Pankreasagenesie: Gentest findet in fast allen Fällen die molekulare Ursache4. Juni 2026 Foto: © Marcin Janiec – stock.adobe.com Bei Kindern mit Pankreasagenesie kann ein umfassender Gentest die genetische Ursache heute in nahezu allen Fällen identifizieren. Das zeigt eine internationale Kohortenstudie, die eine molekulare Diagnose bei 98 Prozent der untersuchten Betroffenen erreichte. Die Pankreasagenesie ist eine seltene angeborene Entwicklungsstörung, bei der das Pankreas während der Embryonalentwicklung nicht oder nur unvollständig angelegt wird. Klinisch manifestiert sich die Erkrankung typischerweise durch neonatalen Diabetes sowie eine exokrine Pankreasinsuffizienz mit Bedarf an Enzymsubstitution. Trotz bekannter genetischer Ursachen blieb bei einem Teil der Betroffenen bislang die molekulare Diagnose ungeklärt. Die nun in „The Lancet Diabetes & Endocrinology“ publizierte Untersuchung analysierte die genetischen Ursachen der Pankreasagenesie in einer großen internationalen Kohorte über einen Zeitraum von 21 Jahren. Bei der Arbeit handelt es sich um eine internationale Kohortenstudie. Eingeschlossen wurden 129 Personen mit klinisch diagnostizierter Pankreasagenesie. Ziel war die Identifikation krankheitsverursachender genetischer Veränderungen mittels moderner molekulargenetischer Verfahren. Dazu untersuchten die Autoren bekannte und neu identifizierte krankheitsassoziierte Gene sowie regulatorische DNA-Regionen, die für die Pankreasentwicklung relevant sind. Erkrankung mit hoher genetischer Heterogenität Von den 129 untersuchten Betroffenen konnte bei 125 eine ursächliche genetische Veränderung identifiziert werden. Damit wurde eine molekulare Diagnose in 98 Prozent der Fälle erreicht. Lediglich bei vier Personen blieb die genetische Ursache ungeklärt. Die Ergebnisse bestätigen die hohe genetische Heterogenität der Erkrankung und erweitern das Spektrum bekannter krankheitsverursachender Varianten. Zu den bereits etablierten Genen und regulatorischen Regionen zählen unter anderem Veränderungen in PDX1, PTF1A, GATA6 sowie ZNF808. Die Studie zeigt, dass die diagnostische Ausbeute durch moderne genetische Analysen deutlich höher ist als in früheren Untersuchungen. Dadurch kann die Zeit bis zur gesicherten molekularen Diagnose erheblich verkürzt werden. Genetische Untersuchung verkürzt die diagnostische Odyssee Den Forschenden zufolge sprechen die Daten für einen frühzeitigen Gentest bei Neugeborenen und Säuglingen mit neonatalem Diabetes in Kombination mit exokriner Pankreasinsuffizienz oder bildgebenden Hinweisen auf eine Pankreasagenesie. Eine rasche genetische Diagnosestellung könne die diagnostische Odyssee verkürzen, die genetische Beratung von Familien erleichtern und die Einordnung möglicher Begleitfehlbildungen unterstützen. Darüber hinaus verbessere die molekulare Diagnostik die genetische Risikobewertung für weitere Familienmitglieder, sind die Autoren überzeugt. (ej/BIERMANN)
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