Experten fordern strukturierte Weiterbildung für Kinderurologie18. September 2026 Diskussionsrunde beim Forum „Die Kinderurologie im Karussell der Gesundheitspolitik“ am 18.09.2026 beim 78. DGU-Kongress in Düsseldorf. Foto: Schmitz Was ist zu tun, damit Erkrankungen der Harnwege im Kindes- und Jugendalter optimal behandelt und im Erwachsenenalter weiter betreut werden können? Sicherlich kein Gegeneinander von Kinderurologie, Kinderchirurgie und konservativer Pädiatrie, eher ein Schulterschluss für eine strukturierte Weiterbildung. Dies wurde beim 78. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Düsseldorf deutlich. In dem Forum „Die Kinderurologie im Karussell der Gesundheitspolitik“ am 18.09.2026 beleuchteten Experten mehrerer Disziplinen die Situation der Versorgung kinderurologischer Erkrankungen vor dem Hintergrund der aktuellen gesundheitspolitischen Situation. „Die Orientierung unseres Gesundheitswesens hat sich nicht so entwickelt, wie der Bedarf ist“, sagte Prof. Jörg Dötsch, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln. Wie seinem Bericht zu entnehmen war, drohte die pädiatrische Versorgung unter die Räder zu kommen, wenn sie nach den Kriterien der Erwachsenenmedizin beurteilt wurde. Der Kinderarzt mit viel Erfahrung in der Politikberatung erzählte von erschreckendem Unwissen bei Verantwortlichen – die etwa dachten, dass Kinder dieselben onkologischen Erkrankungen wie Erwachsene hätten – und erfolgreichen Interventionen. So sei die Mindestliegedauer abgeschafft worden, die in der pädiatrischen Versorgung kontraproduktiv ist, da die jungen Patienten möglichst schnell wieder nach Hause sollen und wollen. Auch werde die Pädiatrie jetzt mit 60% Vorhalteleistungen gestützt und ist damit nicht mehr so sehr auf den Erlös durch DRGs angewiesen. Allen Kindern, auch mit urologischen Erkrankungen, komme der Sonderfonds Pädiatrie mit einem Plus von zwölf Prozent zugute, betonte Dötsch. Gegenüber der Politik gemeinsam auftreten Was nun speziell das Verhältnis von Kinderurologie und -chirurgie angeht, berichtete der Kinderarzt aus seinen Erfahrungen in der Politikberatung, dass es keinen Sinn hat, Politiker mit solchen speziellen Fragestellungen zu konfrontieren: „Dann höre ich immer: ‚Jetzt bin ich ganz verwirrt‘ – und am Ende tun sie gar nichts.“ Zuerst müssten sich die beiden Disziplinen einigen und dann ein gemeinsames Strategiepapier an die Politik herantragen, empfahl er, „am besten zusammen mit der konservativen Pädiatrie“. So einfach ist das in einem wirtschaftlich bestimmten Gesundheitswesen allerdings nicht. „Es muss einmal ausgesprochen werden: Die Kinderchirurgen versuchen, Patienten an sich zu binden“, sagte DGU-Präsidentin Prof. Susanne Krege, die das Forum moderierte. Dabei ergänzen sich die beiden Disziplinen eigentlich optimal. Prof. Wolfgang Rösch, der das Forum ebenfalls moderierte, verdeutlichte die Unterschiede: Während die Kinderchirurgen „sehr anatomisch“ denken und den „kindlichen Organismus“ in den Vordergrund stellen, punkten die Kinderurologen beim funktionellen Verständnis. Prof. Margit Fisch, Klinikdirektorin aus Hamburg und Ex-DGU-Präsidentin, meldete sich aus dem Publikum und bekräftigte diese Ansicht. Zudem seien die Kinderchirurgen sehr gut bei offenen Operationen, jedoch aus ihrer Erfahrung weniger versiert bei endorurologischen Eingriffen. Weiterbildung als Hürdenlauf Was liegt da näher, als die Disziplinen in der Weiterbildung zu verbinden? Gerade die Weiterbildung ist das Problem in der Kinderurologie. Ein Forumsteilnehmer berichtete von seinen Schwierigkeiten, die geforderten 50 Hypospadie-Operationen zusammen zu bekommen, wenn etwa distale und proximale Hypospadien an verschiedenen Zentren operiert werden und dort zudem keine Weiterbildungsberechtigung besteht. Eine weitere Teilnehmerin bezweifelte, dass ein junger Arzt nach fünf Jahren urologischer Ausbildung an Erwachsenen in 18 Monaten die urologische Behandlung von Kindern ausreichend erlernen kann – damit müsse man von vornherein beginnen. Rösch betonte, dass andere Länder es bereits geschafft hätten, Weiterbildungsverbünde zu bilden, wie etwa die Niederlande, in denen diese sogar verpflichtend seien. Der renommierte Kinderurologe, der seit April dieses Jahres am Marienhaus Klinikum Neuwied-Waldbreitbach tätig ist, fasste zusammen: „Mit der Anerkennung der Subspezialität haben wir den ersten Schritt getan. Jetzt bedarf es eines klar strukturierten Weiterbildungs- und Ausbildungskonzeptes, in das die Kindernephrologen und -chirurgen einbezogen sind.“ (ms/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Vesikorenaler Reflux: Durchbruch-Harnwegsinfektionen vorhersagen Behandlung von Nierensteinen bei Kindern: Mini-perkutane Nephrolithotripsie schlägt extrakorporale Stoßwellenlithotripsie
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