Ärzte verordnen weniger Antibiotika26. Januar 2026 Aktuelle Zahlen zeigen einen Rückgang der Antibiotika-Verordnungen in Deutschland – insbesondere bei den Kleinsten. (Foto: © Dusan Petkovic – stock.adobe.com) Ärztinnen und Ärzte verordnen in Deutschland immer weniger Antibiotika. So ist die altersübergreifende Verordnungsrate von 2010 bis 2019 kontinuierlich um 26 Prozent gesunken. Das geht aus Zahlen des Zentralinstitutes für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervor. Demnach ist die altersübergreifende Verordnungsrate seit 2010 kontinuierlich abgesunken, von 559 auf 414 Verordnungen pro 1000 gesetzlich Versicherten im Jahr 2019. In den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 brachen die Verordnungszahlen dann überdurchschnittlich stark ein (2020: 305/1000; -26% zu 2019) und 2021 (277/1000; -33% zu 2019). Am stärksten ausgeprägt war die relative Abnahme der Verordnungsraten in den Jahren 2020 und 2021 gegenüber 2019 in den Altersgruppen der Zwei- bis Fünfjährigen (2020: 343/1000; -48%; 2021: 322/1000; -51%) sowie der Sechs- bis Neunjährigen (225/1000; -43%; 140/1000; -64%). Deutlich weniger Antibiotika für die Kleinsten Für die Jahre 2023 (418/1000) und 2024 (426/1000) zeigen die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten einen Wiederanstieg der altersübergreifenden Verordnungsrate auf ein mit 2019 vergleichbares Niveau. Diese näherte sich für die Altersgruppen der Zwei- bis Fünfjährigen, die 15- bis 64-Jährigen sowie für die über 65-Jährigen wieder dem Verordnungsniveau von 2019 an. Bei Kindern bis einem Jahr war die Verordnungsrate hingegen um etwa 20 Prozent reduziert. Für Sechs- bis Neunjährige (2023 vs.2019: +33%; 2024: +30%) und Zehn- bis 14-Jährige (2023: +9%; 2024: +44%) zeigten sich hingegen deutliche Zunahmen. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zu „Altersspezifische Trends der Verordnung systemischer Antibiotika in den Jahren 2010 bis 2024“, die im „Deutschen Ärzteblatt“ veröffentlicht worden ist. Starker Zunahme des Infektionsgeschehens nach der Pandemie Nach dem kontinuierlichen Absinken der Verordnungsraten seit 2010 sowie dem abrupten pandemiebedingten Einbruch – wohl auch aufgrund einer deutlich reduzierten Zirkulation anderer respiratorischer Erreger – war das ambulante Verordnungsniveau 2024 gegenüber 2019 marginal erhöht (+3%). Höhere Verordnungsraten in den Jahren 2023 und 2024 betrafen jedoch ausschließlich die Altersgruppe der Sechs- bis 14-Jährigen. Angesichts des kontinuierlichen Rückgangs des Antibiotikaeinsatzes in diesem Alterssegment zwischen 2010 und 2019 dürfte der vorübergehende Anstieg Ausdruck eines temporär veränderten altersspezifischen Erkrankungsgeschehens sein. So waren insbesondere die Wintermonate der Jahre 2022/2023 und 2023/2024 nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) geprägt von einer unüblich starken Zunahme des Infektionsgeschehens. Das umfasst unter anderem die ausgeprägte Infektionszunahme durch Gruppe-A-Streptokokken mit teils schweren Verläufen bei Kindern in den Winterzeiten 2022/2023 und 2023/2024, eine in diesem Ausmaß erstmalig beobachtete Häufung von Mykoplasmen-Infektionen bei Schulkindern und Jugendlichen in den Jahren 2023 und 2024 sowie ein starker Anstieg von Keuchhustenfällen im Jahr 2024 bei 0- bis 19-Jährigen. Gute Zahlen im internationalen Vergleich „Die medikamentöse Therapie mit Antibiotika ist bei schweren bakteriellen Infektionen unverzichtbar. Ihre Wirksamkeit wird jedoch durch die Ausbreitung von Resistenzen gefährdet. Unsere aktuellen Datenauswertungen zeigen aber einmal sehr deutlich: Der Großteil der Vertragsärztinnen und -ärzte in Deutschland setzt Antibiotika überaus zurückhaltend und nach entsprechender sorgfältiger Risikoabwägung ein. Positiv hervorzuheben ist auch die stark rückläufige Verordnungsrate von Fluorchinolonen, nicht zuletzt aufgrund von Warnungen vor schwerwiegenden gesundheitlichen Nebenwirkungen“, kommentierte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried die aktuellen Zahlen. Er verwies darauf, dass Deutschland mit dem starken Rückgang des Antibiotikaeinsatzes in den Jahren 2020 und 2021, aber auch mit dem Wiederanstieg in den Folgejahren nach der COVID-19-Pandemie dem europäischen Trend folge. Dabei zeige der internationale Vergleich auch im Wiederanstieg einen eher geringen Antibiotikaeinsatz in Deutschland. So wurden nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) etwa im Jahr 2023 in 23 europäischen Ländern höhere und lediglich in vier Ländern geringere Verordnungsmengen von Antibiotika in der ambulanten Versorgung beobachtet. Die Zi-Untersuchung fußt auf den ambulanten Arzneiverordnungsdaten aller gesetzlichen Krankenkassen. Die jährliche Verordnungsrate systemischer Antibiotika ist als Anzahl abgegebener Antibiotika pro 1000 Versicherte insgesamt und je Altersgruppe berechnet worden.
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