40 Prozent der fMRT-Signale stimmen nicht mit tatsächlicher Hirnaktivität überein23. Dezember 2025 Studie zeigt, dass es keinen generell gültigen Zusammenhang zwischen dem im fMRT gemessenen Sauerstoffgehalt und neuronaler Aktivität gibt. (Bild: © Bartek/stock.adobe.com) Seit fast drei Jahrzehnten ist die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) eines der Hauptinstrumente der Hirnforschung. Doch eine neue Studie hat herausgefunden, dass es keinen generell gültigen Zusammenhang zwischen dem im MRT gemessenen Sauerstoffgehalt und neuronaler Aktivität gibt. Die Forschenden der Technischen Universität München (TUM) und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) fanden in ihren Untersuchungen heraus, dass ein erhöhtes fMRT-Signal in rund 40 Prozent der Fälle mit erniedrigter Hirnaktivität zusammenhängt. Gleichzeitig fanden sie reduzierte fMRT-Signale in Regionen mit erhöhter Aktivität. Erstautorin Dr. Samira Epp betont: „Das widerspricht der bislang geltenden Annahme, dass erhöhte Hirnaktivität immer mit erhöhtem Blutfluss zur Deckung des gestiegenen Sauerstoffbedarfs einhergeht. Da weltweit zehntausende fMRT-Studien auf dieser Annahme beruhen, könnten unsere Ergebnisse bei vielen davon zu entgegengesetzten Interpretationen führen.“ Die Ergebnisse wurden in „Nature Neuroscience“ veröffentlicht. Testaufgaben zeigen Abweichungen von der Standardinterpretation Prof. Valentin Riedl von der FAU und seine Kollegin Epp untersuchten in ihrer Zeit an der TUM mehr als 40 gesunde Probandinnen und Probanden. Sie stellten ihnen jeweils mehrere Versuchsaufgaben, wie zum Beispiel Kopfrechnen oder autobiographisches Erinnern, die im fMRT zu erwartbaren Signaländerungen in verteilten Hirnregionen führen. Währenddessen maßen die Forschenden zugleich den tatsächlichen Sauerstoffverbrauch mit einem neuartigen, quantitativen MRT-Verfahren.Je nach Aufgabe und Hirnregion zeigten sich unterschiedliche physiologische Ergebnisse. Ein erhöhter Sauerstoffverbrauch, etwa in Regionen, die beim Rechnen beteiligt sind, ging nicht mit dem eigentlich erwarteten höheren Blutfluss einher. Hingegen zeigten die quantitativen Auswertungen, dass diese Hirnregionen ihren zusätzlichen Energiebedarf durch eine höhere Entnahme von Sauerstoff aus dem unveränderten Blutstrom deckten. Sie nutzen somit den im Blut vorhandenen Sauerstoff effizienter, ohne mehr Durchblutung zu benötigen. Auswirkungen auf Interpretation von Hirnerkrankungen Die Erkenntnisse berühren nach Einschätzung von Riedl auch Forschungsergebnisse zu Hirnerkrankungen: „Viele fMRT‑Studien zu psychiatrischen oder neurologischen Erkrankungen – von Depression bis Alzheimer – interpretieren Änderungen im Blutfluss als verlässliches Signal neuronaler Unter‑ oder Überaktivierung. Dies muss nun wegen der beschränkten Aussagekraft dieser Ergebnisse neu bewertet werden. Gerade in Patientengruppen mit vaskulären Veränderungen, etwa bei Alterungs‑ oder Gefäßerkrankungen, könnten die Messwerte primär auf Gefäßunterschieden statt auf neuronalen Defiziten basieren.“ Darauf deuten bereits frühere tierexperimentelle Befunde hin.Die Forschenden schlagen deshalb vor, die herkömmliche MRT-Methode mit quantitativen Messungen zu ergänzen. Diese Kombination könnte langfristig die Grundlage für energetisch basierte Gehirnmodelle bilden: Statt Aktivierungskarten mit Annahmen zum Blutfluss zu zeigen, würden Werte dann abbilden, wie viel Sauerstoff und somit Energie tatsächlich zur Informationsverarbeitung verbraucht werden. Das eröffnet den Autoren zufolge neue Wege, um Alterungsprozesse, psychiatrische oder neurodegenerative Erkrankungen unter dem Aspekt absolut veränderten Energiestoffwechsels zu betrachten und besser zu verstehen.
Mehr erfahren zu: "Fusobacterium necrophorum als Erreger komplizierter Meningitiden nach Otitis media" Fusobacterium necrophorum als Erreger komplizierter Meningitiden nach Otitis media Fusobacterium necrophorum kann bei Kindern über einem Jahr schwerwiegende Meningitiden auslösen – meist als Folge einer akuten Otitis media und häufig mit lebensbedrohlichen Komplikationen. Dies geht aus einer französischen Multicenterstudie […]
Mehr erfahren zu: "Studie identifiziert Ursachen für das spätere Depressionsrisiko von Scheidungskindern" Studie identifiziert Ursachen für das spätere Depressionsrisiko von Scheidungskindern Kinder, deren Eltern sich scheiden lassen, haben als Erwachsene ein erhöhtes Depressionsrisiko. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass nicht die Trennung selbst die Haptursache hierfür ist.
Mehr erfahren zu: "Neue Blutbiomarker sagen den Beginn der ALS voraus" Neue Blutbiomarker sagen den Beginn der ALS voraus Neue Biomarker im Blut könnten den Beginn einer amyotrophen Lateralsklerose (ALS) bereits Monate bis Jahre vor den ersten Symptomen anzeigen. Eine Langzeitstudie identifizierte eine 19-Protein-Signatur, die künftig den gezielten Einsatz […]