Eine smarte Überwachung für Epilepsie-Erkrankte29. Mai 2026 Symbolbild © JK_kyoto/stock.adobe.com „PearNet“ entwickelt spezielle Wearables, die Epilepsie-Patienten vor Anfällen warnen und diese gleichzeitig beobachten und aufzeichnen. Das Bonner Projekt erhält jetzt eine Förderung von rund 2,7 Millionen Euro für drei Jahre über das Programm GO-Bio next des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Epilepsie besser verstehen und behandeln möchte das Projekt „PearNet“ um Prof. Rainer Surges, Leiter der Klinik für Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn, Dr. Marcel Bausch und Dr. Arthur Jordan, beide Leiter der Arbeitsgruppe „Angewandte Neurowissenschaften und Neurotechnologien“. Für „PearNet“ entwickeln sie ein neuartiges Körpersensornetzwerk, um die Vorhersagen und Analysen von epileptischen Anfällen zu verbessern. Menschen mit Epilepsie tragen dieses Wearable-Set im Alltag, während die Sensoren die Epilepsiesymptome kontinuierlich überwachen. Sie erfassen relevante Biosignale, die mittels künstlicher Intelligenz analysiert werden und selbst individuelle Krankheitsmuster berücksichtigen. Mini-Sensoren erfassen Epilepsiesymptome im Alltag „Epilepsie betrifft etwa 50 Millionen Menschen weltweit. Momentan klafft bei der Behandlung eine große Versorgungslücke, denn die Patientinnen und Patienten sind mit bis zu 20 Prozent Fehldiagnosen und 70 Prozent nicht dokumentierten Anfällen konfrontiert“, führt Bausch aus. „Genau hier können wir mit unserem innovativen Sensornetzwerk ansetzen, das uns präzise Informationen für eine schnellere Epilepsie-Diagnose sowie für ein zuverlässiges Anfallsmonitoring gibt.“ Die herkömmliche Behandlung biete zwar ebenfalls eine gute Überwachung der Symptome, allerdings seien die verschiedenen Systeme häufig sehr teuer, zu unpräzise oder nicht alltagstauglich. Jordan betont: „Da die Sensoren sehr klein sind und unauffällig am Körper getragen werden können, misst unser System die Werte über einen längeren Zeitraum und in alltäglichen Situationen, während die Patientinnen und Patienten ganz normal ihren Routinen nachgehen können.“ Ein Mini-Sensor ist etwa ein Ohr-EEG, das die Gehirnaktivität über kleine Elektroden im Gehörgang messen kann. Ergänzt durch weitere Mini-Sensoren soll das neue Wearable-Set langfristig epileptische Anfälle früher erkennen, bei Bedarf umfassender überwachen und besser kontrollieren. Biotech-Innovation auf der Überholspur Das praxisnahe Projekt „PearNet“ erhält seit 2024 Fördermittel aus dem Programm GO-Bio initial: Zunächst wurde es in der sogenannten Sondierungsphase unterstützt, um die Verwertungsidee zu schärfen. Anschließend folgte eine Förderung in der Machbarkeitsphase, um zu prüfen, ob sich das Vorhaben konkret umsetzen lässt und einen technischen Proof-of-Principle zu erbringen. Diese beiden Phasen dienten als Vorbereitung für die nächste Stufe GO-Bio next. Die Entwicklung verlief so erfolgreich, dass „PearNet“ die Machbarkeitsphase verkürzen konnte und vorzeitig in die weiterführende Förderung von GO-Bio next aufgenommen wurde. Damit bereitet das Team nun intensiv ein marktreifes Produkt vor. Auf ihrem Weg aus der Forschung in die Praxis werden die Wissenschaftler von den Transferteams am Transfer Center enaCom und an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn begleitet, die rund um Förderanträge, Finanzierungsfragen, Kooperationen und Patentierungen unterstützen. Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Mittels Smartwatch die Gehirngesundheit vorhersagen Erbliche Epilepsie erfolgreich im Mausmodell behandelt
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