Jenaer Physiologen erhalten Förderpreis für Schmerzforschung25. Oktober 2017 Foto: © Sebastian Kaulitzki – Fotolia.com Die Wissenschaftler Dr. Christian König und Eric Morch vom Institut für Physiologie I am Universitätsklinikum Jena sind mit dem Förderpreis für Schmerzforschung ausgezeichnet worden. In ihrer mit dem ersten Preis in der Kategorie Grundlagenforschung ausgezeichneten Arbeit beschreiben sie, wie eine Wechselwirkung von zwei wichtigen Signalstoffen, eigentlich dafür bekannt Entzündungs- und Abwehrreaktionen des Körpers zu starten, im Rückenmark die Erregung von Nervenzellen drastisch verstärkt. Diese erhöhte Erregbarkeit im Rückenmark ist Bestandteil einer möglichen Sensibilisierung des zentralen Nervensystems und Ursache für die Verstärkung und Ausbreitung von Schmerzsymptomen. Die Mechanismen der Schmerzentstehung bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie der Arthritis sind Forschungsschwerpunkt der Neurophysiologen am Uniklinikum Jena. Eine Entzündung ruft oft heftige Schmerzen hervor und geht mit einer Sensibilisierung des betroffenen Areals einher. Dies löst häufig auch eine sogenannte zentrale Sensibilisierung im Rückenmark und des Gehirns aus, die dann das betroffene Areal größer macht und die Schmerzen verstärkt. Die Wissenschaftler untersuchen, wie Botenstoffe des körpereigenen Immun- und Abwehrsystems diese Prozesse beeinflussen oder ermöglichen. Dabei gelang es ihnen jetzt zu zeigen, dass es funktionelle Abhängigkeiten bei der Wirkung von zwei allgegenwärtigen Faktoren von Entzündungsreaktionen, dem sogenannten Tumor Nekrose Faktor alpha (TNF-alpha) und dem Interleukin-6 (IL-6), im Rückenmark gibt. „Wir konnten nachweisen, dass TNF-alpha eine regulatorische Funktion auf die IL-6 Wirkung im Rückenmark ausübt. TNF-alpha verstärkt eine IL-6-Freisetzung aus Nervenzellen des Rückenmarks und aktiviert sogenannte Mikrogliazellen, wichtige Immunzellen des zentralen Nervensystems, zur Freisetzung einer weiteren entscheidenden molekularbiologischen Komponente, um eine Wirkung von IL-6 auf Schmerzreiz-verarbeitende Nervenzellen im Rückenmark erst zu ermöglichen“, erklärte König das zentrale Ergebnis der etwa zweijährigen Forschungsarbeiten. Einen wichtigen Beitrag leistete auch der Zahnmedizinstudent Eric Morch, der dafür mit einem Promotionsstipendium der Medizinischen Fakultät unterstützt wurde. „Die Mikrogliazellen als direkte Schaltstelle für die Regulierung der Erregbarkeit des Rückenmarks zu erkennen war schon sehr spannend“, so der Doktorand. Die funktionelle Zusammenarbeit von zentralen Nervenzellen und Mikrogliazellen wird in vielen Krankheitsprozessen, z. B. bei Schlaganfällen oder Alzheimer, angenommen. Die ausgezeichnete Studie der Jenaer Wissenschaftler ermöglicht eine spezifischere Betrachtungsweise der Wirkung von Entzündungsfaktoren im Rückenmark und präzisere Ansätze für therapeutische Konzepte. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. vergibt den von der Grünenthal GmbH gestifteten Förderpreis für Schmerzforschung in den Kategorien klinische und Grundlagenforschung jährlich auf dem Deutschen Schmerzkongress, der in der vergangenen Woche in Mannheim stattfand. Literatur: König C et al: Journal of Neuroscience, 2016, 36:9782.
Mehr erfahren zu: "Epilepsie kann zu häufigem nächtlichem Aufwachen führen" Epilepsie kann zu häufigem nächtlichem Aufwachen führen Epilepsie-bedingtes Aufwachen könnte bei Epilepsie-Patientinnen und -Patienten deutlich häufiger sein als bislang angenommen. Die sehr leichten Anfälle sind mit Standard-Diagnostik allerdings oft nicht erkennbar.
Mehr erfahren zu: "Exoskelett soll künftig Menschen mit Plexuslähmung den Alltag erleichtern" Exoskelett soll künftig Menschen mit Plexuslähmung den Alltag erleichtern Forschende enwickeln ein myoelektrisch gesteuertes Exoskelett, das Betroffene bei alltäglichen Aufgaben unterstützen soll. Das körpernah getragene Assistenzsystem soll minimalistisch und textilintegriert gestaltet sein und sich leicht und unauffällig tragen lassen.
Mehr erfahren zu: "Studie: Psychische Belastungen gefährden Ausbildungserfolg" Studie: Psychische Belastungen gefährden Ausbildungserfolg Jeder siebte Azubi gilt einer aktuellen Umfrage zufolge als mental belastet. Mit Folgen auch für die Unternehmen: Wer sich bei seiner Stelle nicht wohlfühlt, denkt besonders häufig daran hinzuschmeißen.