Vesikorenaler Reflux: Durchbruch-Harnwegsinfektionen vorhersagen12. August 2026 Vesikorenaler Reflux kann zu wiederkehrenden Harnwegsinfekten und Schäden an den Neren führen. (Foto: © Pepermpron – stock.adobe.com) Die kontinuierliche Antibiotikaprophylaxe (CAP) ist ein Eckpfeiler in der Behandlung des vesikorenalen Refluxes bei Kindern. Dennoch kommt es immer wieder zu Durchbruch-Harnwegsinfektionen. Ein neues Scoring-System verspricht nun eine präzisere Risikostratifizierung und könnte die individualisierte Prävention verbessern. Ein vesikorenaler Reflux (VRR) im Kindesalter erfordert oft eine langfristige Strategie, um bleibende Nierenschäden zu verhindern. Obwohl die antibiotische Prophylaxe darauf abzielt, Infektionen zu vermeiden, treten diese bei einem erheblichen Teil der Patienten dennoch auf. Bisher fehlte es jedoch an validierten Instrumenten, um das individuelle Risiko für solche Durchbruch-Infektionen (BT-UTI) zuverlässig vorherzusagen. Ein internationales Forscherteam hat nun im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse ein prädiktives Tool entwickelt und extern validiert. Identifikation von acht stabilen Prädiktoren Dafür werteten die Wissenschaftler 24 Kohortenstudien mit insgesamt 3264 Kindern aus. Dabei stellten sie fest, dass die Inzidenz von BT-UTI unter CAP bei 30,5 Prozent lag. Aus ursprünglich 26 potenziellen Risikofaktoren filterten die Forscher acht stabile Prädiktoren heraus, die in das finale Scoring-System einflossen: Alter unter einem Jahr (OR 2,04) Beidseitiger Reflux (OR 1,81) Hochgradiger Reflux (Grad IV–V; OR 2,65) Symptomatische Harnwegsinfektionen (OR 2,74) Rezidivierende Infektionen in der Anamnese (OR 2,17) Blasen- und Darmfunktionsstörungen (OR 1,81) Erhöhte Uretermesser-Ratio (MD 0,139) Nierennarbenbildung (nachgewiesen im DMSA-Scan; OR 4,40). Besonders auffällig war die starke Gewichtung von bereits bestehenden Nierennarben, die das Risiko für eine weitere Infektion am stärksten beeinflussten. Hohe diagnostische Genauigkeit in der Validierung Die externe Validierung des Scores erfolgte an einer Kohorte von 158 Kindern am Children’s Hospital der Chongqing Medical University (China). Dabei erreichte das Modell eine Fläche unter der Kurve (AUC) von 0,88, was den Forschenden zufolge auf eine hohe Trennschärfe hindeutet. Bei einem festgelegten Schwellenwert von 17 Punkten wies der Score eine Sensitivität von 93 Prozent und eine Genauigkeit von 84 Prozent auf. Entscheidungsanalysen (Decision-Curve Analyses) bestätigten zudem einen positiven klinischen Nettonutzen für die Anwendung im Praxisalltag. Autoren betonen, dass der neu entwickelte Acht-Punkte-Score ein wertvolles Instrument für die klinische Entscheidungsfindung darstellt. Durch die Identifikation von Hochrisikopatienten könnten Präventionsmaßnahmen gezielter geplant und implementiert werden, was letztlich dazu beitragen könnte, die Morbidität bei Kindern mit VRR zu senken und die langfristige Nierengesundheit zu schützen. (ej)
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