Aktionsbündnis Thrombose zeichnet Andreas Greinacher mit Virchowpreis aus14. Oktober 2021 Gewinner des diesjährigen Virchowpreises: Andreas Greinacher von der Universität Greifswald. Foto: ©Universität Greifswald Das Greifswalder Forscherteam um Prof. Andreas Greinacher entdeckte die Ursache für die Entstehung von Sinusvenenthrombosen und habe damit einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis von Impfkomplikation durch das Astrazeneca-Vakzin geleistet, heißt es von der Jury. Der diesjährige Virchowpreis des Aktionsbündnisses Thrombose geht an Prof. Andreas Greinacher, Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald. Dies teilte die Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA) am Mittwoch mit. Greinacher erhält den mit 2500 Euro dotierten Preis für seine Entdeckung des „VITT“-Syndroms – der Vakzine-induzierten immunogenen thrombotischen Thrombozytopenie. Das Syndrom beschreibt einen Mechanismus, der an eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie mit Antikörperbildung gegen Plättchenfaktor 4 (PF4) erinnert, aber mit dieser nicht identisch ist. Die Greifswalder Untersuchungen zeigen, dass ein Eiweiß von Blutplättchen, der Plättchenfaktor 4 (PF4), mit Bestandteilen des Impfstoffs interagiert. Das dadurch veränderte PF4 wird von Antikörper-bildenden Zellen des Immunsystems erkannt und diese Zellen beginnen dann, Antikörper gegen das körpereigene Eiweiß zu bilden. Die Folge: In einigen seltenen Fälle kam es zu Verklumpungen im Blut der Geimpften und löste eine Hirnvenenthrombose aus. Die Wissenschaftler um Greinacher präsentierten parallel zu dem Forschungsergebnis die medizinisch positive Nachricht: Die Antikörper verschwinden innerhalb von drei Monaten. Die Betroffenen können gefahrlos ein zweites Mal geimpft werden, ohne dass die Antikörper wieder gebildet werden und eine gefährliche Sinusvenenthrombose gefürchtet werden muss, erläutert die DGA, die das Aktionsbündnis Thrombose im Jahr 2014 ins Leben rief. Die prämierte Arbeit wurde Anfang April 2021 im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht, nur zwei Wochen nachdem die ersten Patienten mit VITT beobachtet wurden. „Dies zeigt die Schnelligkeit, mit der die Greifswalder Arbeitsgruppe das Problem gelöst hat“, lobt die Fachgesellschaft. Folgeergebnisse der Arbeitsgruppe um Greinacher wurden mittlerweile in zwei weiteren Studien im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht sowie in der letzten Woche eine zusammenfassende Arbeit mit der Aufklärung des Pathomechanismus in der Zeitschrift „Blood“. „Mit der Entdeckung des VITT-Syndroms und den Folgeergebnissen konnten schwere Komplikationsraten um mehr als 90 Prozent gesenkt werden“, so die Zusammenfassung der DGA zu Greinachers wissenschaftlicher Arbeit. Das Forschungsergebnis sei insbesondere für Länder von Relevanz, die ausschließlich über den AstraZeneca-Impfstoff verfügen. „Die Leistung von Greinacher und seinem Team ist von außerordentlicher Bedeutung inmitten der Pandemie, in der wir uns noch befinden. Sie trägt zum medizinischen Verständnis von thrombotischen Ereignissen unter Einwirkung eines Vektorimpfstoffes bei und hat einen fundamental wichtigen Beitrag zur Aufklärung von Impfrisiken geleistet“, begründet Prof. Rupert Bauersachs, Wissenschaftlicher Leiter des Aktionsbündnisses Thrombose, die Entscheidung zur Preisvergabe.
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