Adipositas-Chirurgie: Rückfall in Nikotinkonsum kommt häufig vor

Die meisten erwachsenen Raucher, die sich einem bariatrischen Eingriff unterziehen, geben im Monat vor ihrer Operation das Rauchen auf. Die Mehrheit aber erleidet einen Rückfall in den Nikotinkonsum. Innerhalb von sieben Jahren steigt die Raucherquote wieder auf das Niveau vor der Operation an. (Quelle: UPMC)

In einer aktuellen Studie haben US-amerikanische Wissenschaftler beobachtet, dass etwa jeder siebte adipöse Patient, der sich einer gewichtsreduzierenden Operation unterziehen möchte, Raucher ist. Fast alle Teilnehmer in der Untersuchung gaben jedoch mindestens einen Monat vor dem Eingriff das Rauchen auf. Allerdings, so berichten die Wissenschaftler auch, stieg die Prävalenz des Nikotinkonsums innerhalb der ersten sieben Jahre postoperativ stetig wieder auf das Niveau vor der Operation an.

Die in den „Annals of Surgery“ veröffentlichten Ergebnisse deuten darauf hin, dass Chancen ausgelassen werden, um Patienten für Interventionen zu interessieren, die die Raten für einen langfristigen Nikotinverzicht verbessern können. Diese Gelegenheiten würden insbesondere bei den regelmäßigen Nachuntersuchungen verpasst.

„Vor der Operation mit dem Rauchen aufzuhören wird zur Reduktion chirurgischer Komplikationen dringend empfohlen“, erläutert Hauptautorin Wendy King, außerordentliche Professorin für Epidemiologie an der Universität Pittsburgh. „Auf die Erhaltung des Nikotinverzichtes nach dem Eingriff wird aber nicht derselbe Nachdruck gelegt. Unsere Resultate zeigen, dass ein Bedarf an weitergehender Unterstützung besteht, wenn rasch auf Rückfälle reagiert und deren Zahl gesenkt werden soll.“

King und ihre Kollegen beobachteten sieben Jahre lang 1770 Erwachsene nach, die einen Roux-en-Y-Magenbypass erhalten hatten. Dabei befragten sie die Patienten nach ihrem Nikotinkonsum. Bei den Befragten handelte es sich um Probanden aus der prospektiven, von den National Institutes of Health geförderten Beobachtungsstudie LABS-2 (Longitudinal Assessment of Bariatric Surgery-2 (LABS-2). Daran nahmen Patienten aus zehn Krankenhäusern in den USA teil.

Mehr als 45 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, vor der gewichtsreduzierenden Operation geraucht zu haben. Im Jahr unmittelbar vor dem Eingriff rauchten von diesen noch 14 Prozent, im Monat vor der Operation nur noch zwei Prozent. Im ersten Jahr nach dem Eingriff allerdings stieg die Rate schon wieder auf fast zehn Prozent und nahm in der Folge bis zum siebten Jahr postoperativ wieder stetig auf 14 Prozent zu.

„Interessanterweise handelte es sich bei den Personen, die nach der Operation mit dem Rauchen anfingen, nicht nur um solche, die innerhalb des Jahres vor dem Eingriff den Nikotinkonsum aufgegeben hatten – mutmaßlich in Vorbereitung auf die Operation. Viele hatten vorher überhaupt nicht geraucht“, berichtet Koautorin Gretchen White, außerordentliche Professorin an der Medizinischen Fakultät der Universität Pittsburgh. Zwei von fünf Patienten, die nach dem Eingriff rauchten, hatten mehr als ein Jahr präoperativ Zigaretten aufgegeben oder überhaupt niemals vorher geraucht.

Die Forscher beobachteten außerdem, dass Patienten, die vor der Operation sowie zu irgendeinem Zeitpunkt danach Raucher waren, ihren Konsum erhöhten: durchschnittlich von einem Dutzend Zigaretten pro Tag im Jahr vor dem Eingriff auf mehr als 15 Zigaretten täglich sieben Jahre danach. Diese Ergebnisse, so die Wissenschaftler, stünden im Gegensatz zu gleichzeitigen Senkungen der Prävalenz und der Intensität des Nikotinkonsums in der US-amerikanischen Allgemeinbevölkerung.

Die Studienautoren vermuteten, dass Gewichtskontrolle einer der Hauptgründe wäre, aus dem die Patienten nach einem bariatrischen Eingriff wieder mit dem Rauchen anfangen. Sie stellten aber fest, dass die Prävalenz des Nikotinkonsums zur Gewichtskontrolle mit rund zwei Prozent prä- und postoperativ ziemlich stabil und nicht mit einem höheren Zigarettenkonsum assoziiert war. King betont, dass „davon alle überrascht waren, da allgemein angenommen wird, dass die Gewichtskontrolle ein Hauptmotivator für das Rauchen ist.“

Zwar war die Studie nicht darauf ausgerichtet, eine biologische Ursache für die beobachteten Ergebnisse zu finden, doch beobachteten die Forscher, dass Magenbypass-Patienten mit höherer Wahrscheinlichkeit nach der Operation rauchten als Patienten, die ein verstellbares Magenband erhalten hatten. Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge erhöht ein Magenbypass die Exposition gegenüber dem psychoaktiven Nikotinmetaboliten Cotinin. Ebenso, wie ein Magenbypass aufgrund von Veränderungen bei der Verstoffwechselung von Alkohol (die zu einer stärkeren und rascheren Erhöhung des Blutalkoholspiegels führen) das Risiko für eine Alkoholkonsumstörung steigen lasse, könne dieser Eingriff auch das Risiko für Zigarettenkonsum über den Nikotin-Metabolismus erhöhen, vermutet King.

Die Wissenschaftler identifizierten in ihrer Untersuchung außerdem verschiedene Faktoren, die im Vorfeld Rückschlüsse darauf zulassen könnten, welche Patienten mit der höchsten Wahrscheinlichkeit nach der Operation (wieder) mit dem Rauchen anfangen. Wenig überraschend wurde ein früherer Nikotinkonsum als größter Risikofaktor erkannt. Des Weiteren waren ein jüngeres Patientenalter, Armut, ein Leben in Partnerschaft oder Ehe sowie Drogenmissbrauch jeweils mit einem erhöhten Risiko in Verbindung gebracht.