Acht Therapievorschläge für die Gesundheitsversorgung21. Mai 2025 © RioPatuca Images – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) gibt der neu aufgestellten Spitze des Gesundheitsministeriums acht Empfehlungen an die Hand, um die medizinische Versorgung zu verbessern und die begrenzten Ressourcen effizienter zu nutzen. „Das deutsche Gesundheitswesen ist krank. Wir leisten uns eines der teuersten Systeme, trotzdem ist die Lebenserwartung in Deutschland im internationalen Vergleich niedrig. Besondere Sorge bereitet uns das starke soziale Gefälle, wenn es um das Risiko geht, krank zu werden oder früher zu sterben. Gleichzeitig steigen die Kosten, während die medizinische Versorgung immer stärker unter Druck gerät“, skizziert Prof. Martin Scherer, Präsident der DEGAM, die aktuellen Herausforderungen. „Deshalb haben wir unsere wichtigsten Forderungen als Empfehlungen für die neue Gesundheitsministerin zusammengefasst“. Vize-Präsidentin Prof. Eva Hummers ergänzt: „Der Druck im System ist inzwischen so hoch, dass allen klar ist, dass es so nicht weitergehen kann. Damit ergibt sich aber auch die Chance auf echte Veränderung. Dieses Momentum müssen wir nutzen. Die neue Regierung hat jetzt die Chance, die Weichen für eine nachhaltige Gesundheitspolitik anders zu stellen.“ Die DEGAM empfiehlt, wissenschaftliche Evidenz stärker als bisher zur Richtschnur gesundheitspolitischer Entscheidungen zu machen. Außerdem fordert die DEGAM, Fehlanreize im System (zum Beispiel lukrative Behandlungen) abzubauen und die bestehende Ungleichverteilung zu reduzieren. Positiv wird bewertet, dass es inzwischen politische Unterstützung für eine verpflichtende Steuerung der Versorgung durch Allgemeinärztinnen und Allgemeinärzte (bzw. Kinderärztinnen und Kinderärzte) gibt, die dafür ausschließlich qualifiziert sind. Für solche Primärversorgungsmodelle liegen gute wissenschaftliche Belege vor. Nachhaltig wirksame Prävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht darauf reduziert werden darf, Menschen gesundheitliche Ratschläge zu erteilen. Stattdessen muss die Verhältnisprävention in Deutschland endlich gestärkt werden. Andere Länder zeigen schon seit Jahren, wie z.B. Schutz vor Nikotin und Alkohol, gesunde Ernährung, mehr Bewegung, bessere Wohnbedingungen und faire Bildungschancen umgesetzt werden können. Das ist effektiver und nachhaltiger, als immer mehr Medikamente für präventive Anliegen einzusetzen. Auch die Politik ist aufgerufen, dieser Medikalisierungsspirale bewusster entgegenzutreten. Zwei weitere große Themenblöcke runden die Empfehlungen ab. Zum einen empfiehlt die DEGAM, die Gesundheitsforschung im ambulanten Sektor mit hausärztlichen Forschungspraxennetzen weiter auszubauen. Zudem müssen der längst beschlossene Masterplan Medizinstudium 2020 mit der Reform der Approbationsordnung endlich umgesetzt und die Finanzierungsprobleme mit den Ländern gelöst werden. Dies ist essenziell, um die Studierenden auf das vorzubereiten, was sie später in der Praxis wirklich brauchen. Weiterzumachen wie bisher, würde eine weitere (und gleichzeitig vermeidbare!) Schwächung der ambulanten Versorgung bedeuten. Zusammengenommen ergeben sich große Herausforderungen für die künftige Gesundheitspolitik. „Unsere Fachgesellschaft bringt sich gerne in den politischen Dialog ein und steht für Beratung und Unterstützung selbstverständlich zur Verfügung“, so Scherer abschließend. Weitere Informationen: https://www.degam.de/files/inhalt/pdf/positionspapiere_stellungnahmen/positionspapier_neues_verzeichnis/2025_therapievorschlaege_gesundheitsversorgung.pdf Quelle: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, 7.5.2025
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