Alternde Stammzellen des Gehirns reaktivieren25. Februar 2021 Stammzellen im Hippokampus der Maus (in blau): Mit zunehmendem Alter vermindert sich ihre Fähigkeit, neue Nervenzellen zu bilden, da die Menge des Kernproteins Lamin B1 (in rot) abnimmt. (Bild: Khadeesh bin Imtiaz, UZH) Mit zunehmendem Alter verlieren Hirnstammzellen die Fähigkeit, sich zu teilen und neue Nervenzellen zu bilden. Dadurch wird die Gedächtnisleistung beeinträchtigt. Forschende der Universität Zürich haben nun einen Mechanismus entdeckt, der für die Stammzellalterung mitverantwortlich ist. Und sie zeigen, dass die Nervenzellbildung wieder aktiviert werden kann. Stammzellen des Gehirns bilden lebenslang neue Nervenzellen, beispielsweise im Hippokampus. Diese Hirnregion ist für mehrere Gedächtnisprozesse sehr wichtig. Bei Patienten mit Morbus Alzheimer oder mit zunehmendem Alter nimmt im Hippokampus die Neubildung von Nervenzellen kontinuierlich ab – und damit auch die Gedächtnisleistung der Betroffenen. Verteilung von altersbedingten Zellschäden In einer Studie zeigt die Gruppe von Sebastian Jessberger, Professor am Institut für Hirnforschung der Universität Zürich, wie die Bildung neuer Nervenzellen beeinträchtigt wird. Proteinstrukturen im Zellkern der Hirnstammzellen sorgen dafür, dass schadhafte Eiweiße, die sich mit der Zeit ansammeln, bei der Zellteilung ungleichmäßig auf die zwei Tochterzellen verteilt werden. Dies scheint wichtig zu sein, damit Stammzellen über lange Zeit ihre Teilungsfähigkeit behalten, um den Nachschub an Neuronen zu sichern. Mit fortschreitendem Alter verändern sich jedoch die Mengen dieser Kernproteine, was zu einer fehlerhaften Verteilung der altersbedingten Eiweiße führt. Deshalb werden im Gehirn von alternden Mäusen immer weniger Nervenzellen gebildet. Zentral in diesem Prozess ist das Kernprotein Lamin B1, dessen Menge mit fortschreitendem Alter abnimmt. Als die Forschenden die Menge an Lamin B1 in alternden Mäusen experimentell erhöhten, verbesserte dies die Stammzellteilung und erhöhte die Neubildung von Nervenzellen. “Im gesamten Körper verlieren Stammzellen mit zunehmendem Alter nach und nach ihre Teilungsfähigkeit. Mithilfe von gentechnischen Methoden und modernster Mikroskopie konnten wir nun einen Mechanismus identifizieren, der dafür mitverantwortlich ist”, sagt Doktorand und Erstautor der Studie, Khadeesh bin Imtiaz. Alterungsprozesse von Stammzellen stoppen Die Forschungsarbeit ist Teil mehrerer laufender Projekte mit dem Ziel, in Zukunft alternde Stammzellen wieder zu aktivieren. Denn verletztes Gewebe regeneriert im Alter generell schlechter. Das heißt, fast alle Stammzellarten im Körper sind betroffen. “Unsere Studie beschränkt sich zwar auf Hirnstammzellen, ähnliche Mechanismen dürften aber auch für die Alterung von anderen Körperstammzellen eine Rolle spielen”, sagt Jessberger. Die neuen Erkenntnisse sind den Forschern zufolge ein wichtiger Schritt, um altersbedingte Änderungen im Stammzellverhalten detailliert zu erforschen. “Wir wissen nun, dass wir Stammzellen im alternden Gehirn aktivieren können. Wir hoffen, damit einen Beitrag zu leisten, um zukünftig die Bildung neuer Nervenzellen zu erhöhen – etwa bei Menschen im hohen Alter oder mit degenerativen Erkrankungen wie dem Morbus Alzheimer. Auch wenn das noch viele Jahre dauern wird”, sagt Jessberger. Originalpublikation: Bin Imtiaz MK et al. Declining Lamin B1 expression mediates age-dependent decreases of hippocampal stem cell activity. Cell Stem Cell, 24. Februar 2021.
Mehr erfahren zu: "Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten" Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten Die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser ist in finanziell prekärer Lage. Die Einsparungen der Bundesregierung werden die Not einer Umfrage unter Klinikchefs zufolge noch vergrößern.
Mehr erfahren zu: "Weltmännertag: Echte Stärke heißt auch, auf sich selbst zu achten" Weltmännertag: Echte Stärke heißt auch, auf sich selbst zu achten Zum Weltmännertag am 3. November weist das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf das Problem hin, dass Männer oftmals nicht genug auf sich selbst achten – mit Folgen für Gesundheit […]
Mehr erfahren zu: "Mehr Bildung verringert das Demenzrisiko Jahrzehnte später" Mehr Bildung verringert das Demenzrisiko Jahrzehnte später Eine britische Schulreform aus dem Jahr 1972 scheint Jahrzehnte später zu weniger Demenzdiagnosen geführt zu haben. Eine Studie deutet darauf hin, dass mehr Bildung das Demenzrisiko senken könnte, selbst bei […]