Zusammenspiel von Augenbewegungen und Emotionsverarbeitung18. Oktober 2019 Für die Studie wurden die Methoden EEG und Eye-Tracking kombiniert. (Foto: Anap-Lab, Universität Göttingen) Wie unsere Augen und unser Gehirn reagieren, wenn wir emotionsgeladene oder neutrale Gesichter sehen, hat Dr. Louisa Kulke von der Universität Göttingen untersucht. Sie kombinierte dabei Eye-Tracking und Elektroenzephalographie (EEG). Das Ergebnis: Die reflexartigen Augenbewegungen sind unabhängig davon, welchen Ausdruck ein Gesicht zeigt. Alle Gesichter werden gleich schnell angesehen. Im Alltag sind Menschen zahlreichen Reizen ausgesetzt, bei einem Gang durch die Stadt sind dies unter anderem Menschen und ihre Gesichter, Kleidung und Schaufenster. Aus diesen Informationen müssen relevante Inhalte herausgefiltert werden, auf die dann reagiert wird. „Häufig geht diese Aufmerksamkeitsverschiebung auch mit einer Augenbewegung einher“, sagt Kulke, die in der Abteilung Affektive Neurowissenschaft und Psychophysiologie der Universität Göttingen forscht. Sie kombinierte in der aktuellen Studie zwei gängige Methoden, um zu untersuchen, was bei dieser Aufmerksamkeitsverschiebung im Gehirn passiert: Eye-Tracking und EEG. „Wir haben untersucht, wie schnell unsere Testpersonen die Gesichter, die auf dem Bildschirm an verschiedenen Stellen erscheinen, ansehen“, sagt Kulke. Das Ergebnis zeigt, dass die Augen immer gleich schnell reagieren, wenn man kein bestimmtes Ziel hat. „Wir sehen Menschen in unserer Umgebung gleich schnell an, unabhängig davon, ob sie fröhlich, wütend oder gleichgültig aussehen.“ Die Studie zeigte auch, dass frühe Gehirnreaktionen unabhängig vom Gesichtsausdruck sind. Erst spätere Gehirnreaktionen, die stattfinden, nachdem die Augenbewegung abgeschlossen ist, zeigen starke Reaktionen auf den Gefühlsausdruck im Gesicht. Das Ergebnis, so Kulke, sei auch für Folgestudien interessant. Denn die Frage ist, ob die Emotionsverarbeitung auch dann erst später stattfindet, wenn die Augen nicht reflexartig reagieren, sondern bewusst gesteuert werden mit einer konkreten Aufgabe. Kulke erklärt: „Verarbeiten wir zum Beispiel Gesichtsausdrücke, die wir peripher wahrnehmen, bevor wir unsere Augen bewegen? Das wäre zum Beispiel die Frage, wenn wir das explizite Ziel haben, nur bestimmte Gesichter anzusehen, wie etwa die nette Kommilitonin, und andere zu ignorieren, wie zum Beispiel den nervigen Nachbarn.“ Originalpublikation: Kulke L.: Neural Mechanisms of Overt Attention Shifts to Emotional Faces. Neuroscience 2019;418:59–68.
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