Ewigkeits-Chemikalien: Zusammenhang mit Darmentzündungen im Kindesalter festgestellt

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Laut einem Forscherteam aus den USA gibt es einen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) während der Schwangerschaft beziehungsweise früh im Leben und verstärkter Darmentzündung im Kindesalter.

Die kürzlich im Journal „Clinical Gastroenterology and Hepatology veröffentlichten Forschungsergebnisse liefern nach Auffassung der Autoren neue Belege dafür, dass Umwelteinflüsse während wichtiger Entwicklungsphasen die langfristige Darmgesundheit und das künftige Risiko für Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CEDs) beeinflussen können.

Auswertung von drei Geburtskohorten

Ausgewertet wurden Daten aus drei Geburtskohorten in den USA und Mexiko. Nach Angaben der verantwortlichen Wissenschaftler ist diese Studie die erste, die zeigt, dass eine PFAS-Exposition vor der Geburt und früh im Leben konsistent mit erhöhten Werten von Calprotectin im Stuhl einhergeht. Dabei handelt es sich um einen Biomarker für Darmentzündungen, der häufig zur Überwachung von CEDs eingesetzt wird.

Das Team von der Icahn School of Medicine (USA) ermittelte die PFAS-Konzentrationen im mütterlichen Blut (entnommen während der Schwangerschaft), im Nabelschnurblut sowie in Trockenblutproben von Neugeborenen. Die Kinder wurden über einen Zeitraum von bis zu elf Jahren beobachtet. In allen drei Geburtskohorten waren höhere Konzentrationen von PFAS-Gemischen mit höheren Werten an fäkalem Calprotectin im späteren Kindesalter verbunden.

„Obwohl die Genetik bei entzündlichen Darmerkrankungen eine wichtige Rolle spielt, erklärt sie nicht vollständig, warum die Krankheit entsteht“, sagt Dr. Manasi Agrawal, korrespondierende Autorin der Studie und Assistenzprofessorin für Innere Medizin (Gastroenterologie) sowie Umweltmedizin und Public Health an der Icahn School of Medicine. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine PFAS-Exposition vor der Geburt und im frühen Leben während einer wichtigen Entwicklungsphase zu Darmentzündungen beitragen kann. Das Verständnis dieser Umwelteinflüsse könnte uns letztlich dabei helfen, Möglichkeiten zu finden, das künftige Krankheitsrisiko zu senken, noch bevor Symptome auftreten.“

PFAS oder „Ewigkeits-Chemikalien“ sind heutzutage allgegenwärtig: Sie verbleiben lange in der Umwelt und können sich im Laufe der Zeit im menschlichen Körper anreichern. In der jüngeren Vergangenheit wurden bereits bei Heranwachsenden ein damit verbundenes um bis dreifach erhöhtes Risiko für Lebererkrankungen gefunden. Andere Untersuchungen zeigten eine gesteigerte Asthmawahrscheinlichkeit bei hoher pränataler PFAS-Exposition sowie eine Gefahr für die Knochenentwicklung.

Zusammenhang betrifft nicht nur ältere PFAS, sondern auch moderne Ersatzstoffe

Mithilfe moderner, nicht zielgerichteter chemischer Analyseverfahren wiesen die Autoren der aktuellen Studie PFAS in allen biologischen Proben aus der frühen Lebensphase nach. Sie stellten fest, dass sowohl ältere PFAS-Verbindungen als auch neuere PFAS-Ersatzstoffe mit Darmentzündungen in Verbindung standen. Dies deutet darauf hin, dass ein breites Spektrum dieser Chemikalien die Darmgesundheit von Kindern beeinflussen kann. „Indem wir PFAS als Gemische und nicht als einzelne Chemikalien untersuchten, konnten wir die Expositionssituation im Alltag besser abbilden“, erläutert Vishal Midya, Erstautor der Studie und Assistenzprofessor für Umweltmedizin und Public Health an der Icahn School of Medicine. „Die Übereinstimmung unserer Ergebnisse über verschiedene biologische Proben und drei unabhängige Geburtskohorten hinweg untermauert die Erkenntnis, dass eine PFAS-Exposition in der frühen Lebensphase dauerhafte Auswirkungen auf die Darmgesundheit haben könnte.“

Die Forschenden betonen, dass ein erhöhter Calprotectin-Wert im Stuhl nicht zwangsläufig bedeutet, dass ein Kind eine CED entwickeln wird. Vielmehr handele es sich um einen empfindlichen Biomarker für Darmentzündungen, der mit einem erhöhten Risiko für eine spätere CED-Erkrankung in Verbindung gebracht werden kann. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lasse sich nicht feststellen, ob PFAS direkt Darmentzündungen oder CED verursachen, erklären die Wissenschaftler außerdem.

Das Forschungsteam plant, die Teilnehmenden weiter zu beobachten, um zu klären, ob Kinder mit einer höheren PFAS-Exposition und Darmentzündungen in der frühen Lebensphase im späteren Leben mit höherer Wahrscheinlichkeit an einer CED erkranken. (ac)