Adjuvante Therapie auf Basis des molekularen Risikoprofils beim Endometriumkarzinom

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Wie erfolgreich ist eine individualisierte, auf dem molekularen Risikoprofil basierende adjuvante Therapie für Frauen mit einem Endometriumkarzinom mit hohem bis intermediärem Risiko? Dieser Frage gingen Wissenschaftler um Anne Sophie V. M. van den Heerik vom Universitair Medisch Centrum Leiden in der PORTEC-4a-Studie nach.

Wie sich zeigte, ist dieser Ansatz machbar, ersparte 46 Prozent der Patientinnen mit einem günstigen Profil eine adjuvante Therapie und reduzierte sowohl Über- als auch Untertherapie.

Wie die Autoren erläutern, handelte es sich bei PORTEC-4a (NCT03469674) um eine randomisierte, unverblindete, multizentrische Phase-III-Studie zur Nichtunter­legenheit, die in 8 europäischen Ländern durchgeführt wurde. Teil­nahmeberechtigt waren erwachsene Frauen (WHO-Performance-Status von 0–2) mit einem frühen Endo­metriumkarzinom mit hohem bis intermediärem Risiko. Die Patientinnen wurden postoperativ 2:1 für eine adjuvante Therapie entsprechend ihres molekularen Risikoprofils oder eine standardmäßige vaginale Brachytherapie randomisiert, stratifiziert nach Studienzentrum, Tumorgrad und Lymphadenektomie.

In der Gruppe mit günstigem molekularem Profil (POLE-mutiert oder ohne spezifisches molekulares Profil [NSMP]-CTNNB1-Wildtyp) bestand die adjuvante Therapie in der Beobachtung. Bei einem intermediären Profil (Mismatch-Reparatur-Defizienz oder NSMP-CTNNB1-mutiert) wurde eine Brachytherapie (21 Gy in 3 Fraktionen à 7 Gy im Abstand von 5–7 Tagen) durch­geführt. Hingegen erfolgte bei einem ungünstigen Profil (abnormales p53, ausgeprägte lymphovaskuläre Invasion oder Überexpression des Zell­adhäsionsmoleküls L1) eine Beckenbestrahlung (45,0–48,6 Gy in Fraktionen à 1,8–2,0 Gy, 5 Tage pro Woche).

Das Team konnte im Zeitraum 01.06.2016–24.12.2021 insgesamt 569 Frauen in die PORTEC-4a-Studie aufnehmen. Nach Hinzunahme von 23 Patientinnen mit günstigem Risiko aus der PORTEC-4-Studie umfasste die finale kombinierte ­PORTEC-4a-Kohorte 564 geeignete und auswertbare Teilnehmerinnen (medianes Alter 69,0 Jahre [IQR 63,0–73,5]; 367 in der Gruppe mit molekularem Profil, 197 in der Standardgruppe).

Die mediane Nachbeobachtung beziffern die Autoren auf 58,1 Monate (IQR 40,7–63,6). Wie sie berichten, wiesen in der Gruppe mit molekularem Profil 168 Patientinnen (46%) ein günstiges, 148 (40%) ein intermediäres und 51 (14%) ein ungünstiges Profil auf.

Die kumulative 5-Jahres-Inzidenz eines vaginalen Rezidivs (primärer Endpunkt) betrug in der Gruppe mit molekularem Profil 4,5 Prozent (95%-KI 2,23–6,76) und in der Standardgruppe 1,6 Prozent (95%-KI 0,00–3,32) (HR 2,71; 95%-KI 0,79–9,34). Dabei lag die obere Grenze des einseitigen Konfidenzintervalls der Differenz (5,3 %) unterhalb der vordefinierten Äquivalenzgrenze von 7,0 Prozent ­(pNichtunterlegenheit = 0,005). Eine zweite primäre Analyse untersuchte Patientinnen mit einem günstigen molekularen Profil: Sie zeigte eine 5-Jahres-Rate vaginaler Rezidive von 4,1 % (95 %-KI 0,81–7,37) in der Gruppe mit molekularem Profil vs. 0,9 Prozent (95 %-KI 0,00–2,78) in der Standardgruppe (HR 3,97; 95%-KI 0,48–32,95).

Die nachteiligen Ereignisse (AE) waren überwiegend von Grad 1 oder 2, urogenitale Toxizitäten von Grad 3 oder höher traten bei 4/367 Frauen (1%) vs. 4/197 (2%) auf, ohne dass wesentliche Unterschiede zwischen den Gruppen bestanden. Ferner ­traten 5 schwerwiegende AE auf, von denen eines möglicherweise behandlungsbedingt war (dehiszente vaginale Narbe). (sf)

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