Allergisches Asthma: Programm zur Schimmelsanierung im sozialen Wohnungsbau reduziert Notfälle15. Juni 2026 Eine groß angelegte Beobachtungsstudie aus den USA zeigt, behördliche Projekte zur Schimmelsanierung die Belastung durch Asthma-Exazerbationen signifikant verringern konnten. (Symbolfoto: Heiko/stock.adobe.com) Bei Patienten mit allergischem Asthma kann sich eine Schimmelpilzexposition erheblich negativ auswirken. Ein behördliches Programm zur Bekämpfung von Schimmelbefall in Sozialwohnungen in New York (USA) zeigt, dass solche Folgen wirksam abgewendet werden können. Mit „Mold Busters“ hat die New York City Housing Authority als größte US-Behörde für sozialen Wohnungsbau im Programm zur Beseitigung von Schimmelbefall in Wohnräumen ins Leben gerufen – ausgelöst durch eine im Jahr 2013 eingereichte Sammelklage von Bewohnern, die aufgrund von Schimmelbefall in ihren Wohnungen an Asthma litten. Neue Forschungsergebnisse, die jüngst auf der internationalen Jahrestagung der American Thoracic Society (ATS) vorgestellt wurden, zeigen, dass das Programm jährlich zu fast 2800 weniger asthmabedingten Notfalleinweisungen führt. Die Autoren der Untersuchung schätzten, dass die Bewohner des sozialen Wohnungsbaus in New York City ohne dieses Programm 25 Prozent mehr asthmabedingte Notfalleinweisungen verzeichnet hätten. Bei der Untersuchung handelt es sich um die erste groß angelegte Beobachtungsstudie, die aufzeigt, dass stadtweite Projekte zur Schimmelsanierung die Belastung durch Asthma-Exazerbationen signifikant verringern können. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass auf Interventionen gegen Asthma-Auslöser in Wohnungen eine entscheidende Rolle bei der Verringerung langjähriger Ungleichheiten in der Asthmaversorgung spielen könnten“, erklärte Erstautorin Nina Flores Dell Medical School der University of Texas in Austin (USA) auf dem ATS-Kongress. „Mold Busters“ ist ein Programm zur Schimmelbeseitigung und -sanierung, das die Reaktionszeiten bei schimmelbedingten Problemen verbesserte, verantwortliches Personal in evidenzbasierten Verfahren der Schimmelentfernung schulte und zu umfassenden Verbesserungen der Belüftung im sozialen Wohnungsbau von New York City führte. Während kleinere Studien bereits darauf hingewiesen hatten, dass solche Verbesserungen asthmabedingte Erkrankungen verringern können, wollten die Forscher nun ermitteln, ob sich diese Effekte auch in einem größeren Maßstab beobachten lassen. Senkung des Anteils von Asthma-Notfällen Für die neue Studie verglichen die Autoren die Notfalleinweisungen von Personen, die im sozialen Wohnungsbau von New York City leben, mit einer Kontrollgruppe von Personen aus angrenzenden Gebieten mit ähnlichem Einkommensniveau. Die Studie ergab, dass die durch „Mold Busters“ durchschnittlich neun von 1000 Mietern von Sozialwohnungen weniger aufgrund von Asthma eine Notaufnahme aufsuchten als Bewohner in vergleichbaren Wohngebieten außerhalb des sozialen Wohnungsbaus. Die Wissenschaftler werteten dies als einen konkreten Beleg für die Wirksamkeit des Programms. Im Rahmen des Programms „Mould Busters“ setzen die Mitarbeiter laut der Behörde unter anderem Feuchtigkeitsmessgeräte sowie eine neuartige, schimmelhemmende Farbe ein. Die mehr als 2500 Mitarbeiter erhalten zudem eine eingehende, praxisorientierte Schulung zur Durchführung von Wohnungsinspektionen auf Schimmelbefall sowie zur Schimmelsanierung. Neue Methoden bei der Inspektion von Wohnungen und deren Dokumentation sollen dafür sorgen, dass die einem Schimmelbefall zugrundeliegenden Ursachen genau identifiziert werden. Weitere Verbesserungen im Rahmen des Programms umfassen optimierte Reaktionsabläufe und eine bessere Kommunikation. Flores merkte an, dass jene Gebäude, in denen nach der Schimmelsanierung der stärkste Rückgang an Schimmelbeschwerden zu verzeichnen war, auch die steilsten Rückgänge bei den asthmabedingten Notfalleinweisungen aufwiesen. Dies untermauere zusätzlich den Zusammenhang zwischen dem Eingreifen von „Mold Busters“ und den beobachteten gesundheitlichen Verbesserungen. Nutzen für die Gesundheit wahrscheinlich noch größer als in Studie dargestellt Flores räumte als Schwäche der Untersuchung ein, dass nur die Inanspruchnahme von Notaufnahmen erfasst worden sei. Die Auswirkungen weniger schwerer Asthma-Exazerbationen – die beispielsweise lediglich zu Fehlzeiten in der Schule oder am Arbeitsplatz, nicht aber zu einer intensiveren medizinischen Versorgung führten – sowie anderer allergischer und respiratorischer Beschwerden, die mit Schimmelbelastung in Verbindung stehen, seien nicht berücksichtigt worden. „Die hier angegebenen gesundheitlichen Vorteile unterschätzen wahrscheinlich das volle Ausmaß der gesundheitsbezogenen Nutzens, die aus der Intervention resultieren“, erklärte die Forscherin daher. Die Wissenschaftler planen, ihre Analyse zu wiederholen, sobald weitere Daten vorliegen. See erhoffen sich davon Erkenntnisse darüber, ob die positiven Effekte dauerhaft anhalten oder sich im Laufe der Zeit sogar noch verstärken. Die Entfernung und Sanierung von Schimmel könnte nicht nur die Häufigkeit von Asthmaverschlimmerungen verringern – sie könnte womöglich auch die Entstehung neuer Asthmaerkrankungen verhindern, so die Forscher. Zudem führt das Team derzeit Hausbesuche durch, um Daten zu Schimmelbelastung, allergischer Sensibilisierung und asthmabedingten Erkrankungen bei Kindern in öffentlichen Wohnanlagen in New York City zu erheben – sowohl nach einer Beschwerde wegen Schimmelbefalls als auch in den zwölf Monaten nach dessen Beseitigung. (ac)
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