Zwei Organe für die Ehefrau

Sabine G. (Name geändert, Anm. d. Red.) ist ihrem Mann auf besondere Weise verbunden: Sie lebt dank seiner Niere und seiner Leber. Ihr Mann wurde für sie zum zweifachen Organspender. Gemeinsam trafen sie zum Tag der Organspende am Universitätsklinikum Leipzig Ministerin Barbara Klepsch. Die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz informierte sich am 6. Juni über die Arbeit des Transplantationszentrums am Universitätsklinikum Leipzig, das in diesem Jahr sein 25. Jubiläum begeht.

Erst vor kurzem konnte das Team des Transplantationszentrums einen Meilenstein verzeichnen: die Transplantation der 1000. Leber seit Beginn des Leipziger Transplantationsprogramms. 1993 wurden am Universitätsklinikum Leipzig erstmals Nieren, Lebern und Bauchspeicheldrüsen transplantiert. Seitdem erhielten 1972 Menschen ein neues Organ und damit Hoffnung und ein neues Leben.

So wie Sabine G, die zweimal transplantiert wurde. Die Frau litt an einer angeborenen Erkrankung, die zuerst die Nieren und dann auch die Leber angegriffen und zerstört hat. Viele Jahre lebte sie damit, bevor ihr Zustand sich 2013 rapide verschlechterte und eine Niere entfernt werden musste. Eine Nierentransplantation wurde notwendig. Bei der Suche nach einem geeigneten Spender kam auch ihr Mann in Betracht, obwohl er eine andere Blutgruppe hatte. Er musste nicht lange überlegen, und so erhielt seine Frau 2014 am Uniklinikum in Dresden seine Niere im Rahmen einer blutgruppen-inkompatiblen Lebendspende.

2017 verschlechterte sich dann aber die Funktion der angegriffenen Leber immer mehr. “Die Schmerzen wurden immer schlimmer”, erinnert sich Sabine G. Im Urlaub in Österreich ging dann nichts mehr, nach der vorzeitigen Rückreise kam sie direkt ins Krankenhaus und wurde von dort mit Organversagen nach Leipzig verlegt. Hier wurde ihr Zustand stabilisiert, um eine Transplantation zu ermöglichen. Wieder war ihr Mann als möglicher Organspender eine Option, und wieder traf er die gleiche Entscheidung – er spendete 2017 im Leipziger Universitätsklinikum seiner Frau ein Stück seiner Leber und rettete so ihr Leben. “Natürlich habe ich das gemacht”, sagt der Ehemann. “Es wurde ja auch höchste Zeit, ihr Zustand war so kritisch. Diesen Moment muss ich nicht noch einmal erleben.” Sabine G. erholte sich, auch ihr Mann verkraftete den erneuten Eingriff sehr gut.

Was bleibt, ist die Angst, dass wieder etwas passiert, und vieles, was noch verarbeitet werden muss, erzählte Sabine G. beim Treffen mit Ministerin Klepsch. Diese traf das Ehepaar bei ihrem Besuch am UKL, bei dem sie sich über die wichtige Arbeit des Transplantationszentrums informierte. Im Gespräch mit dem Team des Zentrums berichteten ihr die Ärzte und Koordinatoren von ihrer schwierigen täglichen Aufgabe. “Wir sehen unsere todkranken Patienten und wissen, dass wir angesichts des Organmangels nicht allen werden helfen können”, konstatierte Prof. Daniel Seehofer, Leiter des Zentrums.
Seehofer plädiert dafür, dass mehr Menschen sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und für sich eine klare Entscheidung treffen. “Wichtig ist, sich damit zu beschäftigen und Angehörige mit dieser Frage im Ernstfall nicht allein zu lassen”, so der Chirurg. Das vereinfache die oft unter hohem Zeitdruck zu treffenden Entscheidungen, ob jemand als Organspender in Frage kommt oder nicht. Natürlich wünscht sich der Transplantationschirurg, dass das Votum häufiger für eine Organspende ausfällt. “Wir können unseren Patienten nur helfen, wenn ein anderer Mensch bereit ist, dafür zum Spender zu werden”, so Seehofer.

Ministerin Barbara Klepsch zeigte sich beeindruckt von der Arbeit der Leipziger Transplantationsmediziner und betonte ebenfalls die Wichtigkeit der Organspende.
“Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Leipziger Transplantationszentrums, die mit ihrer Arbeit seit 25 Jahren hunderten schwerkranken Patienten mit einer Transplantation helfen und deren Leben retten konnten. Viele Patienten empfinden die Transplantation als Beginn eines zweiten, eines geschenkten Lebens und sind ihren Organspendern sehr dankbar”, sagte Klepsch.
“Wir müssen stärker über das Thema Organspende reden. Jeder kann in die Situation kommen, auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein. Bedauerlicherweise aber sinkt bundesweit seit Jahren die Zahl der Organspender. Es ist wichtig, dass jeder für sich eine Position dazu bezieht und selbstbestimmt eine Entscheidung trifft”, so Klepsch weiter.

Im Fall des Ehepaars war die Entscheidung sicher einfacher, denn hier kam eine Lebendspende infrage. Dennoch hoffen auch sie darauf, dass sich künftig mehr Menschen für einen ähnlichen Schritt entscheiden. “Unser Sohn hat meine Erkrankung geerbt”, erzählt Sabine G. Noch gehe es ihm gut. “Wenn es dann aber so weit sein sollte, hoffen wir sehr, dass es auch für ihn einen Spender geben wird.”

Quelle
Universitätsklinikum Leipzig
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