Leberzirrhose: Blutmarker kurz nach TIPS liefern Hinweise auf die weitere Prognose17. Juli 2026 Darstellung Leberzirrhose. (Abbildung: eranicle/stock.adobe.com) Wissenschaftler aus Wien und Mainz haben biologische Veränderungen nach einer TIPS-Implantation bei fortgeschrittener Leberzirrhose identifiziert, die mit dem weiteren Verlauf der Lebererkrankung in Zusammenhang stehen. Die Ergebnisse der Forschenden von der Medizinischen Universität Wien (Österreich) und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Liver International“ veröffentlicht wurden, erleichtern laut den Autoren eine personalisierte Versorgung von Patienten nach Implantation eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS). Bedeutung einer Erhöhung des von-Willebrand-Faktors nach TIPS Im Fokus der Studie stand der Von-Willebrand-Faktor (VWF), einem Marker für abnormale Veränderungen der Gefäßinnenwand. Erhöhte VWF-Werte werden bei Menschen mit Leberzirrhose häufig beobachtet. Bisher war jedoch unklar, ob Veränderungen dieses Wertes nach einer TIPS-Implantation Informationen über die weitere Prognose liefern können. Um dieser Frage nachzugehen, werteten die Forschenden aus Wien und Mainz Daten von 199 Patienten aus. Bei 118 Personen lagen Messungen des VWF sowohl vor dem Eingriff als auch drei Monate danach vor. Dabei zeigte sich, dass die VWF-Werte in der Gesamtgruppe von 313 auf 262 Prozent zurückgingen. Bei fast der Hälfte der Patienten war ein klinisch relevanter Rückgang zu verzeichnen, das heißt gemäß der zuvor festgelegten Definition ein Rückgang um mindestens fünf Prozent. Entscheidend war dabei nicht der Ausgangswert vor dem Eingriff, sondern vielmehr die anschließende Entwicklung. Patienten mit einer Abnahme des VWF wiesen eine signifikant niedrigere Sterblichkeitsrate auf als Betroffene ohne eine solche Verringerung. Insbesondere nach einem Jahr lag die Sterblichkeitsrate bei 4,2 Prozent, verglichen mit bis zu 21,1 Prozent bei Patienten ohne Rückgang des VWF. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung etablierter Risikofaktoren für die Sterblichkeit wie Alter und Schweregrad der Lebererkrankung bestehen. Entwicklung von Markern liefert Hinweise auf Prognose Zusätzlich untersuchte das Forschungsteam die Dynamik des Entzündungsmarkers Interleukin-6 (IL-6). Die Kombination beider Marker ermöglichte eine weitere Risikoeinteilung. Patienten, bei denen sowohl VWF als auch IL-6 innerhalb von drei Monaten nach TIPS abnahmen, hatten die günstigste Prognose. Bei dieser Gruppe betrug die Sterblichkeit nach zwei Jahren 10,6 Prozent. Im Gegensatz dazu lag die Sterblichkeitsrate bei denjenigen, bei denen keiner der beiden Marker abnahm, bei bis zu 46,7 Prozent. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht einzelne Ausgangswerte vor dem Eingriff, sondern deren Entwicklung in den ersten Monaten danach wichtige Hinweise auf den weiteren Krankheitsverlauf liefern können“, sagt Erstautorin Marlene Hintersteininger (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien). „Da die Untersuchung des von-Willebrand-Faktors in der klinischen Praxis bereits verfügbar ist, könnten diese Informationen dazu beitragen, Patient:innen nach einer TIPS-Implantation künftig gezielter zu versorgen.“ Studienleiter Dr. Lukas Hartl fügt hinzu: „Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend und können in die klinische Praxis einfließen – denn VWF und IL-6 sind leicht verfügbare Biomarker und können eine wertvolle Orientierungshilfe für das Patient:innenmanagement nach einer TIPS-Implantation bieten.“ Langfristig und nach weiterer Validierung sollte die Überwachung der Veränderungen der VWF- und IL-6-Spiegel flächendeckend eingeführt werden, um Hochrisikopatienten nach einer TIPS-Implantation früher zu identifizieren.
Mehr erfahren zu: "Ewigkeits-Chemikalien: Zusammenhang mit Darmentzündungen im Kindesalter festgestellt" Ewigkeits-Chemikalien: Zusammenhang mit Darmentzündungen im Kindesalter festgestellt Laut einem Forscherteam aus den USA gibt es einen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) während der Schwangerschaft beziehungsweise früh im Leben und verstärkter Darmentzündung im […]
Mehr erfahren zu: "Krebsrisiko: Einfluss von Übergewicht wird möglicherweise deutlich unterschätzt" Krebsrisiko: Einfluss von Übergewicht wird möglicherweise deutlich unterschätzt Forschende im Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigen in einer neuen Analyse: Werden aussagekräftigere Maße für Körperfett sowie methodische Verzerrungen berücksichtigt, sind mehr als zehn Prozent aller Fälle von Krebs auf Übergewicht […]
Mehr erfahren zu: "MARS-Konzept beim Rektumkarzinom kann vielen Patienten eine radikale OP ersparen" MARS-Konzept beim Rektumkarzinom kann vielen Patienten eine radikale OP ersparen Auf dem 32. Jahreskongress der DEGRO in Leipzig ist kürzlich ein neuartiges Behandlungskonzept auf Grundlage einer Magnetresonanztomograpie-geführten Strahlendosis-Eskalation beim Rektumkarzinom vorgestellt worden.