Altersschwerhörigkeit: Zunehmender Hörverlust in der 10. Dekade

Hörgerät
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Über das Ausmaß und den Ursprung von Hörverlust bei älteren Menschen (80 Jahre und älter) herrscht in der Wissenschaft Uneinigkeit. Otolaryngologen der New Yorker Columbia-Universität haben nun untersucht, ob die Rate des altersbedingten Hörverlustes in dieser Altersgruppe konstant bleibt. Dafür unternahmen sie ein retrospektives Review der medizinischen Daten von passenden Patienten der HNO-Abteilung an genannter Universitätsklinik. Die Forscher starteten außerdem audiometrische Untersuchungen von 647 Patienten im Alter zwischen 80 und 106 Jahren. Von diesen 647 lagen bei 141 mehrere Audiogramme vor. Aus einer populationsbezogenen Sicht wurde der Hörverlust aus verschiedenen Altersgruppen untersucht: 80 bis 84 Jahre, 85 bis 89 Jahre, 90 bis 94 Jahre sowie 95 Jahre und darüber. Aus einer individuellen Perspektive wurde der Schweregrad des Hörverlustes zwischen zwei Audiogrammen mit dem Alter verglichen.

Die Veränderungen im Hörvermögen (auf allen Frequenzen) verteilten sich unterschiedlich auf die zuvor festgelegten Altersgruppen: In der 10. Dekade waren die Veränderungen stärker als in der neunten Dekade (5,4 – 11,9 dB bei den 647 Patienten, Durchschnittsalter 90 Jahre). Damit korrespondierend nahm die jährliche Rate an niedrig-frequentem Hörverlust in der 10. Dekade schneller zu (3,8 dB pro Jahr bei 0,25 kHz; 3,8 dB pro Jahr bei 0,5 kHz; 3,2 dB pro Jahr bei 1 kHz). Unabhängig vom Gehörverlust bei allen Probanden trugen lediglich 382 Patienten (59 %) eine Hörhilfe.

Die Autoren ziehen nach ihrer Untersuchung das Fazit, dass es im Vergleich zur 9. Lebensdekade in der zehnten Dekade zu einem signifikanten Anstieg des Hörverlustes kommt, der eine fundamentale Veränderung der mechanischen Prozesse der Altersschwerhörigkeit darstellt. Trotz der potenziellen Vorteile einer Hörhilfe finden diese Geräte in dieser Altersgruppe weiterhin zu selten Anwendung.

Die Autoren schlagen vor, dass es zu einem Verständniswechsel in Bezug auf Altersschwerhörigkeit kommen muss, um die Versorgung mit Hörhilfen zu verstärken: Fort von einem Patienten-initiierten Versorgungsmodell hin zu einem chronischen Krankheitsmodell.

 

Autor: Wattamwar et al.
Korrespondenz:  Department of Otolaryngology-Head & Neck Surgery, Columbia University College of Physicians and Surgeons, New York, NY, USA
Studie: Increases in the Rate of Age-Related Hearing Loss in the Older Old
Quelle: The Journal of the American Medical Association (JAMA) Otolaryngol Head Neck Surg. 2017;143(1):41-45
Web: dx.doi.org/10.1001/jamaoto.2016.2661