haben. Die eingeschränkten kognitiven Funktionen älterer Erwachsener seien mit der CKD assoziiert.

In ihrer aktuell veröffentlichten Studie konzentrierten sich die Experten auf einen kürzlich definierten Gangphänotyp, der mit einer CKD in Zusammenhang steht. Tatsächlich war dieser Gangphänotyp mit einer schlechteren Funktion einiger kognitiver Bereiche assoziiert. Außerdem standen der Gangphänotyp und eine CKD mit einem gemeinsamen Muster einer Atrophie der grauen Substanz im Gehirn in Zusammenhang.

Die Forscher schlossen 312 ältere Erwachsene ≥65 Jahre in ihre Studie ein. Durchgeführt wurden Gang­untersuchungen und neuropsychologische Tests. In einer Untergruppe (n=115) wurden zusätzlich MRT-Bilder angefertigt. Primäres kognitives Ergebnis war der Gesamtskalenwert der „wiederholbaren Batterie zur Beurteilung des neuropsychologischen Status“ (Repeatable Battery for the Assessment of Neuropsychological Status, RBANS).

Eine niedrigere eGFR war nur bei Teilnehmern, die den speziellen Gangphänotyp aufwiesen, mit einem niedrigeren RBANS-Score assoziiert (p=0,04). Verglichen mit Teilnehmern ohne CKD oder Gangphänotyp waren die RBANS-Scores bei Teilnehmern mit CKD und Gangphänotyp, die ein schlechteres Kurzzeitgedächtnis, visuelle Fähigkeiten, eingeschränkte Gedächtnisleistung und Handlungsverzögerungen aufwiesen, um 5,4 Punkte (95%-KI 1,8–9,1) niedriger.

In einer angepassten Analyse, die sich auf Teilnehmer mit CKD beschränkte, war der Gangphänotyp in ähnlicher Weise mit niedrigeren RBANS-Scores assoziiert (–6,9; 95%-KI –12,2 bis –1,5). Anhand der neuroradiologischen Bildgebung wurde ein Atrophiemuster der grauen Substanz identifiziert, das sowohl bei CKD als auch beim Gangphänotyp auftrat und Hirn­regionen betraf, die mit der Kognition assoziiert sind. Unabhängig von der eGFR stand der Gang­phänotyp mit einem höheren Risiko für eine leichte kognitive Beeinträchtigung in Zusammenhang (HR 3,91; 95%-KI 1,46–10,44).

Fazit
In der Studie war ein spezifischer Gangphänotyp mit einer schlechteren Funktion einiger kognitiver Bereiche assoziiert. Außerdem standen der Gangphänotyp und eine CKD mit einem gemeinsamen Muster einer Atrophie der grauen Substanz im Gehirn in Zusammenhang. (jh)

Autoren: Koren MJ et al.
Korrespondenz: Matthew Abramowitz; [email protected]
Studie: Cognitive Dysfunction and Gait Abnormalities in CKD
Quelle: Clin J Am Soc Nephrol 2021;16(5):694–704.
Web: https://doi.org/10.2215/CJN.16091020