Zusammenhang zwischen inflammatorischem Potenzial der Ernährung und Darmkrebs-Risiko

Darmgesundheit
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Die Ergebnisse einer aktuellen Studie deuten darauf hin, dass eine Entzündung einen potenziellen Mechanismus darstellt, der Ernährungsmuster mit der Entstehung eines Kolorektalkarzinoms (CRC) miteinander verbindet.

Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass Maßnahmen zur Reduktion des Einflusses proinflammatorischer Ernährungsweisen möglicherweise bei übergewichtigen bzw. adipösen Männern und schlanken Personen beiderlei Geschlechts sowie Frauen, die alkoholabstinent sind, wirksamer sind. Für die Untersuchung eines möglichen Zusammenhangs zwischen einer entzündungsfördernden Ernährung und einem erhöhten CRC-Risiko verwendeten die Autoren der Studie einen EDIP(empirical dietary inflammatory pattern)-Score auf der Basis einer gewichteten Summe von 18 Lebensmittelgruppen, die auf der Grundlage von Entzündungs-Biomarkern ein inflammatorisches Potenzial charakterisiert. Verwendet wurden für die Analyse Kohorten­studien mit 46.804 Männern (Health Professionals Follow-up Study: 1986–2012) und 74.246 Frauen (Nurses‘ Health Study: 1984–2012), in denen die Probanden 26 Jahre lang nachbeobachtet wurden. Neben der Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen EDIP-Scores und dem CRC-Risiko erfolgte auch eine Analyse hinsichtlich Alkoholkonsum und Körpergewicht. Es wurden 2699 neu aufgetretene CRC-Fälle innerhalb von 2.571.831 Personenjahren dokumentiert.

Im Vergleich zu Personen aus der untersten EDIP-Quintile (Q) mit einer CRC-Inzidenz (pro 100.00 Personenjahre) von 113 (Männer) bzw. 80 (Frauen) wiesen diejenigen in der höchsten Q eine CRC-Inzidenzrate von 151 (Männer) bzw. 92 (Frauen) auf. Dies ergab eine nicht adjustierte Ratendifferenz von 38 bzw. 12 zusätzlichen CRC-Fällen bei Personen, deren Ernährungsweise in hohem Maße entzündungsfördernd war. Multivariabel adjustierte Analysen ergaben für den Vergleich der Q mit den höchsten und den niedrigsten EDIP-Scores für Männer mit höheren Werten ein um 44 % erhöhtes Risiko für ein CRC (Hazard Ratio [HR] 1,44; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,19–1,74; pTrend<0,001), für Frauen mit höheren Werten ein um 22 % höheres Risiko (HR 1,22; 95 %-KI 1,02–1,45; pTrend=0,007) und für Männer und Frauen gemeinsam betrachtet ein um 32% erhöhtes Risiko (gepoolte HR 1,32; 95 %-KI 1,12–1,55; pTrend<0,001).

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen wurde ein solcher Zusammenhang für alle anatomischen Krankheitsorte festgestellt, einzige Ausnahme war das Rektum bei Frauen. In Subgruppen (p≤0,02 für alle Interaktionen) gab es bezüglich der Assoziationen Unterschiede nach Ausmaß des Alkoholkonsums und nach Körpergewicht. Stärkere Zusammenhänge wurden beobachtet bei Männern (Q5 vs. Q1 HR 1,62; 95 %-KI 1,05–2,49; pTrend=0,002) und Frauen (Q5 vs. Q1 HR 1,33; 95 %-KI 0,97–1,81; pTrend=0,03), die keinen Alkohol tranken. Dasselbe war der Fall bei übergewichtigen/adipösen Männern (Q5 vs. Q1 HR 1,48; 95 %-KI 1,12–1,94; pTrend=0,008) und schlanken Frauen (Q5 vs. Q1 HR 1,31; 95 %-KI 0,99–1,74; pTrend=0,01).

Fazit
Die Entwicklung von Darmkrebs ist möglicherweise über Entzündungsprozesse bei bestimmten Ernährungsgewohnheiten verknüpft.  

Autoren: Tabung FK et al.
Korrespondenz: Prof. Fred K. Tabung, Department of Nutrition, Harvard T. H. Chan School of Public Health, Boston, MA, USA; [email protected]
Studie: Association of Dietary Inflammatory Potential With Colorectal Cancer Risk in Men and Women
Quelle: JAMA Oncol 2018;4(3):366–373.
Web: jamanetwork.com/journals/jamaoncology