Kanada: Videosprechstunden schließen psychiatrische Versorgungslücken nicht

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Virtuelle Versorgung kann nach einer psychiatrischen Krise Zugangsbarrieren senken. Ohne zeitnah organisierte Anschlussbehandlung bleibt ihr Nutzen für Jugendliche und junge Erwachsene jedoch begrenzt, wie eine kanadische Untersuchung zeigt.

Eine zeitnahe Nachsorge ist für Jugendliche und junge Erwachsene, deren erster Kontakt wegen einer psychischen Erkrankung über ein Krankenhaus erfolgt, von entscheidender Bedeutung. Um dies vor allem während der COVID-19-Pandemie zu gewährleisten, erfolgte in Ontario (Kanada) ein Ausbau der virtuellen Versorgung.

Nun legt eine bevölkerungsbasierte Querschnittsstudie in „JMIR Mental Health“ offen, dass der Ausbau der virtuellen Versorgung weder mit anhaltenden Veränderungen der psychiatrischen Nachsorge noch mit Verbesserungen der Versorgungsgerechtigkeit verbunden war. Dies stellt nach Ansicht der Autoren eine verpasste Gelegenheit dar, die ärztliche Reichweite zu erweitern und Zugangsbarrieren abzubauen. 

Mehr als 59.000 erstmalige Krankenhauskontakte erfasst

Die Arbeitsgruppe führte eine Querschnittsstudie auf Grundlage verknüpfter administrativer Gesundheitsdatenbanken durch. Dabei erfassten sie erstmalige Kontakte in Form von Notaufnahmevorstellungen oder Krankenhausaufnahmen aufgrund von selbstschädigendem Verhalten, affektiven Störungen oder Psychosen vom 1. März 2009 bis zum 29. Februar 2024 bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ontario im Alter von 10 bis 24 Jahren. Im März 2020 wurde die virtuelle Versorgung ausgeweitet. Untersucht wurden zwei Phasen dieses Ausbaus, eine vorübergehende und eine dauerhafte. 

Die Autoren identifizierten 42.208 erstmalige Notaufnahmevorstellungen und 17.701 erstmalige Krankenhausaufnahmen. Vor dem Ausbau der virtuellen Versorgung betrugen die mittleren alters- und geschlechtsstandardisierten monatlichen Nachsorgeraten 17,64 je 100 erstmalige Notaufnahmevorstellungen beziehungsweise 21,90 je 100 erstmalige Krankenhausaufnahmen. 

Dauerhafte virtuelle Versorgung ohne nachhaltigen Nutzen

Der temporäre Ausbau war mit einem sofortigen Anstieg der Nachsorge assoziiert, der jedoch wieder abnahm. Die Niveauveränderungen betrugen 4,81 (95%-Konfidenzintervall [KI] 2,82–6,81) für Notaufnahmevorstellungen und 7,51 (95%-KI 4,41–10,60) für Krankenhausaufnahmen. Die Veränderungen der Steigung betrugen -0,31 (95%-KI -0,42 bis -0,21) beziehungsweise -0,32 (95%-KI -0,48 bis -0,15). 

Die permanente Ausweitung der virtuellen Versorgung war ausschließlich mit einem unmittelbaren Rückgang der Nachsorge nach Notaufnahmevorstellungen assoziiert (Niveauveränderung -3,81; 95%-KI -6,70 bis -0,92). Bei Krankenhausaufnahmen unterschied sich die Veränderung der Steigung zwischen ländlichen und städtischen Regionen signifikant: Sie betrug in ländlichen Regionen -1,06 (95%-KI -1,93 bis -0,184) und in städtischen Regionen 0,44 (95%-KI -0,179 bis 1,06).

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung und gezielter Maßnahmen, um die Vorteile der virtuellen Versorgung besser zu nutzen und bestehende Barrieren im Gesundheitssystem abzubauen. (ins)