Adipöse Kinder und Teenager: Fettablagerung im Pankreas erhöht Risiko für kardiovaskuläre und Stoffwechselerkrankungen

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Ein nicht invasives Bildgebungsverfahren zur Messung von Fettgewebe im Pankreas könnte dazu beitragen, junge Menschen mit erhöhtem Risiko für kardiometabolische Erkrankungen zu identifizieren, die von einer Adipositasbehandlung profitieren könnten.

Laut einer neuen Studie, die im Mai auf dem diesjährigen European Congress on Obesity (ECO) in Istanbul (Türkei) vorgestellt werden wird, ist eine vermehrte intrapankreatische Fettablagerung bei adipösen Kindern und Jugendlichen mit einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen verbunden. Dazu gehören ein überdurchschnittlich hoher Body-Mass-Index (BMI), ein erhöhter diastolischer Blutdruck, höhere Anteile von Bauch- und Leberfett sowie Insulinresistenz.

Vermehrtes Fettgewebe im Pankreas junger Menschen ernster nehmen

Die Studie, geleitet von Klinikern und Forschern der Kinder-Adipositas-Klinik des Zentrums für Adipositas-Management am Universitätsklinikum Holbæk in Dänemark, ist laut den Autoren eine der ersten, in der der Einfluss einer Fettleber auf die kardiometabolische Gesundheit junger Menschen untersucht worden ist.

„Unsere Studie unterstreicht die Notwendigkeit, den Fettgehalt des Pankreas bei jungen Menschen viel ernster zu nehmen, da er wahrscheinlich mit der Entwicklung einer Reihe schwerwiegender kardiovaskulärer und Stoffwechselerkrankungen zusammenhängt“, erklärte Jens-Christian Holm, leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Holbæk in Kopenhagen (Dänemark). „Dies macht ihn zu einem entscheidenden Gebiet für die Früherkennung und das Management von Adipositas.“

Im Jahr 2020 lebten weltweit schätzungsweise 25 Millionen Kinder und 35 Millionen Jugendliche mit dem Metabolischen Syndrom. Bei Erwachsenen korreliert ein erhöhter Fettgehalt in der Bauchspeicheldrüse stark mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen wie dem Metabolischen Syndrom, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck. Allerdings ist die Evidenz für diesen Zusammenhang mit der kardiometabolischen Gesundheit bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen begrenzt.

Ermittlung des Fettgehaltes mittels Magnetresonanzspektroskopie

Um diese Wissenslücken zu schließen, quantifizierten dänische Forscher Fettablagerungen im Pankreas bei adipösen Kindern und Jugendlichen und untersuchten dessen Zusammenhang mit der allgemeinen und lokalen Fettverteilung sowie anderen kardiometabolischen Risikofaktoren. Zu letzteren zählten Taillen- und Hüftumfang, Nüchternblutzucker, LDL- und HDL-Cholesterin, Gesamtcholesterin, Leberfunktion, Insulinresistenz sowie systolischer und diastolischer Blutdruck über Normalwerten.

Für die Studie nutzten die Forscher die nicht invasive Magnetresonanzspektroskopie, um den Fettgehalt in Bauchspeicheldrüse, Leber und Bauchraum von 283 jungen Menschen (7–19 Jahre; 49% weiblich) zu messen, die zwischen Februar 2020 und September 2025 zu einer Adipositastherapie in die Kinder- und Jugendambulanz des Universitätsklinikums Holbæk überwiesen worden waren. Alle Teilnehmenden unterzogen sich zudem anthropometrischen Messungen (z. B. Größe, Gewicht, Blutdruck) und umfassenden klinischen Untersuchungen.

In ihrer Analyse berücksichtigten die Forscher auch Alter und Geschlecht, um deren Einfluss auszuschließen.

Assoziation unter anderem mit sehr hohem BMI

Die Analyse ergab, dass bei jungen Menschen mit schwerer Adipositas ein höherer Fettgehalt in der Bauchspeicheldrüse mit einem überdurchschnittlich hohen BMI, einem höheren Verhältnis von Taille zu Körpergröße, einem höheren diastolischen Blutdruck, einem höheren Leber- und Viszeralfettgehalt sowie einem höheren C-Peptid-Spiegel einhergingen.

Im Gegensatz dazu konnte die Studie keine Zusammenhänge zwischen dem Fettanteil im Pankreas und dem systolischen Blutdruck, dem Nüchterninsulinspiegel und dem HOMA-IR-Wert (Homeostasis Model Assessment für Insulinresistenz), dem Nüchternblutzucker, der Alanin-Aminotransferase oder dem LDL-, HDL- oder Gesamtcholesterin nachweisen.

„Dies sind erste Ergebnisse, aber die Messung des Fettgehalts in der Bauchspeicheldrüse könnte wertvoll sein, um Kinder und Jugendliche zu identifizieren, die am ehesten kardiometabolische Risiken entwickeln und daher einer intensiveren Behandlung bedürfen“, erklärte Holm. „Im nächsten Schritt gilt es zu klären, ob eine Reduzierung des Fettanteils im Pankreas auch das kardiometabolische Risiko senkt.“

Die Autoren weisen auf mehrere Einschränkungen der Studie hin. So kann sie keine Kausalzusammenhänge herstellen, da es sich um eine Querschnittstudie handelt. Zudem besteht laut den Forschenden die Möglichkeit von Störfaktoren und umgekehrter Kausalität. Darüber hinaus merken sie an, dass die Studie hauptsächlich europäische Kinder und Jugendliche kaukasischer Abstammung umfasst, wodurch die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Ethnien eingeschränkt ist. Eine größere Studie zum Thema Adipositasmanagement könnte die Ergebnisse bestätigen und erweitern, meinen die Wissenschaftler. (ac)