Abbauprozesse in Zellen: Die Gefahr im Innern kontrollieren6. Juli 2022 Bild aufgenommen mit dem Konfokalmikroskop: Inneres einer menschlichen Zelle mit geschädigten Lysosomen (magentafarbene Kreise) und Calponin 2, das die geschädigten Lysosomen umgibt (hellblaue Form darum). Der Zellkern ist als blauer Halbkreis zu sehen. (Abbildung: © Dr. Bojana Kravic/UDE) Billionen von Zellen arbeiten in unserem Körper pausenlos daran, uns am Leben zu erhalten. Dabei entsteht Abfall, der in speziellen Zellorganen abgebaut wird. Doch was, wenn die zellulären Mülleimer nicht funktionieren? Die Forschung vermutet darin die Ursache zahlreicher Erkrankungen. Biologen der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben nun gemeinsam mit einem Team aus München zeigen können, wie Zellen sich selbst vor ihren lädierten Mülleimern schützen – denn deren Inhalt hat es in sich. Analog zu Organen im menschlichen Körper haben Zellen ebenfalls spezialisierte Strukturen in ihrem Innern: die Organellen. Dazu gehören unter anderem die Lysosomen, die zellulären Mülleimer. Sie zersetzen nicht nur die in der Zelle anfallenden Abfälle, sie bauen auch eindringende Krankheitserreger wie Bakterien in ihrem Innern ab. Dazu sind die kleinen Kügelchen mit einem sauren Innern und vielen Enzymen ausgestattet. Umgeben sind sie von einer Membran, die das gefährliche Gemisch im Lysosom einsperrt. Wird diese Membran verletzt, ergießt sich die Mischung ins Zellinnere und führt schlimmstenfalls zum Zelltod. Als Sicherheitsmaßnahme gegen die Bedrohung aus dem eigenen Innern haben Zellen daher folgenden Mechanismus entwickelt: Sie umschließen das perforierte Lysosom mit einer weiteren, intakten Membran und transportieren es wie in einem Beutel zu einem anderen Lysosom, wo es abgebaut wird. Gemeinsam mit einem Team der Ludwig-Maximilians-Universität München konnten die Forschenden der UDE um Arbeitsgruppenleiter Prof. Hemmo Meyer zeigen, dass dieser Abbauprozess von verschiedenen Faktoren abhängt: Das Protein Calponin 2 unterstützt dabei, eine neue Hülle um das beschädigte Lysosom auzubauen. Anschließend muss es rasch wieder entfernt werden. Dazu wird es mit dem kleinen Molekül Ubiquitin markiert wie ein Paket mit einem Adressaufkleber. Diesen Aufkleber liest das Enzym p97 und entfernt daraufhin das Calponin 2 wieder. Ist dieser Ablauf an irgendeiner Stelle gestört, kann ein beschädigtes Lysosom nicht abgebaut werden und führt letztlich zum Tod der Zelle. Ein gestörter Prozess könnte bei der Entstehung verschiedener Krankheiten wie Tumorentwicklungen, Entzündungen, neurodegenerativen Störungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen. „Unsere Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung helfen dabei, die Prozesse zu verstehen, die mit der Entstehung und dem Fortschreiten von Krankheiten verbunden sind“, erklärt Erstautorin Dr. Bojana Kravic. „Nur wenn man diese Vorgänge kennt, lassen sich wirksame therapeutische Ansätze entwickeln.“
Mehr erfahren zu: "Chronische Hepatitis B: Schätzung der Betroffenen in Europa reicht von 2,4 bis 4,1 Millionen" Chronische Hepatitis B: Schätzung der Betroffenen in Europa reicht von 2,4 bis 4,1 Millionen Die Chronische Hepatitis B ist in der Europäischen Union und im Europäischen Wirtschaftsraum (EU/EWR) weit verbreitet. Sie betraf im Jahr 2022 schätzungsweise 0,7 Prozent der Bevölkerung.
Mehr erfahren zu: "Innere Uhr der Leber steuert die tägliche Triglyceridsekretion" Innere Uhr der Leber steuert die tägliche Triglyceridsekretion Eine neue Studie zeigt einen bisher unbekannten zirkadianen Mechanismus des Transports von Triglyceriden aus der Leber auf, der für die Behandlung steatotischer Lebererkrankungen von Bedeutung sein könnte.
Mehr erfahren zu: "Alkohol und Leberschäden: Gelegentlicher starker Konsum kann das Risiko verdreifachen" Alkohol und Leberschäden: Gelegentlicher starker Konsum kann das Risiko verdreifachen Eine neue Studie legt nahe, dass nicht nur die insgesamt konsumierte Menge Alkohol, sondern auch das Muster des Konsums sogar bei moderatem Alkoholkonsum negative Effekt haben kann.