Aderhautmelanom: Jeder Monat ohne Therapie könnte Sterberisiko erhöhen19. August 2026 Beim Aderhautmelanom verkürzt sich mit zunehmender Tumorgröße die Volumenverdopplungszeit (Illustration generiert mit KI). © Riverruno – stock.adobe.com Das Wachstum von Aderhautmelanomen scheint sich mit zunehmender Tumorgröße zu beschleunigen. Bereits wenige Monate ohne Behandlung könnten die langfristigen Überlebenschancen schmälern. Die Sektion Ophthalmologische Onkologie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) betont daher, wie entscheidend eine frühzeitige Diagnose und ein zeitiger Therapiebeginn sind. „Diese Studie liefert erstmals belastbare Zahlen dazu, wie stark Zeitverzögerungen das Risiko beeinflussen“, sagt DOG-Experte Prof. Nikolaos E. Bechrakis, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Essen. Publiziert wurde die Metaanalyse in „Survey of Ophthalmology“. Auswertung von 199 Aderhautmelanomen und 87 wachsenden Nävi Die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse umfasst fünf Studien mit insgesamt 199 Aderhautmelanomen und 87 wachsenden Nävi. Die geschätzte durchschnittliche Volumenverdopplungszeit der Melanome lag bei 360 Tagen. Mit zunehmender Tumorgröße verkürzte sich die Verdopplungszeit: Sie betrug bei kleinen Melanomen 717 Tage, bei mittelgroßen 421 Tage und bei großen 307 Tage. Wachsende Nävi wiesen dagegen eine geschätzte Verdopplungszeit von 6392 Tagen auf. Die Analyse deutet damit darauf hin, dass Aderhautmelanome nicht mit konstanter Geschwindigkeit wachsen, sondern sich das Wachstum mit zunehmender Größe beschleunigt. Die Autoren um Dr. Gustav Stålhammar vom St. Erik Eye Hospital in Stockholm, Schweden beschreiben den Verlauf als superexponentiell. Gutartige Nävi hingegen wachsen deutlich langsamer. „Das Wachstum beschleunigt sich deutlich mit zunehmender Größe. Es verläuft nicht gleichmäßig“, erklärt Prof. Vinodh Kakkassery, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Chemnitz. Rasche Behandlung ist beim Aderhautmelanom entscheidend Anhand der ermittelten Wachstumsgeschwindigkeiten modellierten die Forschenden, wie sich eine verzögerte Behandlung auf die Zehn-Jahres-Inzidenz metastasenbedingter Todesfälle auswirken könnte. Dem Modell zufolge steigt sie mit jedem Monat, in dem ein Melanom unbehandelt weiterwächst, bei kleinen Tumoren um 0,3 Prozentpunkte, bei mittelgroßen um 1,8 Prozentpunkte und bei großen um 4,0 Prozentpunkte. Eine zweite Berechnung auf Grundlage unabhängiger Überlebensdaten ergab ähnliche Werte. „Bei kleinen Tumoren nimmt dieses Risiko pro Monat nur leicht zu. Bei mittelgroßen Melanomen steigt es schneller und bei großen Tumoren erhöht sich das Zehn-Jahres-Sterberisiko mit jedem weiteren Monat ohne Therapie um rund vier Prozentpunkte“, so Bechrakis. „Schon wenige Monate des Wartens können bei größeren Tumoren die langfristigen Überlebenschancen deutlich verschlechtern.“ Aderhautmelanome werden oft erst spät entdeckt Dennoch werden viele Aderhautmelanome erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Dafür gibt es nach Einschätzung der DOG-Experten zwei wesentliche Gründe: „Zum einen verursacht der Tumor lange keine Beschwerden. Betroffene gehen daher häufig erst spät zur augenärztlichen Untersuchung. Zum anderen erschwert der zunehmende Augenarztmangel in vielen Regionen den schnellen Zugang zur Versorgung. Termine sind oft erst nach Wochen oder Monaten verfügbar“, so Kakkassery. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer frühen Diagnose. „Kleine Melanome wachsen langsamer und lassen mehr Zeit für eine augenerhaltende Behandlung. Verzögerungen sind vor allem dann riskant, wenn der Tumor bereits größer ist“, betont Bechrakis. „Symptome wie Gesichtsfeldausfälle, Lichtblitze, unscharfes Sehen oder Schattensehen sollten ernst genommen werden. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto schneller kann er behandelt werden – Zeit ist hier ein entscheidender Faktor.“
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