ADHS: Hirnstimulation kann Symptome nicht lindern22. Januar 2026 Schlafendes Kind mit TNS-Gerät. (Foto: © Astrid Perez) Die Trigeminusstimulation (TNS) eignet sich nicht, um Symptome der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern zu lindern. Das geht aus einer multizentrischen Studie unter der Leitung des King’s College London (Großbritannien) mit 150 Kindern und Jugendlichen hervor. Ein entsprechendes Gerät war 2019 von der US-amerikanischen Food and Drugs Administration (FDA) auf der Grundlage einer kleinen Studie für die Behandlung von ADHS zugelassen worden.Die neuen Ergebnisse, die in „Nature Medicine“ veröffentlicht wurden, legen allerdings nahe, dass die Behörden die ursprünglichen Belege, die die Zulassung stützten, erneut überprüfen sollten. Stimulanzien verbessern die ADHS-Symptome bei 70 Prozent der Betroffenen, die sie kurzfristig einnehmen. Für ihre langfristige Wirkung gibt es bislang jedoch weniger Belege. Als Alternative zu Medikamenten haben Forscher Ansätze entwickelt und getestet, die eine nicht invasive Stimulation des Gehirns nutzen und auf die Regionen einwirken, die als einflussreich für ADHS identifiziert wurden. Placeboeffekt oder echte Wirksamkeit? Einer dieser Ansätze umfasst die Stimulation des Trigeminusnervs (TNS), wobei ein Ast dieses Gesichtsnervs angesteuert wird, von dem angenommen wird, dass er den Hirnstamm und von dort aus andere Gehirnregionen aktiviert, die für ADHS relevant sein könnten. Eine frühere kleine Studie in den USA mit 62 Kindern mit diagnostizierter ADHS hatte gezeigt, dass TNS, wenn sie einen Monat lang jede Nacht acht Stunden lang angewendet wird, die Symptome wirksam reduziert. Diese Ergebnisse führten zur Zulassung durch die FDA für die Anwendung in den USA. Allerdings erfolgte in der Kontrollgruppe keine Stimulation, und nach einem Monat wurde ohne Verblindung getestet, was Fragen hinsichtlich eines möglichen Placebo-Effekts aufwirft. Sichere Methode, aber ohne Wirkung auf ADHS-Symptome In der neuen Studie aus Großbritannien, die an zwei Standorten in London und Southampton durchgeführt wurde, wurde TNS an einer größeren Gruppe von 150 Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 18 Jahren getestet, bei denen ADHS diagnostiziert worden war. Dabei wurde eine strengere Placebo-Bedingung angewendet: Die Hälfte der Probanden erhielt vier Wochen lang jede Nacht etwa neun Stunden lang eine bilaterale Stimulation. Diese zielte auf die V1-Trigeminuszweige ab und erfolgte mit batteriebetriebenen Elektroden, die auf der Stirn angebracht wurden. Die andere Hälfte der Probanden erhielt eine „Scheinbehandlung“, bei der ebenfalls vier Wochen lang jede Nacht Elektroden an der Stirn angebracht wurden, die Teilnehmer jedoch nur 30 Sekunden lang pro Stunde eine Stimulation mit niedrigerer Frequenz und Impulsbreite erhielten, die als unwirksam gilt und somit als „Kontrollbedingung“ diente. Durch den Vergleich der Gruppen bewerteten die Forscher die Wirksamkeit von TNS, indem sie die von den Eltern gemeldeten ADHS-Symptome sowie andere Ergebnisse wie Gedankenwandern und Aufmerksamkeit, Depressionen und Angstzustände sowie Schlaf bewerteten. Die Intention-to-treat-Analyse ergab keine signifikanten unterschiedlichen Behandlungseffekte auf ADHS-Symptome (primärer Endpunkt; geschätzte adjustierte mittlere Differenz = 0,83; 95%-Konfidenzintervall -2,47 bis 4,13; p=0,622; Cohen’s d = 0,09). Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet, und die Nebenwirkungen unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Damit erwies sich die TNS zwar als sichere Intervention, zeigte jedoch keine klinische Wirksamkeit bei pädiatrischer ADHS. Starker Placeboeffekt bei hochtechnologischen Hirntherapien Katya Rubia, Professorin für Kognitive Neurowissenschaften am Institut für Psychiatrie, Psychologie und Neurowissenschaften (IoPPN) des King’s College London und leitende Autorin der Studie, erklärte: „Unsere Studie zeigt, wie wichtig es ist, in klinischen Studien zu Hirntherapien eine geeignete Placebobedingung zu entwickeln. Bei hochtechnologischen Hirntherapien gibt es einen starken Placeboeffekt, insbesondere bei Patienten und Familien, die erwarten, dass sie die mit ADHS verbundenen Hirnunterschiede ausgleichen können.“ Dr. Aldo Conti, Postdoktorand am IoPPN und an der Florence Nightingale Faculty of Nursing, Midwifery & Palliative Care, King’s College London, und Erstautor der Studie, ergänzt: „Im Gegensatz zur früheren Studie, die sich auf jüngere Kinder beschränkte, haben wir auch Jugendliche einbezogen, eine klinisch wichtige Gruppe, da sie bekanntermaßen Schwierigkeiten mit der langfristigen Einhaltung der Medikamenteneinnahme haben. Diese Designentscheidungen ermöglichten eine robustere und klinisch relevantere Bewertung von TNS.“ (ej/BIERMANN) Außerdem interessant zum Thema ADHS: ADHS: Studie findet charakteristisches Muster der Gehirnaktivität Review zeigt die besten kurzfristigen Therapieoptionen bei ADHS auf
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