Ärztekammer Westfalen-Lippe unterstützt NRW-Initiative für die „Widerspruchslösung“6. November 2023 Symbolbild: SewcreamStudio – stock.adobe.com Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) unterstützt die Initiative von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Bundesrat, in einem neuen Anlauf die sogenannte „Widerspruchslösung“ bei der Organspende zu etablieren. „Das bisherige System der ,Entscheidungslösung‘ hat trotz vieler Nachbesserungen bisher nicht zu einer Verbesserung der Situation geführt“, erklären Ärztekammerpräsident Dr. Hans-Albert Gehle und ÄKWL-Ehrenpräsident Prof. Theodor Windhorst. „Im Interesse von über 8000 schwerstkranken Menschen, die in Deutschland dringend auf ein Spenderorgan warten, muss die Zahl der Organspender steigen.“ Bislang könnten Organspenden oft nicht realisiert werden, weil keine Willensäußerung des möglichen Spenders vorliegt oder Angehörige eine Spende ablehnten, da der Willen des möglichen Spenders nicht bekannt sei. Bei der „Widerspruchslösung“ würde hingegen jeder als möglicher Organspender gelten, der sich zuvor nicht aktiv gegen eine Spende ausgesprochen hat. „Es ist nicht zu kritisieren, wenn sich jemand entscheidet, dass er seine Organe nicht spenden möchte“, verdeutlicht Gehle. „Aber es ist nötig und auch zumutbar, dass sich jeder Mensch zumindest einmal im Leben mit dieser wichtigen Frage auseinandersetzt und seinen Willen auch dokumentiert.“ Von der Widerspruchslösung, so der Ärztekammerpräsident weiter, profitierten im Falle eines Falles auch die Angehörigen des möglichen Spenders: Ihnen werde in ohnehin hoch belastender Situation nicht auch noch eine Entscheidung über eine Organspende abverlangt. Umfragen zeigen, dass vier von fünf Menschen in Deutschland der Organspende grundsätzlich positiv gegenüberstehen. „Es ist den Patientinnen und Patienten auf der Warteliste nicht zu vermitteln, dass dennoch nur so wenige Organspenden realisiert werden können, weil es an rechtzeitigen Entscheidungen fehlt“, erklärt Windhorst, der auch Transplantationsbeauftragter der ÄKWL ist. In Nordrhein-Westfalen zählte die Deutsche Stiftung Organtransplantation von Januar bis September dieses Jahres 114 Organspender, das waren 13 weniger als noch im Vorjahreszeitraum. „Deutschland ist das bevölkerungsreichste Land in der Europäischen Union und dennoch seit vielen Jahren dringend angewiesen auf Importe von Organen, die in Ländern mit Widerspruchslösung gespendet werden.“ Die Spenderzahlen seien alarmierend niedrig, das Leid der Wartelisten-Patienten alarmierend hoch, und das könne die Gesellschaft nicht länger ausblenden, sind sich Gehle und Windhorst einig. „Das Thema geht jeden und jede Einzelne an. Denn jeder Mensch kann einmal auf ein Spenderorgan angewiesen sein.“
Mehr erfahren zu: "Experten fordern strukturierte Weiterbildung für Kinderurologie" Experten fordern strukturierte Weiterbildung für Kinderurologie Was ist zu tun, damit Erkrankungen der Harnwege im Kindes- und Jugendalter optimal behandelt und im Erwachsenenalter weiter betreut werden können? Sicherlich kein Gegeneinander von Kinderurologie, Kinderchirurgie und konservativer Pädiatrie, […]
Mehr erfahren zu: "Paul Ehrlich-Preis für Erkenntnisse zu Autoimmunerkrankungen" Paul Ehrlich-Preis für Erkenntnisse zu Autoimmunerkrankungen Der australische Immunologe Prof. Christopher Goodnow erhält den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2027.
Mehr erfahren zu: "Abgeordnetengruppe gegen große Umstellung bei Organspenden" Abgeordnetengruppe gegen große Umstellung bei Organspenden Wie können mehr lebensrettende Spenderorgane wie Nieren und Lebern organisiert werden? Im Parlament liegen jetzt zwei gegensätzliche Initiativen dazu vor – es geht auch um schwierige ethische Aspekte.