Zweimal hinschauen: Eignung rauchender Lungenkrebspatienten für eine chirurgische Resektion29. Mai 2026 Abbildung: sakramir/stock.adobe.com Eine Studie von Forschenden der University of Cincinnati (USA) zeigt: Patienten, die rauchen und vor einer Lungenkrebs-Operation nicht damit aufhören, profitieren dennoch mit positiven Behandlungsergebnissen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Patienten, die im Vorfeld einer Operation wegen Lungenkrebs weiterhin rauchen, zwar ein höheres Risiko für pulmonale Komplikationen aufwiesen. Ihre Rate für Mortalität innerhalb kurzer Zeit nach dem Eingriff ähnelte aber derjenigen von Patienten, die vorher einen Rauchstopp erreicht hatten. Rauchen trotz anstehender OP: Kein generelles Ausschlusskriterium Die im „Journal of the American College of Surgeons“ veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass Ärzte die herkömmliche Strategie überdenken sollten, die bestimmte Patienten – die bis zum Zeitpunkt der Behandlung weiterhin rauchen – von einer Lungenkrebs-Operation ausschließt. Normalerweise werde von den Betroffenen erwartet, dass sie mindestens einen Monat vor der Operation rauchfrei sind, erklären die Autoren. „Rauchen ist offensichtlich sehr schädlich und steht in Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs und Herzerkrankungen“, sagt Dr. Robert Van Haren, Forscher am Cancer Center der University of Cincinnati und außerordentlicher Professor für klinische Chirurgie am University of Cincinnati College of Medicine. „Und unsere Studie zeigt, dass es tatsächlich die Wahrscheinlichkeit postoperativer Komplikationen erhöht“ Er stellt klar: „Wir möchten natürlich sehr gerne, dass Patienten nicht rauchen und vor der Operation mit dem Rauchen aufhören. Sollten jedoch manche Patienten nicht in der Lage oder nicht gewillt sein, das Rauchen einzustellen, können wir ihnen dennoch sicher eine Operation zur Behandlung ihres Lungenkrebses anbieten.“ Van Haren ist als Chirurg an der University of Cincinnati Health tätig und korrespondierender Autor der Studie. „Es gibt keinen Unterschied hinsichtlich des Sterberisikos“, erklärt van Haren, „wir können die Patienten also dennoch erfolgreich durch die Operation bringen. Wir müssen dabei jedoch sorgfältig vorgehen und die Entscheidung für oder gegen einen chirurgischen Eingriff auf individueller Basis treffen, anstatt uns bei unserer Entscheidungsfindung lediglich auf einen einzigen Faktor zu stützen.“ Mortalität unterscheidet sich nicht je nach Raucherstatus Die Studienautoren analysierten die Ergebnisse von Lungenkrebsresektionen bei 85.124 Patienten, die im Zeitraum von 2018 bis 2023 in der General Thoracic Surgery Database der Society of Thoracic Surgeons erfasst wurden. Dabei stellten sie fest, dass zum Zeitpunkt der Behandlung noch rauchende Patienten jünger waren und weniger Begleiterkrankungen aufwiesen. Pulmonale Komplikationen traten bei Patienten, die aktuell rauchten, häufiger auf – 34,6 Prozent gegenüber 30,5 Prozent –, die Mortalität unterschied sich jedoch nicht je nach Raucherstatus. Die Rate lag bei einem Prozent sowohl für Personen, die aktuell rauchten, als auch für jene, die vor der Operation mit dem Rauchen aufgehört hatten. Robert Van Haren ist Forscher am Cancer Center der University of Cincinnati und außerordentlicher Professor am UC College of Medicine. (Foto mit freundlicher Genehmigung der University of Cincinnati) Van Haren merkt an, dass die Ergebnisse auf einen Zusammenhang hindeuten, nicht jedoch auf eine Kausalität. Er fügte hinzu, dass Chirurgen bei der Beurteilung von Patienten verschiedene Faktoren berücksichtigen, darunter das Alter, die Mobilität (ob der Patient selbst zu laufen in der Lage oder auf einen Rollstuhl angewiesen ist) sowie die Frage, ob die Krebsbehandlung sicher nur mittels Thorakotomie durchgeführt werden kann. Traditionell bestand der Behandlungsstandard bei vielen Krebserkrankungen darin, dass Chirurgen einen größeren Lungenabschnitt entfernten, erklärt Van Haren. Doch der zunehmende Einsatz robotergestützter Chirurgie habe die Behandlungsmöglichkeiten verändert. „Wir führen viele Operationen robotergestützt über kleinere Schnitte durch. Dies ermöglicht den Patienten eine bessere Genesung und verringert im Vergleich zu offenen Schnitten mittels Thorakotomie das Risiko, Komplikationen wie etwa eine Lungenentzündung zu entwickeln“, sagt Van Haren. „Technologische Fortschritte und neue Erkenntnisse ermöglichen es uns, diese Operationsmethode nun einer größeren Anzahl von Patienten anzubieten.“ Robert Van Haren ist Forscher am Cancer Center der University of Cincinnati und außerordentlicher Professor am UC College of Medicine. (Foto mit freundlicher Genehmigung der University of Cincinnati)
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