Epilepsie kann zu häufigem nächtlichem Aufwachen führen3. September 2026 Symbolbild © Cahya/stock.adobe.com Epilepsie-bedingtes Aufwachen könnte bei Epilepsie-Patientinnen und -Patienten deutlich häufiger sein als bislang angenommen. Die sehr leichten Anfälle sind mit Standard-Diagnostik allerdings oft nicht erkennbar. Kurz aufwachen, sich im Bett bewegen und wieder einschlafen: Was wie eine normale Schlafreaktion aussieht, kann bei Menschen mit Epilepsie ein Anfall sein. Solche „epileptischen Arousals“ machten in einer Untersuchung des Universitätsklinikums Freiburg rund ein Viertel aller aufgezeichneten Anfälle aus. Ein Großteil dieser Arousals war mit der üblichen Epilepsie-Diagnostik, einem Elektroenzephalogramm (EEG) auf der Kopfhaut, nicht als Anfall erkennbar. Erst Elektroden direkt im Gehirn zeigten die epileptische Aktivität. Damit könnten bei manchen Patientinnen und Patienten nächtliche Anfälle unentdeckt bleiben. Die Freiburger Forschenden zeigen aber auch einen Weg, über den die Anfälle künftig nicht-invasiv identifiziert werden könnten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Epilepsia“ veröffentlicht. „Ein nächtliches Erwachen wirkt zunächst unspektakulär. Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass dahinter bei Menschen mit Epilepsie eine eigenständige Anfallform stehen kann. Wenn das, wie von uns gemessen, regelmäßig passiert, wird die tatsächliche Anfallslast deutlich unterschätzt“, berichtet Prof. Andreas Schulze-Bonhage, Leiter des Epilepsiezentrums am Universitätsklinikum Freiburg. „Solche regelmäßigen Mikroweckreaktionen können die Schlafarchitektur zerstören, zu massiver Tagesmüdigkeit führen und die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.“ Wenn ein Anfall wie normales Erwachen aussieht Bei einem epileptischen Arousal löst epileptische Aktivität im Gehirn ein Erwachen aus. Verkrampfungen oder andere typische Anfallszeichen fehlen. Für Betroffene und Beobachtende kann das Ereignis deshalb wie gewöhnliches nächtliches Erwachen aussehen. In der aktuellen internationalen Klassifikation epileptischer Anfälle werden epileptische Arousals bislang nicht als eigener Anfallstyp geführt. Die Forschenden werteten Daten von 20 Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbarer fokaler Epilepsie aus. Sie waren vor einer möglichen Epilepsie-Operation untersucht worden. Dabei wurde die Hirnaktivität nicht nur mit einem üblichen EEG über die Kopfhaut, sondern gleichzeitig auch mit Elektroden direkt im Gehirn gemessen. So ließ sich erkennen, ob ein scheinbar normales Erwachen tatsächlich durch epileptische Aktivität bedingt war. Von insgesamt 507 aufgezeichneten Anfällen waren 133 epileptische Arousals. Bei 89 dieser Arousal-Ereignisse, also 66,9 Prozent, zeigte das Kopf-EEG kein erkennbares Anfallsmuster. Die direkt im Gehirn liegenden Elektroden zeichneten dagegen epileptische Anfallsmuster auf. „Unsere Ergebnisse zeigen eine diagnostische Lücke: Ein nächtlicher Anfall kann vorhanden sein, obwohl das übliche EEG an der Kopfhaut keinen Anfall erkennen lässt“, erklärt Erstautorin Lea Fisel, die die Daten im Rahmen ihrer Promotion auswertete. Neue Erkenntnisse könnten präzisere Epilepsie-Therapie ermöglichen Das kann auch vor einer Epilepsie-Operation relevant sein. Dabei versuchen Ärztinnen und Ärzte möglichst genau zu bestimmen, in welchen Hirnregionen die Anfälle entstehen. Die Ursprungsgebiete der epileptischen Arousals überlappten bei den untersuchten Patientinnen und Patienten nur teilweise mit denen ihrer anderen Anfallsformen. Werden epileptische Arousals nicht als Anfälle erkannt, könnten ursächliche Hirnregionen für die Epilepsie übersehen werden. Einen weiteren möglichen Ansatz zur Erkennung lieferte die Herzfrequenz. Sie stieg sowohl bei normalem als auch bei epileptisch bedingtem Erwachen. Nach epileptischen Arousals fiel die Veränderung jedoch stärker und variabler aus. Die Herzfrequenz könnte künftig ein Baustein für Verfahren sein, die solche Anfälle ohne Elektroden im Gehirn erkennen. Die Ergebnisse stammen aus einer kleinen Gruppe von Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbarer fokaler Epilepsie. Die Daten wurden rückblickend ausgewertet und lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Menschen mit Epilepsie übertragen. In weiteren Studien soll jetzt geprüft werden, inwieweit die Ergebnisse auch für andere Epilepsie-Betroffene gelten. Das könnte Sie ebenfalls zum Thema Epilepsie interessieren: Eine smarte Überwachung für Epilepsie-Erkrankte Erbliche Epilepsie erfolgreich im Mausmodell behandelt
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