Ärztegenossenschaft Nord befürwortet Primärarztsystem unter bestimmten Voraussetzungen24. April 2025 Für Axel Schroeder, stv. Vorstandsvorsitzender der äg Nord, hat es “keinen Sinn, dass chronisch kranke Patienten (…) erst zum Hausarzt müssen, um erst nach Überweisung in regelmäßiger Behandlung und Kontrolle beim Facharzt zu bleiben“. Foto: Berufsverband der Deutschen Urologie. Die Ärztegenossenschaft Nord (äg Nord) begrüßt die im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD vorgesehene Einführung eines Primärversorgungssystems. Dieses sollte jedoch nicht zu eng gefasst werden, sondern breit transprofessionell und interdisziplinär ausgerichtet sein, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Nach Ansicht der Genossenschaft, welche die Interessen von Ärzten und Psychotherapeuten aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein vertritt, führt der willkürliche, unkontrollierte Zugang zum Kollaps der medizinischen Versorgung. Eine vermehrte Inanspruchnahme aufgrund der Alterung der Gesellschaft und der zunehmend mangelnden Gesundheitskompetenz der Bürger bringe die gesundheitliche Versorgung an ihre Grenzen. Aus diesen Gründen plädiert die äg Nord für eine Primärarztsystem. Die freie Arztwahl müsse jedoch erhalten bleiben, beim Hausarzt wie beim Facharzt. Der ag Nord schwebt eine Art hausarztzentrierter Versorgung vor, in die sich der Patient für eine bestimmte Zeit einschreibt. Als Grundversorger sollen nicht nur beim Allgemeinmediziner, sondern auch Frauenärzte, Augenärzte, Orthopäden, Urologen und Hautärzte angesehen werden – insbesondere bei chronischen Patienten. „Dies bedeutet, dass Hausärzte im Team mit Pflegekräften, Physiotherapeuten, Physician Assistants und dem sozialmedizinischen Dienst zusammenarbeiten. Fachärzte der Grundversorgung sind hierbei assoziiert“, erklärt Dr. Svante Gehring, Hausarzt und Vorstandsvorsitzender der äg Nord. „Es macht z.B. keinen Sinn, dass chronisch kranke Patienten mit einem Prostata- oder Blasenkarzinom erst zum Hausarzt müssen, um erst nach Überweisung in regelmäßiger Behandlung und Kontrolle beim Facharzt zu bleiben“ ergänzt Dr. Axel Schroeder, Urologe und stv. Vorstandsvorsitzender der äg Nord. Versorgung akut und chronisch kranker Patienten Patienten mit einem neu aufgetretenen akuten Problem sollten nach Vorstellung der Ärztegenossenschaft im akuten Krankheitsfall entweder zentral über den Rettungsdienst (112) oder die Servicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung (116117) eine Ersteinschätzung erfahren und von dort in die richtige Versorgungsebene vermittelt werden. Eingeschriebene Patienten hingegen sollten sich direkt an ihr Primärversorgungszentrum wenden können, wo sie an den richtigen Ansprechpartner für ihr Problem gelangen. Chronisch kranke Patienten sollen im Primärversorgungszentrum, u.a. im Rahmen eines Disease-Management-Programms (DMP) oder durch den jeweiligen Facharzt fortlaufend mit Folgeterminen behandelt werden. „Die Gatekeeper- und Lotsenfunktion wird so ressourcenschonend zur Gemeinschaftsaufgabe. Patienten müssen nicht mehr durch den Flaschenhals einer Hausarztpraxis“, betont Gehring die Vorteile aus seiner Sicht. Mit diesem Konzept erhofft sich die äg Nord eine bessere Patientenversorgung und eine effizientere Nutzung der Gesundheitsressourcen. Das Primärarztsystem soll einen „echten Mehrwert für die Patienten“ bieten und auch durch „Inzentives“ bei freiwilliger Teilnahme gefördert werden können. (ms)
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