13-Sekunden-Augentest könnte die Wiedererlangung des Bewusstseins nach einer schweren Hirnverletzung vorhersagen

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Ein einfacher Augentest am Krankenbett könnte dazu beitragen, die Wiedererlangung des Bewusstseins bei Patienten mit schweren Hirnverletzungen vorherzusagen. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die auf dem Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) 2026 vorgestellt wurde1.

Die Studie ergab, dass eine bisher übersehene Phase der Pupillenreaktion auf Licht, die späte Reaktion nach dem Ausschalten des Lichtreizes (light-off response, LOR), Verbesserungen des Bewusstseinszustands sieben Tage später bei Patienten mit akuter Hirnverletzung vorhersagte. Im Gegensatz dazu sagten Standardparameter der Pupillometrie, die bereits weit verbreitet auf Intensivstationen eingesetzt werden, einschließlich des Neurologischen Pupillenindex (NPi) und der Latenz des pupillären Lichtreflexes (PLR), keine späteren Bewusstseinsverbesserungen voraus.

Die Vorhersage, ob ein Patient nach einer schweren Hirnverletzung das Bewusstsein wiedererlangt, bleibt eine große Herausforderung in der Intensivmedizin2. Obwohl die automatisierte Pupillometrie bereits weit verbreitet auf Intensivstationen zur Beurteilung der Hirnfunktion eingesetzt wird, erfassen die bestehenden Messmethoden hauptsächlich die unmittelbare Reaktion der Pupille auf Licht und bieten nur begrenzten Einblick in die spätere Wiedererlangung des Bewusstseins.

Latenz der späten LOR gibt Hinweise auf das Erholungspotenzial

Forschende des Universitätsklinikums Rigshospitalet in Kopenhagen und der Technischen Universität Dänemark untersuchten, ob eine spätere Phase der Pupillenreaktion nach dem Lichtreiz zusätzliche Hinweise auf das Erholungspotenzial von Patienten mit akuten Bewusstseinsstörungen geben kann. Die Studie umfasste 250 Patienten mit Bewusstseinsstörungen nach traumatischen und nicht-traumatischen Hirnverletzungen sowie 30 alters- und geschlechtsgleiche gesunde Kontrollpersonen. Die Patienten wurden bis zu 20 Tage lang auf der Intensivstation täglich mittels automatisierter Pupillometrie und neurologischen Untersuchungen beurteilt.

Die Analyse zeigte, dass die Latenz der späten LOR unabhängig eine Verbesserung des Bewusstseins sieben Tage später vorhersagte, selbst nach Berücksichtigung des neurologischen Ausgangsstatus, der Zeit seit der Verletzung, der Sedierung und der Art der Verletzung. Die Messung korrelierte dabei nicht mit dem aktuellen Bewusstseinszustand der Patienten am selben Tag, was darauf hindeutet, dass sie ein Erholungspotenzial aufzeigen kann, das bei der routinemäßigen Untersuchung am Krankenbett nicht erkennbar ist.

Dr. Poul Laigaard, Hauptautor vom Universitätsklinikum Rigshospitalet in Kopenhagen, kommentierte: „Aktuelle Tests der Pupillenfunktion zeigen uns, wie das Gehirn im Moment reagiert, aber die späte LOR könnte Hinweise auf das Erholungspotenzial des Gehirns liefern. Dies könnte uns helfen, besser zu verstehen, bei welchen Patienten sich das Bewusstsein in den folgenden Tagen voraussichtlich verbessern wird.“

Validierung in größeren Studien erforderlich

Der Zusammenhang schien am stärksten bei Patienten ausgeprägt zu sein, die keine Sedativa erhielten, und bei solchen mit anoxisch-ischämischer Hirnverletzung, einem Zustand, bei dem das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff und Blut versorgt wird3. Die Forschenden weisen jedoch darauf hin, dass diese Ergebnisse der Untergruppenanalyse explorativ sind und in größeren Studien bestätigt werden müssen.

Prof. Daniel Kondziella, Seniorautor der Studie, fügte hinzu: „Wir halten dies für eine wichtige Beobachtung, die weiterer Forschung bedarf. Größere, multizentrische Studien sind erforderlich, um festzustellen, ob dieser Ansatz routinemäßig für die Überwachung am Krankenbett und die Prognose eingesetzt werden kann.“

Da die benötigte Technologie bereits auf vielen Intensivstationen verfügbar ist, erklärte Laigaard, dass der Ansatz relativ einfach umzusetzen sei, sofern sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen. „Die LOR wird mit einem tragbaren, automatisierten Pupillometer gemessen, ähnlich wie bei den derzeitigen Pupillenmessungen. Die gesamte Untersuchung dauert nur 13 Sekunden pro Auge und ist somit ein schnelles und praktisches Instrument für die Anwendung am Krankenbett, das potenziell in die Routineversorgung auf der Intensivstation integriert werden könnte.“

(lj/BIERMANN)

Referenzen

[1] Laigaard, P., Stückler, S., Eigenbrodt, A. et al. (2026). Pupillary light-off latency predicts 7-day improvement in consciousness in patients with acute disorders of consciousness. Abstract A-26-17842. Presented at the 12th EAN Congress (Geneva, Switzerland).

[2] Edlow, B.L., Claassen, J., Schiff, N.D., Greer, D.M. (2021). Recovery from disorders of consciousness: mechanisms, prognosis and emerging therapies. Nature Reviews Neurology; 17(3):135–156.

[3] Messina, Z., Shapshak, A.H., Mills, R. (2023). Anoxic Encephalopathy. StatPearls. NCBI.